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22.10.2007 
China

Li Keqiang: Der angepasste Radikale

von Andreas Hoffbauer

Li Keqiang (52) gehört zu den Aufsteigern aus der Jugendorganisation der KP, die die interne Machtbasis für Hu Jintao ist. Er ist Parteichef der alten Industrie-Provinz Liaoning und galt schon länger als ein Wunschkandidat von Hu. Li Keqiang soll erster Vize-Regierungschef werden und wird darum bereits als der mögliche Nachfolger von Regierungschef Wen Jiabao in fünf Jahren gehandelt.

Li Keqiang beim Torteanschneiden. Foto: dpaLupe

Li Keqiang beim Torteanschneiden. Foto: dpa

PEKING. Der Jurist mit Doktorentitel und einem Wirtschaftsdiplom gehörte zu der Studentengeneration, die nach der Kulturrevolution mehr Freiheit und Reformen in der Volksrepublik forderte. Li spricht gut englisch, er hat schon als Student an der Universität britische Fachlektüre übersetzt.

Auf dem Parteitag vergangene Woche hielt er sich dennoch strikt an die Worte und den Kurs von Hu Jintao. Auch äußerlich ähnelte Li Keqiang seinem Mentor Hu Jintao bereits auffällig: Dunkler Anzug, roter Schlips, Brille mit Drahtgestell und genau gescheiteltes Haar. Sein Auftritt am Montag vor der Presse wirkte ebenso eckig und kantig.

Das jüngste Mitglied im Politbüroausschuss bringt schon aus seinem Elternhaus erste politische Erfahrungen mit. Sein Vater arbeitete am Gericht in der Provinz Anhui, wo Li Keqiang 1955 geboren wurde. In einer der ärmsten Gegenden Chinas war Li Keqiang zunächst Chef einer Produktionsbrigade.

Er gehörte später zu den ersten Studenten, die einen Studienplatz bekamen, nachdem sich die unter Mao geschlossenen Universitäten wieder öffneten. An der Peking Universität studierte Li Keqiang bei einem liberalen Professor, zudem soll er damals auch intellektuelle Zirkel besucht haben.

Doch Li Keqiang blieb immer Parteisoldat, der die vorgegebene Linie niemals überschritt. 1983 kam er in die Führung der Jugendliga, die damals von Hu Jintao geführt wurde. 1998 wurde er Parteisekretär der als „Rostgürtel“ bekannten armen Industrieprovinz Henan. Seit Ende 2004 ist er Parteichef in Liaoning, ebenfalls ein alter Industriestandort im Umbruch. Beide Aufgaben gelten in der Partei als sehr schwierig.

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