Libanon lehnt Vorlage ab
Nahost-Krieg eskaliert weiter

Der Krieg zwischen Israel und der radikalen Hisbollah-Miliz ist am Wochenende weiter eskaliert. Nach den schwersten Luftangriffen auf den Südlibanon seit Beginn der israelischen Militäroffensive reagierte die Hisbollah am Sonntag mit den bisher blutigsten Raketenattacken auf Nordisrael. Bei dem bisher verheerendsten Angriff der radikal-schiitischen Miliz starben mindestens zehn Reservisten. Die israelische Luftwaffe wiederum setzte ihr Bombardement auf Ziele im Libanon fort. Die UN-Vetomächte bemühten sich derweil um eine Einigung über die Details eines Entwurfs, den die USA und Frankreich am Samstag nach mühsamen Verhandlungen vorgelegt hatten.

HB BEIRUT/TEL AVIV. Der Entwurf verlangt von beiden Seiten die „vollständige Einstellung der Kampfhandlungen“. Die Hisbollah muss demnach ihre Angriffe auf Israel sofort stoppen. Israel wird im Gegenzug aufgefordert, alle „offensiven militärischen Operationen“ zu unterlassen. Damit wird dem Land implizit das Recht auf defensive Kampfhandlungen zugebilligt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete den Text dennoch als „wichtigen Schritt zur Beendigung der Kampfhandlungen“.

Die libanesische Seite lehnte die Vorlage hingegen eindeutig ab. „Worauf man sich verständigt hat, ist nicht im Interesse Libanons, sondern dagegen. Es wird die Tür zu einem endlosen Krieg öffnen“, sagte Parlamentspräsident Nabih Berri, der zwischen der libanesischen Regierung und der Hisbollah vermittelt. Auch der libanesische Diplomat Nuhad Mahmud kritisierte den Entwurf als „Rezept für eine Fortsetzung der Konfrontation“, weil Israel nicht zum sofortigen Rückzug aus dem Südlibanon aufgefordert werde. Der zur Hisbollah gehörende libanesische Minister Mohammed Fneisch sagte, die Miliz werde weiterkämpfen, bis Israel seine Bombardierungen einstelle und seine Truppen komplett zurückziehe.

Dagegen bewertete Israel den Entwurf der USA und Frankreichs positiv. „Natürlich werden wir uns an die Resolution halten“, sagte ein hochrangiger israelischer Vertreter. Schließlich behalte Israel das Recht zu defensiven Aktionen wie dem Beschuss von Waffentransporten und Raketenkommandos der Hisbollah. „Wir haben bekommen, was wir wollten“, zitierte die Zeitung „Jedioth Ahronoth“ politische Kreise. Justizminister Haim Ramon sagte, Israel werde seine Angriffe auf die Hisbollah-Miliz fortsetzen, bis eine internationale Schutztruppe im Südlibanon eintrifft. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, sie erwarte eine Abstimmung zu dem umstrittenen Entwurf am Montag oder Dienstag.

In der Krisenregion stieg die Zahl der Toten weiter: Mindestens zehn Israelis starben, als in Kfar Giladi nahe der libanesischen Grenze eine Rakete mitten in einer Menschengruppe einschlug. Acht weitere Menschen wurden verletzt. Es war die höchste Zahl von Opfern bei einem einzelnen Angriff auf Israel seit Ausbruch der Kämpfe am 12. Juli. Östlich der Hafenstadt Sidon kamen fünf libanesische Zivilisten im Bombenhagel am Sonntag ums Leben, als ihr Haus von einer israelischen Rakete getroffen wurde.

Im Südlibanon tobten am Wochenende weiter schwere Bodenkämpfe. Dabei wurden nach israelischen Angaben insgesamt 19 Hisbollah-Kämpfer und ein israelischer Soldat getötet. Drei chinesische Blauhelmsoldaten wurden im Kreuzfeuer verwundet. Auch bei der libanesischen Arme gab es am Samstag erstmals einen Toten. Bei den schwersten Luftangriffen auf den Süden des Libanons schlugen am Samstag in Grenzdörfern binnen sieben Stunden 4000 Geschosse ein. Dabei wurden 15 Menschen verletzt.

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