Libanon-Konflikt
Krieg mit Photoshop

Es ist nur eine Personalie am Rande und wirft doch ein Schlaglicht darauf, wie versucht wird, im aktuellen Israel-Libanon-Konflikt die öffentliche Meinung zu manipulieren: Ein freier Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters fälschte seine Bilder in professioneller Manier. Es sind nicht die einzigen „Tricks“.

HB LONDON/BEIRUT. Reuters machte die Angelegenheit am Montag per Agenturmeldung öffentlich - ein eher ungewöhnliches Vorgehen für einen Weltnachrichtenkonzern, für den die Trennung von einem freien Mitarbeiter zum Alltag gehören dürfte. In der Meldung heißt es, Reuters habe die Zusammenarbeit mit Adnan Hajj gekündigt, nachdem dieser ein Bild von einem israelischen Luftangriff auf Beirut „verändert“ hatte.

„Das ist ein ernsthafter Verstoß gegen die Standards von Reuters, und wir werden keine Bilder mehr von ihm akzeptieren oder nutzen“, erklärte eine Sprecherin des britischen Konzerns in London. Die Agentur hatte das Bild Hajjs am Sonnabend veröffentlicht. Die Aufnahme zeigt dicke Rauchschwaden über der libanesischen Hauptstadt nach einem israelischen Luftangriff. Mehrere Nachrichten-Weblogs warfen Reuters im Anschluss vor, das Bild sei manipuliert und zeige mit einer Software nachträglich eingefügte Rauchsäulen. Reuters zog das Bild daraufhin am Sonntag zurück und publizierte das Original-Foto.

Nach Angaben der Reuters-Sprecherin wies Hajj den Vorwurf zurück, das Bild absichtlich manipuliert zu haben. Nach seinen Worten habe er einige Stellen auf dem Foto säubern wollen und dabei angesichts schlechter Lichtverhältnisse Fehler gemacht. Glaubt man allerdings Websites wie dem britischen Blog » Litte Green Footballs, dann ist Hajjs Rechtfertigung nur eine miese Ausrede: Er habe nicht nur die Rauchschwaden manipuliert, sondern auch ein Bild eines F-16-Kampfjets der israelischen Armee beim angeblichen Abschuss von Raketen auf Beirut lanciert. In Wirklichkeit feuere das Flugzeug keine Raketen ab, sondern Täuschkörper gegen Raketen, die den Piloten und seine Maschine vom Himmel holen wollten. Der Fotograf, so der Vorwurf, habe die Rauchspuren der glühenden Objekte mit dem Computerprogramm Photoshop so verändert, dass es den Anschein hatte, dass sie parallel verliefen - eben wie nach dem Abschuss einer Rakete. Die Täuschkörper würden aber sternförmig von der F-16 wegfliegen.

Der Name des Fotografen wird auch im Zusammenhang mit möglichen Manipulationen der radikalen Hisbollah-Miliz nach dem Bombardement des libanesischen Dorfes Kana genannt: Es besteht der Verdacht, dass die Hisbollah der Weltpresse tote Kinder präsentierte, die gar nicht bei diesem Angriff ums Leben kamen. Der von Reuters geschasste Fotograf ist einer jener Reporter, die einen vermeintlichen Rotkreuzhelfer fotografierten, der eine Kinderleiche trägt. Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte jedoch am Montag ein Foto, das den gleichen angeblichen Helfer mit einem toten Kind zeigt, das angeblich beim israelischen Angriff auf Kana 1996 ums Leben kam. Damals hatte Israel das Dorf schon einmal bombardiert.

Die Hisbollah hatte zunächst behauptet, dass beim Angriff auf Kana vor wenigen Tagen 56 Menschen ums Leben kamen. Recherchen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ergaben, dass genau halb so viele Opfer zu beklagen sind

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