Libanon korrigiert Opferzahlen von Hura Israel weitet Offensive nochmals aus

Der libanesische Regierungschef Siniora hat Arabische Liga in einem dramatischen Apell und unter Tränen um Hilfe gegen Israel, dem er „Staatsterrorismus“ vorwarf, gebeten. Deren Außenminister stellten sich daraufhin hinter den Friedensplan des Libanon und warnten den Sicherheitsrat vor einer voreiligen Resolution. Die israelische Regierung wies zugleich die Streitkräfte zu einer Ausweitung der Offensive gegen Raketenstellungen der Hisbollah im Libanon an.

HB JERUSALEM/TYRUS. „Wir sind in einer der entscheidendsten Phasen dieses Krieges“, sagte Verteidigungsminister Amir Perez am Montag vor einem Parlamentsausschuss. Die diplomatischen Bemühungen, die Krise zu lösen, hielten Israel nicht zurück: „Beide Wege verlaufen parallel.“

Erst am Morgen hatte die israelische Regierung ihre Luftangriffe auf den Libanon ausweitet und so auf die jüngsten Raketenangriffe der Hisbollah reagiert. Zu Beginn einer Sondersitzung der Außenminister der Arabischen Liga in Beirut berichtete Ministerpräsident Fuad Saniora von einem israelischen Luftangriff auf das libanesische Grenzdorf Hura und sprach unter Tränen von einem Massaker, das mehr als 40 Menschen das Leben gekostet habe. Später korrigierte er seine Angaben und erklärte, ein Mensch sei getötet worden.

Siniora hatte die Sitzung zuvor mit einem dramatischen Appell, seinem einer „israelischen Aggression“ ausgesetzten Land zu helfen. Die Zerstörung von Brücken, Straßen und Fabriken durch israelische Bomben habe den Libanon „um Jahrhunderte zurückgeworfen“, sagte er. Die israelischen Angriffe hätten das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, sagte er. „Wenn diese schrecklichen Taten kein Staatsterrorismus sind, was ist Staatsterrorismus dann?“, fragte er. „Wir wollen nicht, dass der Libanon ein Schlachtfeld für Israel bleibt oder sonst jemanden.“ Er forderte eine „sofortige und bedingungslose Waffenruhe“ sowie die „Freilassung aller Gefangener“.

Örtliche Fernsehsender berichteten von 65 Überlebenden in Hula, darunter 35 Kindern. Aus Sicherheitskreisen verlautete, rund 30 Menschen seien verschüttet, viele davon lebten. Nach Augenzeugenberichten wurden fünf mehrgeschossige Wohnhäuser zerstört. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, sie prüften den Vorfall in Hula. Sie wiederholten, die Menschen im Südlibanon seien zum Verlassen der Region aufgefordert worden. In Hula lieferten sich Hisbollah-Kämpfer und israelische Bodentruppen in den vergangenen Tagen immer wieder heftige Gefechte.

Die Außenminister der Arabischen Liga stellten sich bei ihrer eintägigen Sondersitzung hinter den Friedensplan der libanesischen Regierung. Zugleich warnten sie den Rat vor Konsequenzen, sollte er Resolutionen verabschieden, die nicht im Interesse Libanons liegen. Siniora erklärte, Vertreter der Liga seien nach New York gereist, um am Sitz der Vereinten Nationen für den libanesischen Standpunkt zu werben. Unter ihnen seien der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, und der katarische Außenminister Scheich Hamid bin Dschassem al-Thani.

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