Liberalisierung des Handels
USA und Brasilien umwerben die EU

Nach dem Scheitern der Welthandelsrunde wollen die EU, die USA und Brasilien bilateral darüber verhandeln, wie der Handel liberalisiert werden kann. Mit weniger Handelshemmnissen wollen die Länder neuen Schwung in den transatlantischen Markt bringen.

BRÜSSEL. Die USA haben Interesse an bilateralen Gesprächen mit der EU zur Handelsliberalisierung signalisiert. Sowohl US-Präsident George W. Bush als auch Präsidentschaftskandidat Barack Obama seien am raschen Abbau von Handelshemmnissen interessiert, sagte der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU) nach politischen Gesprächen in Washington. Die USA reagieren damit auf das vorläufige Scheitern der Welthandelsrunde. Auch Brasilien hat sich für Gespräche mit der EU ausgesprochen, um die Krise zu überwinden.

Die vor sieben Jahren begonnene Welthandelsrunde war letzte Woche am Sitz der Welthandelsorganisation WTO in Genf gescheitert. Die USA, Indien und China konnten sich nicht auf den Abbau von Agrarzöllen einigen. Der EU war es trotz interner Differenzen gelungen, sich aus dem Streit herauszuhalten und eine Mittlerrolle einzunehmen. Handelskommissar Peter Mandelson hat sich für eine Fortsetzung der WTO-Runde ausgesprochen, zugleich aber auch die Tür für bilaterale Gespräche offen gehalten.

Vor allem mit den USA könnte die EU schon bald wieder ins Gespräch kommen. Wirtschaftspolitische Berater von Bush und Obama hätten für "größeren Ehrgeiz" in den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen plädiert, sagte Brok dem Handelsblatt nach der Rückkehr aus Washington. Vor allem der transatlantische Wirtschaftsrat gewinne an Bedeutung, so Brok. Beim nächsten Treffen im Oktober wollen sich Amerikaner und Europäer bemühen, die festgefahrenen Gespräche über den Abbau bilateraler Handelshemmnisse wieder in Gang zu bringen.

"Die Herstellung eines transatlantischen Marktes ist nach dem vorläufigen Scheitern der Doha-Runde das Gebot der Stunde", sagte Brok. Die Beseitigung der nicht-tarifären Hemmnisse im transatlantischen Handel hätte nach Angaben des CDU-Experten in den USA und der EU ca. 3,5 Prozent Wachstum zur Folge, weltweit 1,5 Prozent. Allerdings ist die Liberalisierung bisher am Streit um US-Chlor-Hühner gescheitert. Die EU-Kommission will das in Europa geltende Importverbot zwar aufheben, doch Ministerrat und Europaparlament stellen sich quer.

Auch Brasilien sucht nach dem Scheitern der Welthandelsrunde das Gespräch mit der EU. Bis zu neuen WTO-Verhandlungen könne es drei bis vier Jahre dauern, sagte der brasilianische Außenminister Celso Amorim. Für Brasilien hätten daher nun Gespräche mit der EU Priorität, so der Minister. Bisher waren die Kontakte mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay ausgesetzt worden, um ein mögliches Welthandelsabkommen abzuwarten. Nach dem vorläufigen Scheitern in Genf könnten die Gespräche aber rasch wieder in Gang kommen, heißt es in Brüssel.

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