Libanon-Konflikt
Tödlicher Alltag und blutiges Erbe

Gleichzeitig ist die Politik in Libanon von jeher fest in der Hand prominenter Familien. Die wichtigsten Clans – die Frangiés, die Dschumblatts, die Hariris, die Schamoun und die Gemayels – intrigieren gegeneinander, bekämpfen und verbünden sich, zerstreiten und zerfetzen sich.

Am Dienstag richteten sich die Blicke auf die Gemayels. Da sich der Anschlag in der Nähe der Heimatstadt des syrienfeindlichen Clans ereignete, vermuten Insider einen Zusammenhang zu den Auseinandersetzungen zwischen pro- und antisyrischen Kräften in Libanon. Die Gemayels hatten noch einmal Glück. Ein Fahrer des Clans kam am Dienstag mit Verletzungen davon.

Die Gemayels wohnen seit 400 Jahren in Bikfaya, ein Ort in den libanesischen Bergen mit 20 000 christlichen Einwohnern, eine halbe Autostunde von Beirut entfernt. Viele leben hier vom Tourismus, vermieten Wohnungen, führen Restaurants, Hotels oder Souvenirläden. Besonders reich sei der Clan nicht, zumindest nicht im Vergleich zu den vermögenden Familien des Landes, sagt ein Freund. Das Gesamtvermögen wird auf ein paar Millionen geschätzt.

Die Gemayels haben im Laufe der jüngsten Geschichte das Geschick des Landes geprägt. In Libanon ist das lebensgefährlich. Sie wurden wiederholt Zielscheibe von Anschlägen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hatten sie fünf politische Morde zu beklagen. Das jüngste Opfer ist Pierre Gemayel, der aufstrebende Jungpolitiker, erschossen am 20. November 2006. Sein Onkel Bashir ist bei einer Bombenexplosion umgekommen. Zuvor war seine 18 Monate alte Tochter Maya bei einem Anschlag, der ihm gegolten hatte, getötet worden.

Der Name Gemayel steht bereits am Anfang des grausamen Bürgerkriegs, der 1975 durch einen Anschlag auf das führende Mitglied der Familie, Scheich Pierre, ausgelöst wurde. Er überlebte zwar. Doch das Attentat hatte Racheaktionen zur Folge, die zur 15-jährigen innerlibanesischen Schlacht führten. Mehr als 100 000 Tote und ebenso viele Verletzte sind die Bilanz dieser Epoche.

Scheich Pierre hat die Partei „Phalange“ gegründet. Während des Bürgerkriegs stand ihr die stärkste Miliz zur Seite, mit der die Christen die Palästinenser aus Libanon vertreiben wollten. Der Parteigründer – darüber spricht man in Libanon nicht gerne – hat sich beim Aufbau seiner Milizen an den deutschen Naziorganisationen orientiert. Er soll sich auch lobend über Hitler und Franco geäußert haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%