Libyen
Berichte über mehr als 200 Tote

Die blutigen Auseinandersetzungen in Libyen fordern immer mehr Opfer. Teils wird von mehr als 200 Toten in den letzten beiden Tagen berichtet. Sicherheitskräfte sollen auch auf einen Trauermarsch gefeuert haben.
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TripolisPanzerfäuste und Maschinenwaffen gegen Andersdenkende: Mit brutaler Gewalt haben Elitetruppen in Libyen die Gegner von Machthaber Muammar al-Gaddafi zusammengeschossen. Mindestens 100 Demonstranten wurden nach Schätzung der Menschrechtsorganisation Human Rights Watch in dem nordafrikanischen Land bei den seit vier Tagen anhaltenden Protesten gegen den seit vier Jahrzehnten mit harter Hand herrschenden Staatschef Muammar Gaddafi getötet. Der Revolutionsführer ließ Augenzeugen zufolge am Wochenende seine Sicherheitskräfte auf die Bevölkerung schießen und sogar Trauermärsche angreifen. Für Demokratie und soziale Reformen wurde auch in Marokko, Algerien, dem Jemen, in Bahrain, Oman und Kuwait sowie im Kleinstaat Dschibuti am Horn von Afrika demonstriert.

Nach Angaben der Opposition sind in Libyen binnen zwei Tagen sogar mehr als 200 Menschen getötet worden. Die Website „Libya al-Youm“ sprach am Sonntag von 208 Toten.

In der libyschen Hafenstadt Benghasi schossen Einwohnern zufolge Scharfschützen der Sicherheitskräfte aus einem befestigten Gelände heraus auf Demonstranten. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte einen Augenzeugen, der die Stadt nach den tagelangen Unruhen als „völlig außer Kontrolle“ beschrieb. Einwohnern zufolge wurden allmählich die Lebensmittel knapp. „Dutzende wurden getötet, nicht 15, Dutzende. Wir befinden und mitten in einem Massaker“, sagte ein Einwohner.

Seinen Worten zufolge wurden die Demonstranten erschossen, als sie versuchten, in die Kommandozentrale der Sicherheitskräfte einzudringen.

Ein anderer Einwohner sagte, die Sicherheitskräfte hätten sich auf das Gelände der Einsatzleitung zurückgezogen. Ein Italiener berichtete der Agentur Ansa aus der Stadt, dass Regierungs- und Verwaltungsgebäude sowie eine Bank niedergebrannt worden seien. „Die Rebellen haben geplündert und alles zerstört“, sagte der Augenzeuge. Nirgendwo sei Polizei zu sehen. Eine Gruppe muslimischer Geistlicher forderte die Sicherheitskräfte auf, dem Töten ein Ende zu machen. „Stoppt das Massaker jetzt“, hieß es in ihrem Appell. Zuvor waren erneut Tausende Menschen im rund 1000 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Benghasi auf die Straße gegangen, um gegen Gaddafi zu demonstrieren.

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