Libanesisches Grenzgebiet
Israel blockiert humanitäre Hilfe

Die Kämpfe in Nahost gehen ungeachtet aller Friedensbemühungen weiter. Die libanesische Zivilbevölkerung im Grenzgebiet zu Israel leidet aber nicht nur unter Bomben und Granaten. Ihr fehlt das Nötigste: Essen und Trinken. Israel verweigert Hilfstransporten den Zugang zu dem Gebiet. Stattdessen sollen die Libanesen die Region verlassen – zu Fuß.

HB TYRUS. Hilfsorganisationen haben nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag keine Genehmigung für die Verteilung von Lebensmitteln und medizinischen Versorgungsgütern im südlichen Libanon erhalten. Israel habe sozusagen eine Blockade über Teile das Grenzgebiet verhängt, sagte IKRK-Sprecher Richard Huguenin in Tyrus. So hätten die Militärbehörden entgegen früheren Zusagen keine Sicherheitsgarantien abgegeben. Schon seit zwei Tagen seien deshalb keine Hilfstransporte mehr möglich gewesen.

Auch auf dem Seeweg war es Huguenin zufolge nicht mehr möglich, die südlibanesische Bevölkerung zu versorgen. Ein griechisches Schiff mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes habe keine Genehmigung erhalten, den Hafen von Tyrus anzusteuern. Es sei schließlich nach Sidon nördlich des Litani-Flusses umgeleitet worden. Israel hat mehrfach angekündigt, das rund 30 Kilometer breite Gebiet südlich dieses Flusses bis zur israelischen Grenze zur Pufferzone auszuweiten. Die dortige Bevölkerung wurde zur Ausreise aufgerufen.

100 000 Menschen warten auf Hilfe

Die israelischen Streitkräfte haben die Anwohner im südlichen Libanon aber aufgefordert, keine Fahrzeuge mehr zu benutzen. Das allgemeine Fahrverbot gelte für die Region südlich des Litani-Flusses, hieß es auf Flugblättern, die von israelischen Flugzeugen abgeworfen wurden. Die Regelung trat am Montagabend um 22 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ) in Kraft. Wie lange sie dauern sollte, wurde nicht mitgeteilt. Ein Sprecher der Streitkräfte erklärte, es gehe darum, der schiitischen Hisbollah-Miliz die Zulieferung von Waffen und Munition unmöglich zu machen.

Nach Schätzungen des Roten Kreuzes befinden sich aber immer noch rund 100 000 Menschen in diesem Gebiet – etwa 27 000 in Tyrus, 33 000 in den verstreuten Dörfern und 40 000 Palästinenser in vier Flüchtlingslagern. Sie müssten dringend mit Hilfsgütern versorgt werden, betonte IKRK-Sprecher Huguenin.

Neue Angriffe

Mit neuen Luftangriffen auf Beirut und das Bekaa-Tal haben die israelischen Streitkräfte ihren Druck auf die Hisbollah im Libanon weiter verstärkt. Der Beiruter Stadtteil Tschiah, eine Hochburg der schiitischen Miliz, wurde am Montag kurz nach Sonnenuntergang von mehreren Geschossen getroffen. Nach libanesischen Angaben kamen dabei mindestens 10 Menschen ums Leben. Bei den Luftangriffen im Bekaa-Tal unweit der historischen Stadt Baalbek wurden mindestens 8 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Insgesamt fielen am Montag mehr als 50 Menschen dem Konflikt zum Opfer, mindestens 49 Libanesen und 2 israelische Soldaten. Es war einer der verlustreichsten Tage seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen am 12. Juli. In dem Konflikt sind insgesamt rund 1 000 Menschen auf libanesischer und knapp 100 auf israelischer Seite getötet worden.

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