Libyen
Rebellen kommen Gaddafi immer näher

Es könnte eng werden für Gaddafi. Die libyschen Rebellen kommen der Hauptstadt Tripolis immer näher - dort hat sich der Machthaber verschanzt. Seine Anhänger ruft er zur Befreiung des Landes auf.
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Tripolis/BengasiSechs Monate nach Beginn des Aufstandes in Libyen spürt Machthaber Muammar al-Gaddafi jetzt den Atem der Rebellen im Nacken. Die Aufständischen brachten bis Montag nach Einschätzung libyscher Beobachter 80 Prozent der strategisch wichtigen Küstenstadt Al-Sawija unter ihre Kontrolle. Bereits am Wochenende hatten in der für den Nachschub Gadaffis bedeutenden Stadt 40 Kilometer westlich von Tripolis heftige Kämpfe getobt. Mit Al-Gharijan nahmen die Rebellen zudem die letzte noch von Gaddafis Truppen kontrollierte Stadt im westlichen Gebirge ein. In einigen Vierteln der Hauptstadt Tripolis liefern sich Aufständische und die Gaddafi-Truppen inzwischen jede Nacht Schießereien.

Gaddafi rief seine Anhänger erneut zur Befreiung des Landes „von Verrätern und von der Nato“ auf. In einer vom libyschen Fernsehen in der Nacht zum Montag ausgestrahlten Audio-Botschaft ohne bewegte Bilder forderte er seine Anhänger auf, „an die Front und in die Schlachten zu ziehen, um Libyen Zoll für Zoll zu befreien“, wie der US-Sender CNN berichtete. „Seid bereit, unser süßes Land zu befreien.“ Vor allem in Tripolis und in Gaddafis Heimatstadt Sirte wehren sich seine Anhänger heftig gegen die Rebellen.

Die Oppositionszeitung „Al-Manara“ meldete am Montag auf ihrer Website, in dem östlichen Küstenort Al-Brega seien vier Rebellen getötet und 23 verletzt worden. Nach ihrem Rückzug aus Al-Brega hätten sich die Gaddafi-Truppen darauf verlegt, Raketen von Sirte in Richtung Osten abzufeuern. Gefechte meldeten die Rebellen auch aus Nalut unweit der tunesischen Grenze.

„Ihr hört von mir trotz Beschusses“, sagte Gaddafi weiter. Nach zunächst unbestätigten Berichten hatten Kampfflugzeuge der Nato am Abend erneut Ziele in der libyschen Hauptstadt angegriffen. „Der Beschuss wird ein Ende haben, die Rebellen werden ein Ende haben, auch die Idioten in den Golfstaaten werden ein Ende haben, aber das Volk Libyens wird bleiben“, schloss Gaddafi.

Unterdessen mehren sich Berichte über Meinungsverschiedenheiten unter den Aufständischen. Ein Exil-Oppositioneller in der Schweiz sagte der Nachrichtenagentur dpa, die „Revolutionsjugend“ fordere die Absetzung von Abdulhafis Ghoga, dem Vize-Vorsitzenden des Übergangsrates der Rebellen in Bengasi. Ghoga habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, er sei ihnen jedoch „nicht sympathisch“. Via Internet riefen einige Aufständische zu einer Protestaktion gegen Ghoga auf.

Ein Beobachter erklärte, in den kommenden Tagen sei möglicherweise mit der Festnahme eines Politikers in Bengasi zu rechnen. Auch eine Umbildung der vom Übergangsrat ernannten provisorischen Regierung sei nicht ausgeschlossen. Ende Juli war der Rebellenkommandeur Abdulfattah Junis ermordet worden. Einige Rebellen hatten zuvor behauptet, der frühere Gaddafi-Gefolgsmann Junis sei ein Verräter mit heimlichen Kontakten zu Funktionären des Regimes.

Gaddafis Innenminister Nasr Mabruk traf am Montag mit einem Privatflugzeug von Tripolis kommend in Kairo ein. Er sei in Begleitung von neun Familienangehörigen mit Touristenvisum eingereist, hieß es aus Sicherheitskreisen am Kairoer Flughafen. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, Abdullah wolle sich absetzen.

Verbände der libyschen Aufständischen und Gaddafi-Milizen hatten sich am Sonntag schwere Kämpfe um Al-Sawija geliefert. Die Stadt liegt an der Küstenstraße ins benachbarte Tunesien und damit an einer wichtigen Nachschublinie. Gefechte habe es im Stadtzentrum und nahe der Raffinerie gegeben, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira. Bewohner der Stadt sollen Rebellen bei ihrem Vormarsch unterstützt haben. In Al-Sawija hatten die Gaddafi-Truppen in der Vergangenheit zwei Mal Aufstände der Bevölkerung unterdrückt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Da sind doch schon längst Fremdenlegionäre im Einsatz (ohne UN-Mandat).

  • So ein Propaganda-Schwachsinn; lt. italienischer Presse wird die sog. Offensive oestlich Tripoli's von 200 (zweihundert) Hanseln vorgetragen; die italienische Regierung steigt im September aus der Kampagne aus, am 20.09. endet das UN-Mandat und auch Sarkozy und Obama haben jetzt andere Sorgen. Die NATO wird verkuenden, dass fuer die Zivilbevoelkerung keine Gefahr mehr besteht - und arrividerci. Dann trennt sich. was nicht zusammengehoert und/ oder die Staemme regeln das unter sich. Die Salafiten & Co kriegen vielleicht von Bruessel einen genehmigten Asyl-antrag in die Tasche geschoben, und dann hoeren wir Nichts mehr von Libyen. Es sind auch so schon genug Probleme zu loesen.

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