Libyen und Niger kooperieren
Iran bleibt im Visier der Atomenergiebehörde

Als Rückschlag in der angekündigten offenen Informationspolitik wertet man bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) das jüngste Verhalten des Irans in Bezug auf die Atomkontrollen. Man werde jedoch nicht nachgeben, sondern die Kontrollen ordnungsgemäß zu Ende bringen, erklärte IAEA-Chef Mohamed El Baradei in Wien.

HB WIEN. Am Montag eröffnete der Gouverneursrat der Uno eine mehrtägige Sitzung, um über das weitere Vorgehen in Bezug auf den Iran zu entscheiden. El Baradei wies auf die Gefahren hin, die die lückenhaften Angaben des Irans nach sich ziehen. So war der Besitz von Bauanleitungen für Zentrifugen des Typs P2 im Bericht des Irans unerwähnt geblieben. Diese Zentrifugen können der Produktion von hoch angereichertem Uran in einem Atomreaktor dienen, aber auch in Atomwaffen verwendet werden.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kann Verstöße gegen die internationale Vereinbarung zur Nicht-Verbreitung von Atomwaffen dem Uno-Sicherheitsrat melden. Dieser wiederum ist in der Lage, wirtschaftliche oder politische Sanktionen zu verhängen.

Bereits am Sonntag appellierte der Golfstaat an die IAEA, die Untersuchung des Atomprogramms einzustellen. Der Iran beteuerte, nukleare Tätigkeiten nur zu friedlichen Zwecken zu betreiben. El Baradei lehnte dies ab, die IAEA werde alle offenen Fragen noch klären. Dazu sei es notwendig, dass der Iran möglichst schnell die vollständigen Informationen nachreicht. Ansonsten könne sich der Verdacht der heimlichen Atomwaffenproduktion nicht ausräumen lassen.

Der iranische Botschafter, Pirooz Hosseini, nahm zu dieser Aufforderung kritisch Stellung. Er sieht sein Land als Opfer eines „Propagandakrieges“. Die Vertreter der iranischen Regierung seien im vergangenen Jahr falsch zitiert worden, als berichtet worden sei, dass der Iran gegenüber der IAEA sein gesamtes Programm offen gelegt habe. „Zu dem Zeitpunkt waren wir nicht gezwungen, alles anzugeben“, erklärte Hosseini vor Journalisten in Wien.

Im November letzten Jahres hatte sich der Golfstaat kooperativer gezeigt. Er willigte sowohl in die Offenbarung des gesamten Atomprogramms ein, als auch in die Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag, welches den IAEA-Inspektoren unangekündigte und intensivere Kontrollen ermöglicht.

Laut Angaben der IAEA-Sprecherin Melissa Fleming wollten auch Libyen und Niger das Zusatzprotokoll am Mittwoch unterzeichnen. Libyen hat sich vor wenigen Monaten bereit erklärt, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten und seine Atomanlagen unter Aufsicht beseitigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%