Libyen
Cécilia und die Rettung der Mediziner

Frankreichs Präsident Sarkozy hat seine Ehefrau in diplomatischer Mission nach Libyen geschickt. Diese kam gerade rechtzeitig, um die sechs Mediziner mit ihrer Regierungsmaschine nach Sofia zu fliegen. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden sie vom bulgarischen Präsident begnadigt. Was in Frankreich als Erfolg gefeiert wird, sorgt in der EU jedoch für jede Menge Ärger.

rut/HB SOFIA. Cécilia Sarkozy trägt schwer an ihrem Mitleid. Seit Monaten denkt die Ehefrau des französischen Staatspräsidenten voller Sorge an die in Libyen inhaftierten bulgarischen Krankenschwestern. "Diese Affäre hat sie schwer getroffen. Schon vor der Präsidentschaftswahl hat sie davon gesprochen", berichtet Staatssekretär Roger Karoutchi, der bis zur Wahl am 6. Mai in Sarkozys Wahlkampfzentrale mit Cécilia ein Büro teilte.

Doch jetzt ist Schluss mit dem hilflosen Warten und Zuschauen. Cécilia ist der Kragen geplatzt. Sie ist nach Libyen geflogen und hat Staatschef Muammar el-Gaddafi mal so richtig die Meinung gesagt: "So kann es nicht weitergehen, Monsieur le Colonel." Und was die fähigsten Diplomaten vorher nicht vermochten, gelang der Dame aus dem Élysée-Palast. Sie bezaubert den unberechenbaren Diktator derart, dass er die Bulgarinnen kurze Zeit später in einer französischen Regierungsmaschine gen Heimat ziehen lässt. Inzwischen sind die sechs Mediziner in Bulgarien eingetroffen. Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Sofia wurden die fünf Krankenschwestern und ein Arzt vom bulgarischen Präsident Georgi Parwanow begnadigt.

Nach dem Happy End, beginnt die Legende zu leben. Die Helfer des Präsidenten haben sie erfolgreich unters Volk gestreut. Wer sucht, findet in der Geschichte sogar das eine oder andere Körnchen Wahrheit. Es stimmt, dass Sarkozy seine Ehefrau schon zum zweiten Mal binnen eines Monats nach Tripolis geschickt hat, um die Krankenschwestern aus den Fängen der libyschen Justiz zu befreien. Die Kärrnerarbeit haben vorher allerdings andere gemacht. Seit drei Jahren verhandelt die EU-Kommission mit den libyschen Behörden, die den Krankenschwestern die Schuld an der Aids-Infektion von mehr als 400 Kindern gaben. Mehrere westliche Staaten sollen insgesamt 290 Mill. Euro an die Familien der Kinder gezahlt haben. Madame Sarkozy hatte mit alledem nicht das Geringste zu tun.

Umso größer ist die Freude bei den Beteiligten, dass die französische First Lady jetzt mal eben vorbeischaut, um die Bulgarinnen im Regierungsflieger abzuholen. "Sarkozy stiehlt der EU den Verhandlungserfolg", sagt ein Sprecher der sozialistischen Opposition in Paris.

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