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Libyen: Empfang für Lockerbie-Attentäter „widerlich“

Großbritannien und die USA haben mit Empörung auf den Empfang reagiert, mit dem der freigelassene Lockerbie-Attentäter in seiner Heimat Libyen begrüßt worden ist.

Der heimgekehrte Lockerbie-Attentäter wird bei seiner Ankunft in Libyen gefeiert. Quelle: ap
Der heimgekehrte Lockerbie-Attentäter wird bei seiner Ankunft in Libyen gefeiert. Quelle: ap

HB LONDON/WASHINGTON/TRIPOLIS. „Zu sehen, wie einem Massenmörder in Tripolis ein Helden-Empfang bereitet wird, ist zutiefst erschütternd“, sagte Außenminister David Miliband am Freitag im BBC-Radio. Die US-Regierung bezeichnete den Empfang als „empörend“ und „widerlich“.

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Die USA würden die Aktionen „dieses Individuums und der libyschen Regierung weiter beobachten“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Washington halte die weltweit ausgestrahlten Fernsehbilder vom Empfang für „unglaublich beleidigend“ für die Amerikaner und insbesondere für die Angehörigen der Opfer des Anschlags.

Eine libysche und schottische Fähnchen schwenkte Menschenmenge hatte Abdel Bassit Ali Mohammed el Megrahi in Tripolis zugejubelt, nachdem Schottland den todkranken Mann nach acht Jahren Haft begnadigt hatte. Er war vorzeitig entlassen worden, weil er Prostatakrebs hat und ihm nur noch Monate bis zu seinem Tod bleiben.

El Megrahi war 2001 wegen des Bombenanschlags im Dezember 1988 auf eine Maschine der US-Linie PanAm über dem schottischen Lockerbie zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag starben 270 Menschen. El Megrahi hatte stets seine Unschuld beteuert, auch blieben Zweifel an seiner Verurteilung.

Schlimm sei der Empfang vor allem für die Angehörigen der Opfer und für jeden, „der eine Quäntchen Menschlichkeit in sich trägt“, sagte Miliband. Wie die Welt die Rückkehr Libyens in die „zivilisierte Staatengemeinschaft“ sehe, hänge auch davon ab, wie das Land mit der Ankunft des Attentäters umgehe. Premierminister Gordon Brown forderte „Sensibilität“ und „Zurückhaltung“ von Libyen.

Seif ell-Islam el Gaddafi, der Sohn und mögliche Nachfolger des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi zeigte sich hocherfreut über die Freilassung. „Ich möchte unseren Freunden in der britischen Regierung, die eine wichtige Rolle in dieser Angelegenheit gespielt haben, persönlich danken“, hieß es in einer Erklärung. „Das libysche Volk wird ihre mutige Haltung nicht vergessen.“

Vor allem aus den USA kam Kritik an der Begnadigung, denn 189 der Todesopfer waren Amerikaner. US-Präsident Barack Obama hatte von einem „Fehler“ gesprochen und gefordert, el Megrahi müsse in Libyen unter Hausarrest gestellt werden. Der britische Außenminister wies derweil Spekulationen zurück, wonach Interessen britischer Energiekonzerne, die in Libyen Geschäfte machen, eine Rolle gespielt haben sollen. Dieser Vorwurf sei eine „Verunglimpfung“.

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