Libyen gilt als wichtiges "Transitland"
Illegale Einwanderung beschäftigt Italien

Italien will sich im Kampf gegen die illegale Einwanderung für eine EU-Schutzagentur für die Küsten von Spanien, Italien und Griechenland stark machen. Das kündigte der italienische Außenminister Franco Frattini kurz vor der Übernahme der EU- Ratspräsidentschaft durch Italien am kommenden Dienstag an.

HB/dpa ROM/BRÜSSEL. In einem Interview der „Welt am Sonntag“ sagte der Minister weiter, inzwischen sei allen klar, dass das Problem der illegalen Einwanderer ein europäisches und kein italienisches sei.

Frattini sagte weiter, zugleich mit der Schutzagentur müsse auch den Ländern geholfen werden, aus denen die Flüchtlinge ausreisten. Als Beispiel nannte der Minister Libyen, das argumentiere, es habe 1500 Kilometer Grenze in der Wüste, die nicht zu kontrollieren seien. „Wir müssen ihnen daher Lkw und Nachtsichtgeräte verkaufen und nicht Waffen, damit sie die Grenzen kontrollieren können“, sagte Frattini.

Der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu will am Mittwoch nach Libyen fliegen, um über Lösungen für die illegale Zuwanderung zu diskutieren. Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi versprach dem Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi, telefonisch, in der Flüchtlingsproblematik stärker mit der Europäischen Union zusammenzuarbeiten. Prodi habe Gaddafi angesichts des Ausmaßes der illegalen Einwanderung aus den Staaten Nordafrikas seine Besorgnis deutlich gemacht, teilte ein Kommissionssprecher am Sonntag in Brüssel weiter mit. Eine Lösung könne letztlich nur durch Abkommen mit der EU gefunden werden, sagte Prodi nach diesen Angaben.

Libyen gilt als wichtiges Transitland auf dem Weg der illegalen Einwanderer nach Europa. Kürzlich wollte die italienische Regierung dem Land bewaffnete Schnellboote für den Küstenschutz liefern, doch bestand die Mehrheit der EU-Staaten auf Einhaltung des Waffenembargos gegen das Regime Gaddafis. Die EU hatte kürzlich beschlossen, die Zusammenarbeit beim Flüchtlingsproblem zu einer Voraussetzung für gute Beziehungen zu anderen Staaten zu machen.

In Italien sind seit Jahresbeginn etwa 6000 Flüchtlinge gelandet, davon rund 1000 in den vergangenen zwei Wochen. Beim Untergang von zwei Schiffen sind seit Mitte Juni vermutlich 300 Flüchtlinge ertrunken, die meisten wurden bis heute nicht gefunden.

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