Libyen ist der drittwichtigste Öllieferant Deutschlands
Hermes-Deckungen für Libyen gewährt

Die Bundesregierung gewährt wieder staatliche Hermes-Bürgschaften für Geschäfte mit Libyen. Das Land seinerseits habe großes Interesse am Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, hieß es am Freitag.

HB BERLIN. Kurz nach Beilegung des Entschädigungsstreits wegen des Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle“ vor 18 Jahren eröffnete die Regierung damit erwartungsgemäß wieder die Hermes-Deckungslinien, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. „Für deutsche Firmen gibt es in Libyen gute Geschäftschancen, die sie mit Exportgarantien jetzt noch besser nutzen können“, erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Libyen seinerseits habe großes Interesse am Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte vor wenigen Tagen eine Einladung von Libyens Revolutionsführer Muammar Gadaffi angenommen und wird voraussichtlich noch im Herbst in das Land reisen. Die Hermes- Deckungen insgesamt wuchsen im ersten Halbjahr sprunghaft an.

Der Weg für die Wiedereröffnung der Hermes-Linien für Libyen-Geschäfte war am Dienstag endgültig frei geworden, nachdem die Gadaffi-Stiftung sich nach langen Verhandlungen zu Zahlungen von insgesamt 35 Millionen Dollar an die Opfer des „La-Belle“-Anschlages bereit erklärt hatte. Die deutsche Seite hatte den libyschen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich gemacht. Bereits im Januar hatte Clement (SPD) den langjährigen Streit um libysche Altschulden gegenüber Deutschland beendet. Das hatte die Regierung als Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Hermes-Verbürgung betrachtet.

Libyen ist der drittwichtigste Öllieferant Deutschlands. Seit Gaddafi Anfang des Jahrzehnts mit der Distanzierung von Terrorismus und Extremismus eine Kurswende eingeleitet hat, ist das Interesse deutscher Firmen am Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sprunghaft gewachsen. Neben Investitionen in der Ölindustrie sehen deutsche Unternehmen auch in der Infrastruktur, der Telekommunikation, der Wasserwirtschaft, der Medizintechnik und im Tourismus gute Chancen für Geschäfte mit Libyen.

Die Hermes-Deckungen insgesamt entwickelten sich nach Clements Worten im ersten Halbjahr mehr als positiv, was ein Indiz für die deutsche Stärke im Exportgeschäft ist. Die Hermes-Deckungen nahmen Clement zufolge zwischen Januar bis Juni um 25 Prozent auf einen Auftragswert von 10,6 Milliarden Euro zu. Die Zahlen zeigten, wie wichtig Exportgarantien für die deutschen Unternehmen seien. Das höchste einzelne Deckungsvolumen entfiel im ersten Halbjahr mit 1,4 Milliarden Euro auf China-Geschäfte, das ist mehr als im gesamten Jahr zuvor. Dahinter rangiert der Iran mit einer Milliarde Euro.

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