Lieferstopp für Ukraine
Gasentzug trifft nun auch Deutschland

Die Folgen des Gasstreits zwischen Moskau und Kiew haben jetzt auch Deutschland erreicht. Laut dem größten deutschen Importeur von russischem Erdgas, Wintershall, verringerten sich die Lieferungen über die Ukraine-Pipelines spürbar. Nachbarländer machen erste Hilfsangebote.

HB BERLIN. Falls der Erdgas-Konflikt zwischen Russland und der Ukraine die deutsche Gasversorgung beeinträchtigen sollte, könnten die Niederlande zusätzliche Lieferungen anbieten, versichert der größte niederländische Gasproduzent. „Unsere Vorräte sind groß genug“, erläuterte ein Sprecher von Gasunie, dem für die Gasversorgung des Landes verantwortlichen Unternehmen.

Nach seinen Angaben liefern die Niederlande derzeit jährlich etwa 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus eigenen Vorräten in die Bundesrepublik. „Deutschland ist damit unser größter Kunde“, sagte er. Allerdings könne sich der Preis erhöhen, wenn Zusatz-Lieferungen den vertraglichen Rahmen überstiegen.

Der deutsche Gasimporteur Wintershall hatte zuvor gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärt, mittlerweile erreiche auch Deutschland weniger Gas, als über die Verträge mit dem russischen Energiekonzern Gazprom vereinbart. Genaue Angaben zur Höhe des Rückgangs machte der Sprecher allerdings nicht. Die Versorgung der Haushalte und auch der Großabnehmer mit Erdgas sieht das Unternehmen dennoch nicht gefährdet. „Bei uns kommen alle warm durch den Winter“, hieß es. Bis zum Frühjahr könnten die Einbußen durch die Nutzung anderer Importrouten und der Speicher kompensiert werden.

Auch der Essener Gas-Importeur Eon Ruhrgas stellte erste Liefereinschränkungen beim Gas aus Russland fest. „Wir bekommen eindeutig weniger als vertraglich vorgesehen, aber wir können das noch nicht genau beziffern“, sagte Ruhrgas-Sprecherin Tatjana Dreyer.

Der russische Gasmonopolist Gazprom stoppte am Sonntag Gas-Lieferungen an die Ukraine. Zuvor hatte sich die Regierung in Kiew geweigert, eine Preisanhebung von 50 auf 230 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas zu akzeptieren. Gazprom hat seine Forderung mit international üblichen Preisen begründet. Die Ukraine vermutet indes eine Bestrafung für die pro-westliche Haltung der Regierung. Sie ist zwar mit einer Angleichung an das Weltniveau einverstanden, fordert aber eine Übergangsphase.

Ein großer Teil des Gases für die Länder der EU kommt aus der Pipeline über das ukrainische Territorium. Das ungarische Energieunternehmen MOL hatte bereits am Sonntagabend in Budapest mitgeteilt, die Lieferungen nach Ungarn seien um 25 Prozent reduziert. Der österreichische Energieversorger OMV meldete einen Rückgang um ein Drittel. Auch Polen und die Slowakei registrierten einen Rückgang der russischen Gaslieferungen über die Ukraine.

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