Libyen
Gaddafi-Regime steht vor dem Untergang

Libyens Regime bricht zusammen: Die Rebellen kontrollieren die Hauptstadt, seine Söhne sind gefangen - doch wo der Diktator ist, weiß niemand. Deutschland deutet bereits Hilfe beim politischen Wiederaufbau an.
  • 27

Doha/Tripolis/Washington/DüsseldorfNoch liefern sich in der libyschen Hauptstadt Tripolis Soldaten und Rebellen in der Nähe des Gebäudekomplexes von Staatschef Muammar Gaddafi heftige Gefechte. Doch Rebellensprecher Mohammed Abdel Rahman erklärte, Panzer seien am Montag von dem Gelände gefahren und hätten geschossen.

In der Nacht waren die Kämpfer in der libyschen Hauptstadt Tripolis eingerückt. Nach 42 Jahren feiert Libyen das Ende des Regimes von Muammar al-Gaddafi. In der Hauptstadt Tripolis bejubelten Tausende den Sieg der Aufständischen. In der Rebellenhochburg Bengasi und anderen Städten wurden Feuerwerkskörper gezündet und Freudenschüssen abgefeuert. „Wir gratulieren dem libyschen Volk zum Sturz von Muammar al-Gaddafi und rufen das libysche Volk auf, auf die Straßen zu gehen und das öffentliche Eigentum zu beschützen. Lang lebe das freie Libyen“, heißt es in einer am Morgen verbreiteten Erklärung des Übergangsrates, berichtete die „New York Times“ auf ihrer Website.  

Am frühen Montagmorgen war Tripolis nach Angaben der Rebellen bis auf wenige Widerstandsnester vollständig in der Hand der Regimegegner. Die Aufständischen hatten Tripolis nach sechsmonatigen Kämpfen gegen Gaddafis Truppen am Sonntag erreicht. AP-Reporter, die sie begleiteten, berichteten, die Rebellen seien auf ihrem Vormarsch von den westlichen Randbezirken der Hauptstadt auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen.

Der Anführer von Gaddafis Leibgarde habe die Soldaten angewiesen, die Waffen niederzulegen, erklärte der Informationsminister der Rebellen, Mahmud Schammam. Zwei Söhne des Despoten wurden festgenommen, ein dritter unter Hausarrest gestellt. Über den Aufenthaltsort von Gaddafi selbst lagen zunächst keine Informationen vor. Ein Vertreter des Übergangsrates sagte, er „glaube nicht, dass Gaddafi noch in Tripolis“ sei.  

Am frühen Montagmorgen brachten die Rebellen auch den Grünen Platz im Herzen von Tripolis unter ihre Kontrolle. Fernsehsender zeigten Hunderte von Menschen, die auf dem Platz in der Nähe des Anwesens von Gaddafi feierten und Freudenschüsse abgaben. Andere schossen auf Riesenposter mit dem Konterfei von Gaddafi. Laut Al-Dschasira kündigte die Rebellen an, den Platz wieder in „Platz der Märtyrer“ umzubenennen.  

Viele Soldaten Gaddafis seien gefangen genommen worden, hieß es. Andere würden immer noch Widerstand leisten. Gaddafis Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte am Sonntagabend, in Tripolis habe es seit dem Mittag mindestens 1300 Tote gegeben.

Al-Dschasira zeigte Bilder, wie jubelnde Menschen die Aufständischen auf den Straßen von Tripolis begrüßten, tanzten und Freudenschüsse abgaben. Viele skandierten „Allah ist mächtig“ oder „Tripolis wird frei sein“. Auch aus anderen Städten des Landes wurden Freudenfeiern gemeldet. In der Rebellenhochburg Bengasi versammelte sich eine riesige Menschenmenge zu einem Freudenfest.

Kommentare zu " Libyen: Gaddafi-Regime steht vor dem Untergang"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Andre, Sie scheinen am Moskauer Institut für Marxismus-leninismus studiert zu haben, sonst hätten Sie das so "gut" nicht schreiben können. Stabilität und angemessenen Wohlstand - ha, ha für wen? In erster Linie für eigene Mafia-Struktur, die er durch angemessene Korruption und zu "Gesetz" gewordene kriminelle Handlungen stützte. So funktioniert das, wenn Verbrecher über 40 Jahre an der Macht weilen, eigenes Volk tyranisieren und sich mit üblesten Diktatoren dieser wahrlich unvollkommener Welt paktieren. Überlassen Sie die Zukunft dem libyschen Volk. Ihre Hellseherei ist weder angemessen, noch einen Cent Wert. Die Leser hier sind nicht naiv, aber in erster Linie nicht so bessesen von egoistischem Ignoratentum, wie Sie. Schande, dass es an diesem Tag so jemand gibt, der hier seine Giftgalle verspritzen darf.

  • @AS1

    Da werden Sie jetzt sicher heimkehren ins Land Ihrer Väter

  • Vor allem hat sich jahrelang der Gaddafi-Clan mit grenzenlosem Wohlstand versorgt.
    Man kann wirklich nur noch den Kopf über Ihre Kommentare schütteln.
    Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, dort herrscht zur Zeit Revolution. Und Revolutionen haben es nunmal an sich, dass es dort eine gewisse Zeit keine geordneten Verhältnisse gibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%