Libyen Tripolis droht zu explodieren

Nachdem eine Rakete einen Treibstofftank in Tripolis getroffen hat, bekommt die Feuerwehr den Brand nicht in den Griff. Auch in der östlichen Metropole Bengasi herrschen Chaos und Gewalt. Ausländer verlassen das Land.
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Seit Tagen liefern sich lybische Rebellen Gefechte um den Flughafen - mit verheerenden Folgen für die Stadt. Die Behörden bekommen weder die Kämpfe noch den Brand von zwei Treibstofftanks in den Griff. Quelle: dpa

Seit Tagen liefern sich lybische Rebellen Gefechte um den Flughafen - mit verheerenden Folgen für die Stadt. Die Behörden bekommen weder die Kämpfe noch den Brand von zwei Treibstofftanks in den Griff.

(Foto: dpa)

TripolisNach einem Raketeneinschlag in einen Treibstofftank droht der libyschen Hauptstadt Tripolis eine Katastrophe. Die Feuerwehr bekomme den Brand nicht in den Griff, weitere Öl- und Gastanks könnten explodieren, sagte am Montag ein Sprecher des staatlichen Ölkonzerns NOC. Ein zweiter Treibstofftank hat inzwischen Feuer gefangen. Die Lage sei „sehr gefährlich”, so die libysche Regierung.

Die Feuerwehr versucht seit Sonntag vergeblich, das Feuer in einem Treibstofflager zu löschen, nachdem dieses bei Kämpfen von Milizen von einer Rakete getroffen worden war. Die Behörden forderten Löschflugzeuge aus dem Ausland an. Angesichts der anhaltenden Gewalt in Libyen zog das Auswärtige Amt sein Botschaftspersonal aus Tripolis ab.

Im Zuge der Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen wurde der sechs Millionen Liter fassende Treibstofftank am Sonntagabend von einer Rakete getroffen, wie NOC-Sprecher Mohammed Al-Hrari sagte. Da ein angrenzender Erdgasspeicher mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen Feuer fangen könnte, drohe eine gewaltige Explosion. Bereits Diese könne in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten. Das Energieministerium rief alle Anwohner dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten.

Flughafen in Schutt und Asche gelegt
huGO-BildID: 38180921 Bullet holes are seen on the fuselage of a Libyan Airlines' Airbus A320 airplane at Tripoli international airport in the L
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Der internationale Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis ist seit dem 13. Juli gesperrt, nachdem die Kämpfe begangen. Dort liefern sich rivalisierende Milizen Gefechte. Zu Beginn hielten sich die Schäden am Flughafen und an den Flugzeugen noch in Grenzen, wie dieses Bild mit Einschlägen in einem Airbus A320 der Libyan Airlines zeigt.

A general view of the front of the airport is seen after a shelling at Tripoli International Airport
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Blick auf den Eingangsbereich: Milizen sind auch knapp drei Jahre nach dem Sturz und Tod des langjährigen Herrschers Muammar al-Gaddafi noch sehr dominant in Libyen. Die Regierung muss sich häufig auf verbündete Kampfverbände verlassen, da die offiziellen Sicherheitskräfte nicht stark genug sind, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

Smoke rises after a shelling at Tripoli International Airport July 15, 2014
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Der Airport war nach dem Sturz Gaddafis in der Hand der sogenannten Sintan-Brigaden gefallen. Rivalisierende Islamisten-Milizen versuchen derzeit, die Brigaden zu vertreiben. Dieses Bild wurde am vergangenen Dienstag (15. Juli) aufgenommen.

huGO-BildID: 38217154 A picture taken on July 16, 2014, shows flames and smoke billowing from an airplane at the Tripoli international airport in the
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Mitte vergangener Woche eskalierten die Kämpfe, wie dieses Bild vom 16. Juli zeigt. Immer mehr Flugzeuge nahmen Schäden, wie diese Ilyushin IL-76T der libyschen Luftwaffe.

Fighting in Libyan capital after truce deal
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Der gesamte vordere Rumpf des Transportflugzeugs aus russischer Bauart brannte nieder.

A damaged aircraft is pictured after a shelling at Tripoli International Airport
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Doch es traf auch Zivilflugzeuge, wie diese Maschine der Libyan Airlines. 90 Prozent der gesamten zivilen Flotte des Landes sollen bei den Kämpfen zerstört worden sein, hieß es. Dabei machten sich die Fluggesellschaften nach dem Sturz des Diktators große Hoffnungen auf ein besseres Geschäft.

The inside of a damaged terminal is seen after a shelling at Tripoli International Airport
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Auch im Terminal des Flughafens von Tripoli: ein Bild der Zerstörung. Dabei hatten auch ausländische Airlines wie Air Malta, Alitalia, British Airways, Emirates oder Turkish Airlines die Hauptstadt der ölreichen Landes wieder angeflogen.

Dem NOC-Sprecher zufolge gelang es der Feuerwehr auch nach Stunden nicht, dem Brand mit Löschwasser beizukommen. „Die Wasservorräte gingen schließlich zu Ende, und sie mussten sich entfernen”, sagte al-Hrari am Montag. Nach Regierungsangaben boten mehrere Länder an, Löschflugzeuge zu entsenden. Nach Einschätzung von NOC droht eine „Katastrophe für Mensch und Umwelt”, sollte das Feuer nicht gelöscht werden.

Kämpfer liefern sich Gefechte um den Flughafen von Tripolis
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7 Kommentare zu "Libyen: Tripolis droht zu explodieren"

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  • Es lebt sich also gut in Libyen mit der westlichen Demokratie.
    EU/USA und Merkel werden das freudig zur Kenntnis nehmen. Somit haben sich die westlichen Anstrengungen also gelohnt.

  • Wo bleibt eigentlich die Flugverbots zone über der Ukraine....

    ach ja da bomben ja die Guten mit der Luftwaffe..... ich dummerle..

  • Da freuen sich die Libyschen Bürger aber das "wir" sie "befreit" haben.... und die EU versinkt in Flüchtlingen...

    Abgeshen von all seine Fehlern muss man Herrn G zugestehen...

    Muammar Gaddafi erbte eines der ärmsten Länder in Afrika. Aber zum Zeitpunkt seiner Ermordung war Libyen

    ohne Zweifel das reichste Land in Afrika. Libyen hatte das höchste BNP pro Kopf und die höchste

    Lebenserwartung in Afrika und es lebten weniger Menschen unter der Armutsgrenze als in Holland.
    Libyer erfreuten sich nicht nur kostenloser Krankenversorgung und kostenloser Erziehung, sondern bezahlten

    auch nichts für Strom und Wasser und jeder konnte zinsfreie Darlehen aufnehmen. Der Preis für Benzin

    betrug 10 Cent € und 40 Flachbrote ebensoviel. Folglich wurde Libyen von der UN auf den 53. Platz in

    menschlicher Entwicklung gesetzt.

    Der grundlegende Unterschied zwischen westlichen demokratischen Systemen und der Jamahiriyas direkter

    Demokratie war einfach, dass Libyens Bürger die Chance bekamen, direkt am Entscheidungsprozess

    teilzunehmen, nicht bloß durch gewählte Vertreter. Folglich konnten alle Libyer ihre Ansichten direkt

    vortragen – nicht durch ein Parlament mit ein paar hundert Elite-Politikern – sondern in hunderten

    Komitees, die von zehntausenden gewöhnlicher Bürger besucht wurden. Weit entfernt, eine Militärdiktatur zu
    sein, war Libyen unter Gaddafi Afrikas wohlhabendste Demokratie.

  • Von Max Otte wurde heute folgender ähnlicher Kommentar veröffentlicht:

    "Langsam wird mir angst und bange. Ein erschwindelter Krieg im Irak mit herbeigelogenen Begründungen durch die USA, der arabische Frühling, Syrien und nun die Ukraine. Alles äußerst undurchsichtige Konflikte. Zwar ist es da nicht so eindeutig wie im Fall Irak, dass die USA einen Krieg unter falschen Vorwänden begonnen oder erlogen haben, aber hier entsteht ein Feuer nach dem anderen am Rand Europas. Und es wird kräftig geschürt und nicht gelöscht.

    Der ukrainische Präsident (ein Oligarch und Milliardär) bezeichnete die Separatisten im Osten - Russen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen - als "Unmenschen".

    Mein Lehrer an der Princeton University Professor Robert Gilpin schrieb in seinem Buch "War and Change in World Politics", das absteigende Hegemonialmächte, die sich an ihre Führungsrolle und die entsprechenden Privilegien gewöhnt haben, ihren Status immer aggressiver verteidigen. Und wenn es zu grundlegenden Änderungen im Weltsystem kommt, weil neue ökonomische Mächte aufsteigen, kommt es sehr oft zu großen Kriegen. 1914 war die wirtschaftliche Entwicklung eines phantastisch organisierten Deutschlands vielen anderen ein Dorn im Auge.

    Heute ist China die aufsteigende Macht. Europa ist nur noch ein Territorium, über das verfügt wird. Wir bestimmen unser Schicksal nicht mehr selber, das wird hier wieder klar. Russland ist noch ein teilweise souveräner Staat.

    Zwei Altbundeskanzler - Schmidt und Schröder - haben vor einem Konfliktkurs mit Russland gewarnt. Erschreckt hat mich ansonsten die Kritiklosigkeit der westlichen Medien, die Propaganda verbreiten, anstelle zu versuchen, den Fragen mit ernsthaften Analysen auf den Grund zu gehen."

    http://www.goldseiten.de/artikel/214299--Die-Versenkung-der-Lusitania.html

    Dem schließe ich mich an frage mich allerdings zusätzlich wann die Konfliktschürer und Kriegstreiber jenseits des Atlantik endlich benannt und Den Haag zugeführt werden.

  • Das war doch auch einer dieser Staaten dem skrupellose amerikanische Machtpolitiker sowie europaische Gutmenschen Frieden, Freiheit, Demokratie, Wohlstand und überlegene westliche Werte überstülpen wollten

  • Ich bitte um Nachsicht. Mein Kommentar ist aus Versehen abgeschickt worden, bevor er fertig war. Er muss so lauten:

    Da haben die USA und ihre europäischen Freunde ja ganze Arbeit geleistet. Nach Afghanistan und dem Irak ist Libyen nun der 3. Staat, den sie zerstört haben.

    Das in meinen Augen einzige Verdienst der FDP in der letzten Legislaturperiode war es, dass Deutschland bei dem Massaker nicht mitgemacht hat. Das hat bei der demnächst anstehenden Begräbnisrede für die FDP eine lobende Erwähnung verdient, trotz ihrer antiliberalen Politik in Sachen Eurorettung und Energiewende.

    Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber wir haben Grund zu der Befürchtung, dass die USA demnächst auch die Staaten Syrien und Ukraine zur Strecke gebracht haben werden und sie zu ihren Jagdtrophäen rechnen dürfen.

    Ohne die besonnene, zurückhaltende und ausgesprochen defensive Haltung Putins hätten sie ihr Werk vermutlich schon vollendet.

  • Da haben die USA und ihre europäischen ihrer antiliberalen Politik in Sachen Eurorettung und Energiewende.

    Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber wir haben Grund zu der Befürchtung, dass die USA demnächst auch die Staaten Syrien und Ukraine zur Strecke gebracht haben werden und sie zu ihren Jagdtrophäen rechnen dürfen.

    Ohne die besonnene, zurückhaltende und ausgesprochen defensive Haltung Putins hätten sie ihr Werk vermutlich schon vollendet.

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