Libyen
Italienische Marine sichert gekapertes Fischerboot

In Libyen herrscht seit Jahren politisches Chaos. Nun wird vor der Küste ein italienisches Schiff mit sieben Shrimps-Fischern an Bord entführt. Wer steckt dahinter?
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MailandDie italienische Marine hat ein am Freitag von Piraten gekapertes Fischerboot vor der libyschen Küste unter ihre Kontrolle gebracht. Einsatzkräfte, die zur Rettung von Flüchtlingen in dem Gebiet waren, hätten auf Berichte über den Gewaltakt reagiert, teilte das italienische Militär mit.

Das italienische Boot mit sieben Besatzungsmitgliedern war am frühen Morgen von bewaffneten Männern besetzt worden. Sie wollten es nach Misrata im Osten von Libyen bringen, hatte eine Fischereigenossenschaft auf Sizilien mitgeteilt. Wer hinter dem Gewaltakt steckt, war zunächst unklar.

Den Überfall auf das Fischerboot meldeten Kollegen eines anderen Boots am frühen Freitagmorgen den italienischen Hafenbehörden in Mazara del Vallo, wie der Sprecher der Genossenschaft COSVAP, Francesco Mezzapelle, sagte. Der Präsident der Genossenschaft habe Kontakt sowohl mit den libyschen Behörden als auch mit dem italienischen Außenministerium.

Drei der Besatzungsmitglieder sind Sizilianer, vier weitere Tunesier, wie es hieß. Sie wollten Garnelen fangen. Es war zunächst offen, ob Schüsse bei dem Gewaltakt fielen. Auch gab es keine Informationen, ob jemand verletzt wurde.

Mezzapelle sagte, es habe seit 2005 schon etwa ein Dutzend ähnlicher Übergriffe gegeben. Libyen behaupte, seine Gewässer reichten bis 70 Meilen vor die Küste, was international nicht anerkannt wird. Ein italienisches Boot werde seit 2012 in der ostlibyschen Stadt Bengasi festgehalten. Die Crew sei damals allerdings bereits nach einem Monat freigelassen worden.

In Libyen herrscht seit Jahren politisches Chaos. Das nordafrikanische Land hat inzwischen zwei Regierungen und ist faktisch geteilt zwischen West und Ost. Der Westen und damit auch Misrata ist unter Kontrolle der von islamistischen Milizen gestützten Regierung in Tripolis. Das im Juli 2014 gewählte Parlament und die international anerkannte Regierung sitzen inzwischen im Osten des Landes.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Insbesondere die Fischerboote der EU geben sich Mühe, die afrikanische Küste von Meeresbewohnern zu reinigen.

  • Ist das verwunderlich? Kaum ist irgendwo nicht mehr die Staatsgewalt präsent, kommen die internationale Fischflotten und plündern die Hoheitsgewässer des geschwächten Staates. Die heimischen Fische fischen dann nicht mehr, weil es nichts mehr gibt... bis auf Öltanker, Containerschiffe oder eben Raubfischer. Das kennen wir doch - gelle! Das Horn von Afrika läß grüßen.

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