Liechtenstein
Abschied vom Steueroasen-Image

Liechtenstein will nicht länger als Oase für ausländische Steuerflüchtlinge fungieren. Stattdessen setzt man im Fürstentum künftig auf Zusammenarbeit und reformiert sein Geschäftmodell auf dem Finanzsektor.
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VaduzDie Burg hoch oben auf dem Felsen ist mehr als ein Monument. Sie ist das Symbol des Fürstentums Liechtenstein – uneinnehmbar, ein sicheres Refugium, dickwandig und solide. So sahen sich die 36.000 Liechtensteiner lange Zeit selbst, und so sahen es auch die Kunden, die hier ihr Geld verstauten. Doch neuerdings stimmen Symbolik und Realität nicht mehr überein. Die Liechtensteiner fürchten um ihren Wohlstand, seit Deutschland, die USA und andere Staaten Steuerhinterzieher über Landesgrenzen hinweg verfolgen. Sie bangen um ihre Zukunft, seit der internationale Druck wächst, Steueroasen auszutrocknen.

Dabei will Liechtenstein selbst keine Steueroase mehr sein. „Steuerhinterziehung ist kein Standortvorteil mehr, sondern ein Risikofaktor“, sagt Regierungschef Klaus Tschütscher. Bis dato haben die 17 Banken, 392 Treuhänder, 40 Versicherer und 27 Fondsgesellschaften ein Drittel von Liechtensteins Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Und die Umrisse eines neuen Geschäftsmodells sind erst in Umrissen zu erkennen.

Klar ist aber schon heute: Der reformierte Finanzsektor wird für das Fürstentum weniger rentabel sein. Die Regierung rechnet daher mit dauerhaft geringeren Steuereinnahmen und hat ein Sparprogramm aufgelegt.

Wie sehr der Finanzplatz Liechtenstein zur Großbaustelle geworden ist, zeigt ein Besuch bei der Liechtensteinischen Treuhändervereinigung. Geschäftsführer Clemens Laternser, Anfang 40, trägt seinen hellgrauen Anzug ohne Krawatte, auch der Dreitagebart und sein freundlich-lockerer Ton will nicht zum Klischee des konservativen Treuhänders passen.

„Früher war das Geschäft einfach“, sagt Laternser und rührt entspannt in seinem Kaffee. Im Auftrag eines Kunden richtete der Treuhänder zum Beispiel einmal eine Stiftung für sein Vermögen ein. Für ausländische Steuerbehörden blieb das Konstrukt unsichtbar.

Dann kam 2008 die Zumwinkel-Affäre: Durch einen Datendiebstahl erfuhren Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit, dass der damalige Postchef einen Teil seines Vermögens durch ein Treuhandkonto in Liechtenstein vor dem Fiskus versteckt hatte. „Das will Liechtenstein so nicht länger anbieten“, verspricht Laternser und blickt sein Gegenüber fest an. Heute kooperierten Treuhänder mit deutschen Behörden, sobald ein Verdacht auf Steuerhinterziehung vorliege.

Kommentare zu " Liechtenstein: Abschied vom Steueroasen-Image"

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  • Der Prinz von Liechtenstein tanzt Europa auf der Nase herum. Es sollte ein einheitliches Steuergefüge geben, damit nichts mehr an unserem Fiskus vorbeiläuft... es ist eine Frechheit, dass Liechtenstein Unternehmen die Möglichkeit bietet Schwarzgeld zu deponieren und davon noch profitiert. Treffen tuts natürlich wieder die kleinen Zahler!!!

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