Libanon
Regierung will Deutsche per Schiff evakuieren

Die Bundesregierung bereitet weitere Evakuierungen deutscher Staatsbürger aus dem Libanon vor. In Kürze soll auch die Ausreise auf dem Seeweg möglich sein. Die internationale Gemeinschaft drängt auf ein schnelles Ende der Kämpfe, warnt auch vor wirtschaftlichen Konsequenzen. Doch weder Israel noch die Hisbollah denken an einen Waffenstillstand.

HB TEL AVIV. Die blutigen Auseinandersetzungen in Nahost gehen weiter: Kämpfer der Hisbollah griffen am Montag erneut die israelische Hafenstadt Haifa an. Medien berichteten, Flugkörper seien in Haifa, Safed und Tiberias niedergegangen. Auf der anderen Seite erklärte libanesische Fernsehen, ein israelischer F-16-Kampfbomber sei abgeschossen worden. In dem Bericht wurden Trümmer der Maschine gezeigt. Von israelischer Seite gibt es bisher keine Bestätigung für den Bericht.

Bei den israelischen Angriffen auf Ziele im Libanon sind nach Angaben der libanesischen Polizei allein heute mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Menschen starben bei einem Angriff auf den Hafen von Beirut. Bei einem Angriff nahe der Hafenstadt Tripolis im Norden des Landes kamen sieben libanesische Soldaten ums Leben. Der internationale Flughafen von Beirut wurde während der Nacht mehrfach beschossen. Nach Angaben der libanesischen Armee haben israelische Kampfflieger über Nacht mindestens 60 Ziele getroffen. In der Stadt Baalbek im Norden des Landes, die als Hochburg der Hisbollah-Miliz gilt, wurden unter anderem Tankstellen und eine Schule getroffen.

Die Bundesregierung bereitet indes weitere Evakuierungen deutscher Staatsbürger aus dem Libanon vor. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, sagte, nach der Evakuierung von bislang 200 Deutschen über den Landweg solle in Kürze auch die Ausreise auf dem Seeweg möglich sein. „Ziel ist es, in den nächsten Tagen weitere Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, damit alle, die das wollen, das Land verlassen können“, sagte Plötner. Bei der deutschen Botschaft in Beirut haben sich rund 1100 Deutsche registrieren lassen.

Bilderstrecke: Schwere Kämpfe in Nahost

Israel stellt sich auf einen längeren Kampf gegen die libanesische Hisbollah-Miliz ein. Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez betonte, man dürfe die Angriffe nicht einstellen, bevor eine „neue Realität“ in der Region geschaffen sei.

Für Israel bedeutet dies, dass die Hisbollah nicht mehr in der Lage sein darf, Ortschaften im gesamten Nordteil Israels mit einer solchen Leichtigkeit wie in den vergangenen Tagen anzugreifen. Da die Hisbollah aber mit der Bevölkerung im Südlibanon praktisch verwachsen ist, muss sich die Armee auf einen Zermürbungskrieg gegen die Guerillakämpfer einstellen. Die mehr als 13 000 Raketen der Hisbollah mit einer Reichweite von 20 bis 200 Kilometern sind nach Geheimdienstinformationen im ganzen Land verstreut und etwa in Kellern von Zivilisten in libanesischen Dörfern versteckt.

„Der Gipfel liegt noch vor uns“, schrieb ein Kommentator der Zeitung „Haaretz“. Perez erklärte am Montag, Israel wolle eine „Sicherheitszone“ im Südlibanon einrichten, um die Hisbollah nach Norden zu drängen, die Umsetzung dieses Plans aber nur mit der Luftwaffe oder der Artillerie forcieren und nicht mit Bodentruppen auf libanesischem Territorium Präsenz zeigen.

Israel fühlt sich von der Erklärung der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) in St. Petersburg bestätigt. Die G8 machen darin „extremistische Kräfte“ für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich. „Die Führer der Welt haben erklärt: Der Staat Israel hat Recht“, frohlockte die Zeitung „Maariv“ am Montag in ihrer Überschrift.

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