Liechtensteins Fürst Hans Adam II.
Seine Durchlaucht geruht zu verkloppen

Liechtensteins Fürst Hans Adam II. geht daheim auf dem Schloss zu Vaduz der Platz aus. Also trennt er sich von zahlreichen Kunstobjekten – per Auktion bei Christie's in Amsterdam. Das ist dem Herrscher allemal lieber, als Ausstellungen im ungeliebten Deutschland zu bestücken.

AMSTERDAM. Fast fallen Johan Kräftner die Stöpsel seines Handy-Headsets aus den Ohren, so heftig schüttelt er den Kopf. „Unglaublich, ich kann es einfach nicht glauben, dass man dafür so viel bezahlen kann“, entfährt es Kräftner.

Was seinem Kunstverstand widerspricht, freut seinen Chef. Kräftner betreut die private Kunstsammlung von Hans Adam II., Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf und Graf zu Rietberg. Und die ist, hat Seine Durchlaucht beschlossen, zu üppig. Also weilt Johan Kräftner im Auftrag Seiner Durchlaucht nun in Amsterdam. Bei Christie’s beobachtete er die Versteigerung von mehr als 450 Möbelstücken und Kunstgegenständen aus dem Besitz der Fürstenfamilie.

Gerade geht eine Marmorskulptur weg – für 22 000 Euro. „Die Engel sehen doch aus wie kleine Teufelchen: Wie kann man so was nur kaufen?“ wundert sich Kräftner. „Aber ich bin ja froh, wenn es weg ist.“

Denn sein Auftrag lautet: Fast alles muss raus. Der Fürst, der seit Wochen im Mittelpunkt der deutsch-liechtensteinischen Steueraffäre steht, hat zum Räumungsverkauf geblasen. In seinen Schlössern und Museen sei nicht genügend Platz, deshalb müsse er entrümpeln, lässt er wissen.

Das kam so: „Wir bauen in Wien ein neues Museum aus“, sagt Kräftner. „Diese Gelegenheit haben wir genutzt, in unseren Beständen mal so richtig aufzuräumen. Und da ist einiges zusammengekommen, das wir jetzt verkaufen wollen.“

Die Schatzkammer der von und zu Liechtensteins ist nicht gerade klein. Die Sammlung der Familie gilt als eine der wertvollsten der Welt. Wie groß der Schatz tatsächlich ist, weiß keiner so genau, „aber wir reden da von unvorstellbar hohen Summen“, sagt der Sammlungsdirektor. Hans Adam II. gilt sowieso schon mit seinem Privatvermögen von rund 4,4 Milliarden Euro als reichster Monarch Europas. Was er bei Christie’s dazuverdient, dürften für ihn also nicht mehr als „Peanuts“ sein.

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