Libyen
Blutige Schlacht um Wüstenstadt steht bevor

Langsam rollen die Aufständischen die letzten Widerstandsnester der Gaddafi-Anhänger auf. Gaddafi-Gegner erklärten Verhandlungen um Bani Walid für gescheitert. Die libysche Wüstenstadt muss jetzt mit Angriff rechnen.
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Tarhuna/LibyenDie Verhandlungen über eine friedliche Übergabe der von Rebellen belagerten Gaddafi-Hochburg Bani Walid sind nach deren Angaben gescheitert. In der Region um die Stadt 140 Kilometer südöstlich von Tripolis haben sich in den vergangenen Tagen tausende Kämpfer versammelt. Rebellensprecher Abdullah Kanschil sagte, die vor Bani Walid zusammengezogenen Rebelleneinheiten warteten nun auf den Befehl zum entscheidenden Angriff.

Die Übergabegespräche seien vor allem mit dem Chefsprecher des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi, Mussa Ibrahim, geführt worden, sagte Kanschil. Sie seien gescheitert, weil Ibrahim verlangt habe, die Rebellen sollten ihre Waffen niederlegen, bevor sie Bani Walid betreten. Die Stadt ist eine der verbliebenen Bastionen des früheren Regimes, in der sich Gaddafi und sein Sohn Seif al Islam aufhalten könnten.

Tausende Anhänger der Rebellen haben die Ortschaft Bani Walid umstellt und standen am Sonntag etwa 15 Kilometer vom Zentrum entfernt. Vom Süden her strömten Anhänger Gaddafis in die Stadt, erklärte Rebellenkommandeur Mohammed al Fassi. Wie viele es seien, könne er aber nicht sagen. „Wir wollten ohne Blutvergießen vorgehen, aber sie haben unser Ultimatum ausgenutzt, um sich selbst zu schützen“, sagte al Fassi.

Rebellenoffizieren zufolge sind die zu allem entschlossenen Gaddafi-Anhänger nur eine kleine, aber schwer bewaffnete Minderheit in der Stadt. Neben Bani Walid gelten Gaddafis Heimatstadt Sirte und Sabha in der libyschen Wüste als mögliches Versteck des von den Rebellen in den Untergrund gezwungenen bisherigen Machthaber.In Bani Walid leben viele Angehörige des Stammes der Warfala, der mit einer Million Mitgliedern ein Sechstel der libyschen Bevölkerung ausmacht. Gaddafi hatte vergangene Woche in einer Audiobotschaft gesagt, die Warfala gehörten zu jenen, die ihn bis zum Tod verteidigen würden.

Warnung vor extremistischer Infiltration

Der italienische Außenminister Franco Frattini forderte den Westen am Rande eines Wirtschaftsforums in Cernobbio auf, beim Aufbau einer neuen Regierung in Libyen nicht die Fehler aus dem Irak zu wiederholen. So warnte er vor einer möglichen Infiltration der zukünftigen libyschen Regierung durch Extremisten. Es wäre ein „großer Fehler“, wie in der Nachkriegszeit des Iraks alle Bürokraten auszutauschen.

Westliche Geheimdienste wie die CIA haben eng mit dem Geheimdienst Gaddafis zusammengearbeitet. Das geht aus Dokumenten hervor, die im Gebäude des libyschen Geheimdienstes in Tripolis gefunden wurden. Hinweise auf Verbindungen zwischen westlichen Geheimdiensten und dem des libyschen Regimes gab es zwar auch schon zuvor, in den jetzt aufgetauchten Unterlagen finden sich jedoch neue Details.

Viele dieser Länder beteiligten sich an den NATO-Angriffen, die den Rebellen beim Sturz Gaddafis halfen. Die CIA ließ demnach auch Terrorverdächtige zu Verhören nach Libyen fliegen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die die Nachrichtenagentur AP am Samstag einsehen konnte. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einem schwarzen Kapitel in der Geschichte des US-Geheimdienstes.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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