Libyen nach Gaddafi
Islamismus auf dem Vormarsch

Gaddafi ist tot, das alte Regime besiegt. Doch was kommt jetzt - die Scharia? Die starken religiösen Untertöne der Rede des Übergangsratsvorsitzenden Abdul Dschalil verschrecken den Westen.
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Tripolis/IstanbulDie Rede von Mustafa Abdul Dschalil in Bengasi sollte den Beginn der Post-Gaddafi-Ära einläuten. Doch anstatt über Wahlen, Gewaltenteilung und Meinungsfreiheit zu sprechen, kündigte der Vorsitzende des Übergangsrates den Aufbau islamischer Banken an und ein neues Gesetz, das die bislang geltenden Einschränkungen für die islamische Vielehe aufhebt. „Jedes Gesetz, das den Prinzipien des islamischen Rechts zuwiderläuft, ist ungültig“, postulierte Abdul Dschalil.

Bei einigen westlichen Diplomaten kam seine Rede deshalb nicht gut an. Sie befürchten nun, dass Libyen dem Beispiel Saudi-Arabiens folgen könnte, das seine Bürger zwingt, nach den Prinzipien einer puritanisch-konservativen Auslegung des Islam zu leben. Auch einige Libyer sind nicht begeistert. Sie werfen Abdul Dschalil vor, er treffe eigenmächtig Entscheidungen, die in einer Demokratie nur von gewählten Volksvertretern getroffen werden dürften. Außerdem wurde von einigen Jung-Revolutionären kritisiert, dass er die Siegesfeier in der einstigen Rebellenhochburg Bengasi abhielt und nicht in der Hauptstadt Tripolis.

„Er hat nicht das Recht, über diese Fragen jetzt zu entscheiden, denn wir befinden uns noch in einer Übergangsphase und Abdul Dschalil ist schließlich nicht gewählt worden“, sagt Inas al-Ders. Die junge Frau aus Bengasi, die in den Revolutionsmonaten im Medienbüro des Übergangsrates gearbeitet hatte, hält auch nichts von der Vielehe.

Al-Ders, die sich selbst als liberal bezeichnet, findet, lediglich in Ausnahmefällen - beispielsweise wenn eine Frau keine Kinder bekommen kann - sollte es einem Mann erlaubt sein, eine zweite Frau zu heiraten. Auch in der Gaddafi-Ära durften Libyer bereits nach islamischem Recht bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig haben. Allerdings musste der Ehemann vor einer weiteren Heirat dafür die Erlaubnis seiner ersten Ehefrau einholen, die von dieser oft nicht gewährt wurde. Diese Bedingung soll jetzt wegfallen.

Die Libyer sind ein frommes Volk. Der Islam bestimmt viele Aspekte ihres Alltags - von der Eheschließung bis zum Fasten im Monat Ramadan. Anders als im Nachbarland Tunesien war Alkohol in Libyen auch unter Gaddafi schon verboten. Wer trinken wollte, musste ins Ausland reisen oder sich den Alkohol auf dem Schwarzmarkt beschaffen, ähnlich wie in Saudi-Arabien. Das Tragen des Kopftuches war zwar, anders als in Saudi-Arabien oder im Iran, nicht Pflicht. Allerdings trägt die Mehrheit der libyschen Frauen ohnehin Kopftuch, aus Frömmigkeit oder um sich der Mehrheit anzupassen.

„Abdul Dschalil hat in seiner Rede Dinge ausgesprochen, die viele junge Libyer hören wollten“, glaubt der Geschäftsmann Mohammed al-Ghannai aus der Stadt Sintan, der in den Monaten des Aufstandes gegen Gaddafi Mitglied der Militärführung der Rebellen wurde. „Abdul Dschalil ist nicht radikal, er ist nur konservativ“, fügt er hinzu.

Der Vorsitzende des Übergangsrates, der sein Amt voraussichtlich behalten wird, bis im kommenden Jahr ein Präsident gewählt wird, war unter Gaddafi Richter und Justizminister. Das bedeutet, dass er mit Bedacht formuliert, wenn er sagt, „dass wir das islamische Recht als Hauptquelle der Gesetzgebung genommen haben“. Denn in Saudi-Arabien formuliert man anders. Dort heißt es: „Das islamische Recht ist die einzige Quelle der Gesetzgebung.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Libyen nach Gaddafi: Islamismus auf dem Vormarsch"

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  • Arabisch um den Koran zu verstehen?



    Was bedeutet es, wenn der Koran wiederholt betont, dass er in „einfachem Arabisch“ offenbart worden sei? Folgt man dem Koran, ist der Islam als Botschaft keine neue Religion, die Mohammed offenbart wurde, um sie den Arabern zu predigen, sondern im Wesentlichen dieselbe Botschaft, die alle Propheten seit der Erschaffung der Welt gepredigt haben. Obwohl universell und für alle Menschen gültig, wird die Botschaft des Koran in einfachem Arabisch ausgedrückt, weil Gott die Sprache der Menschen berücksichtigt, zu denen Er Seinen Boten schickt. „Wir schickten keinen Gesandten, es sei denn, in der Sprache seines Volkes, auf daß er sie aufkläre.“ Deswegen ist es nicht wahrscheinlich, dass ausschließlich der Koran das Wort Gottes darstellt und dieses Wort an die arabische Sprache gebunden ist. Folgte man nämlich dieser Annahme, wäre das Wort Gottes auf den Koran allein begrenzt und schlösse damit vorangegangene Schriften von eben jenem Recht aus, das Wort Gottes in ihren eigenen ursprünglichen Sprachen auszudrücken. Das würde automatisch dazu führen, Arabisch für eine heilige Sprache zu halten. Wir können zwischen den drei Aspekten des Koran unterscheiden: seinem Inhalt, seiner Sprache und seiner Struktur. Es sollte unstrittig sein, dass das Attribut des Göttlichen allein der Quelle des Koran zukommt. Der Koran wurde ursprünglich mündlich überliefert. Überall in der islamischen Literatur wird erklärt, dass der Heilige Geist während jeder einzelnen Offenbarung dem Propheten zunächst Verse vermittelte, die Mohammed dann später seinen Gefährten rezitierte. Diese Verse oder Passagen wurden zu Kapiteln zusammengefügt und teilweise in eine schriftliche Form gefasst, so die islamischen Quellen. Nach dem Tode des Propheten wurden diese Kapitel gesammelt, geordnet und schließlich in Buchform niedergeschrieben. (Nasr Hamid Abu Zaid gest. 2010)

    http://tavhid.de/?p=903

  • Das ist längst festgelegt !
    Sie wollen (jedenfalls die Männliche Bevölkerung )
    will das als eine art Grundgesetz haben , sie wollen nach diesen Grundsätzen ihr Leben gestalten .

    Klar das es dann kein Rechtsstaat werden kann , sehen sie selbst .


    1. Moslems dürfen den Koran nicht anzweifeln (Koran 2:1)
    2. Es ist erlaubt Andersgläubige als Sexsklaven zu haben (Koran 4:23-25)
    3. Andersgläubige werden grundsätzlich für geschworene Feinde des Islam gehalten. (4:101)
    4. Moslems dürfen keine Andersgläubige für Freunde haben (Koran 5:51)
    5. Es ist die heilige Aufgabe der Moslems, Andersgläubige zu töten. (Koran 9:5)
    6. Der einzige sichere, GARANTIERTE Weg, in den Himmel zu kommen, ist für ein Moslem, Andersgläubige zu töten. (Koran 9:111)
    7. Moslems müssen Andersgläubige TERRORISIEREN. (Koran 8:12)
    8. Moslems müssen Andersgläubige belügen um den Islam zu helfen und sie dürfen sich Andersgläubigen nicht anvertrauen. (Koran 3:28, 16:106)
    9. Andersgläubige müssen sich für eine dieser Möglichkeiten entscheiden: 1. sterben, 2. konvertieren, 3. Dhimmisteuer zahlen, damit sie am Leben gelassen werden (Koran 9:29).
    10. Andersgläubige sind böse Menschen, die keine Gnade verdienen. (Koran 98:6)
    11. Prügelstrafe für Frauen ist gerechtfertigt. (Koran 4:34)
    12. Die Kinderehe ist gerechtfertigt. (Koran 65:4)
    13. Vergewaltigung ist gerechtfertigt, wenn es weniger als 4 männliche Zeugen gibt (Koran 24:13)
    14. Raub und Diebstahl gegen Andersgläubige ist eine gute Tat.
    15. Mohammed heiratete 51-jährig die 6-jährige Aisha.
    16. Mohammed vollzog mit ihr die Ehe, als er 54 war, und sie 9.
    17. Nur Mohammed darf so viele Frauen heiraten, wie er will. Die anderen dürfen 4 Ehefrauen haben. (Koran 33:50).

  • Zitat:
    "Islamismus auf dem Vormarsch"

    Ach -und bei uns etwa nicht?
    Selbst unser Bundespräsident hoffiert doch permanent diese "hochmoderne" Religion des "Friedens".

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