Libyen
Neun Tote bei Geiselnahme in Tripolis

In Libyen ist die Sicherheitslage seit Monaten sehr gespannt. Angreifer haben nun ein Hotel in der Hauptstadt gestürmt, in dem ausländische Gäste wohnen. Mindestens neun Menschen kamen ums Leben.
  • 1

TripolisBei einem Anschlag auf ein Hotel in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Dienstag mindestens neun Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien fünf Ausländer, sagte ein Sprecher der örtlichen Sicherheitskräfte, ohne deren Nationalitäten zu nennen. Zudem seien drei Wachleute sowie ein weiterer Mensch, den die Angreifer als Geisel genommen hätten, getötet worden. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS).

Das erste Opfer gab es nach Angaben der Sicherheitskräfte, als vor dem Hotel ein mit Sprengstoff präpariertes Auto explodierte. Danach hätten drei bewaffnete Männer das Hotel gestürmt, zwei Wachmänner erschossen und sich dann in dem Gebäude in die Luft gesprengt. Auch die fünf Ausländer wurden demnach erschossen. Welche Nationalität sie hatten, blieb zunächst unklar. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren unter ihnen zwei Frauen. Durch die Explosion des Autos wurden außerdem fünf Menschen verletzt, darunter zwei philippinische Angestellte des Hotels.

Sicherheitskräfte umstellten das Hotel „Corinthia“ Schüsse waren zu hören, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das Gebäude liegt an einer stark befahrenen Straße nahe einer Bushaltestelle und einem Markt. Früher waren dort diplomatische Vertretungen untergebracht. Tripolis steht derzeit unter der Kontrolle des Bündnisses Fadschr Libya (Libysche Dämmerung), eines Zusammenschlusses islamistischer Milizen.

Das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site teilte mit, die Dchihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in Libyen habe sich zu dem Anschlag bekannt. Der IS-Arm in Tripolis erklärte demnach auf Twitter, dass seine Kämpfer das Hotel erstürmt hätten. Dieses sei dafür bekannt, dass dort Diplomaten und führende libysche Politiker verkehrten.

Auch der Chef der islamistischen Parallelregierung, Omar al-Hassi, befand sich nach Angaben der Sicherheitsbehörden in dem Gebäude, als der Angriff begann. Er sei aber in Sicherheit gebracht werden. Die Attentäter zündeten ihre Sprengstoffgürtel in der 24. Etage des Hotels, die normalerweise für diplomatische Vertreter Katars reserviert ist. Von ihnen hielt sich zum Zeitpunkt des Attentats aber niemand dort auf.

In Libyen herrschen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 Anarchie und Gewalt. Im Sommer eroberten islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis und bildeten dort ein eigenes Parlament und eigene Regierung unter Führung al-Hassis. Die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdullah al-Thani und das Parlament sind nach Tobruk im äußersten Osten des Landes geflüchtet.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verurteilte den Anschlag auf das Hotel in Tripolis als „Terrorakt“ und einen Schlag gegen die Friedensverhandlungen in Genf. Dort hatten sich die libyschen Konfliktparteien unter UN-Vermittlung auf einen Fahrplan zur Bildung einer Einheitsregierung geeinigt. Trotz des Abkommens dauern die Gefechte in Libyen aber an. Alleine in Bengasi wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen vom Montag binnen 24 Stunden 18 Menschen getötet.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Libyen: Neun Tote bei Geiselnahme in Tripolis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • IS bekennt sich zu Anschlag
    -------------
    Auf ein Luxushotel in Tripolis ist eine Autobombe explodiert. Daraufhin sollen mehrere Angreifer in die Lobby des Hotels gestürmt sein und haben Geiseln genommen.
    Bei dem Anschlag gab es neun Tote.
    Die Terrormiliz IS bekennt sich zu dem Anschlag.

    In dem Luxushotel wohnen vor Allem Diplomaten.
    Mit der Geiselnahme will der IS Lösegeld erpressen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%