Linksrutsch in Frankreich
François Hollande ist neuer französischer Präsident

Die Ära „Merkozy“ ist zu Ende: Der nächste Präsident Frankreichs heißt François Hollande. Der Sozialist hat die Stichwahl klar gewonnen. Das Votum der Franzosen sorgt in Europa auch für Unruhe.
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Paris/BrüsselDer Jubel bei den französischen Sozialisten kennt keine Grenzen: Erstmals seit 24 Jahren wurde am Sonntag ein Sozialist zum Präsidenten Frankreichs gewählt, erstmals seit der Ära von François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 an der Spitze des Landes stand. Geschafft hat dies François Hollande, ein Mann, der lange als Provinzpolitiker und Parteisoldat belächelt wurde. Der 57-Jährige holte fast dasselbe Wahlergebnis wie sein Vorbild Mitterrand: Knapp 52 Prozent der Franzosen stimmten für ihn, Mitterrand war bei seiner ersten Wahl auf 51,8 Prozent gekommen.

Schon lange vor den offiziellen Hochrechnungen der Institute um 20 Uhr feierten die Anhänger der Sozialisten in den Straßen von Paris, als die ersten Ergebnisse bekannt wurden. "Ich bin 24 Jahre alt, ich habe nur die Rechte an der Macht gekannt, ich bin sehr ergriffen", jubelte ein junger Mann. Fahnen und lautes Autohupen begleiteten die Begeisterung vor der Parteizentrale an der Rue de Solférino. „Was für Emotionen heute Abend, wir haben so lange gewartet“, erklärte Sozialisten-Chefin Martine Aubry nach Bekanntgabe der Ergebnisse.

Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gestand seine Niederlage ein: „Frankreich hat einen neuen Präsidenten. François Hollande ist Präsident der Republik und muss respektiert werden.“ Er habe ihm in einem Telefonat Glück gewünscht, sagte Sarkozy in Paris vor enttäuschten Anhängern. Er will sich aus der Politik zurückziehen, wie er vorher schon angekündigt hatte. Sarkozy galt zuletzt als der unpopulärste Staatschef seit Einführung der Direktwahl des Präsidenten 1958.

Dass mit Hollande ein neuer Stil im Präsidentenpalast einziehen wird, das machte der langjährige Parteichef der Sozialisten am Sonntag bereits deutlich. In der beschaulichen Provinzstadt Tulle verbrachte er den Tag, schüttelte Hände, ging dort wählen. In Begleitung seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler wollte er vor der Kathedrale von Tulle am Abend seine ersten Worte an die Franzosen richten. Erst später am Abend wollte der künftige Präsident zusammen mit seinen Anhängern in Paris an der Bastille feiern, dort, wo auch Mitterrand am 10. Mai 1981 seinen historischen Wahlsieg gefeiert hatte. Dort versammelten sich schon am frühen Abend zehntausende begeisterte Anhänger.

Welten liegen zwischen den Auftritten Hollandes, der ausdrücklich auch als Präsident "normal" bleiben will, und den einstigen Siegesfeiern von Nicolas Sarkozy. Der unterlegene konservative Präsident hatte seine Wahl zum Staatschef 2007 im Nobelrestaurant Fouquet's zelebriert und gleich danach Ferien auf der Luxusyacht eines Millionärsfreundes gemacht. Dieser Hang zu den Schönen und Reichen wurde Sarkozy am Ende ebenso zum Verhängnis wie seine magere Wirtschaftsbilanz mit hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung.

Für die Sozialisten (PS) war der Weg zum Wahlsieg steinig: Erst stolperte der große Hoffnungsträger Dominique Strauss-Kahn im vergangenen Jahr über seine Sex-Affären. Danach musste sich das sozialistische Lager neu sortieren, denn Parteigrößen wie PS-Chefin Martine Aubry hatten ursprünglich zugunsten Strauss-Kahns auf eine Kandidatur verzichten wollen.

Schließlich gewann Hollande die Vorwahlen der Sozialisten, obwohl seine eigenen Parteifreunde ihn im internen Wahlkampf als "schlaff" attackiert hatten. Seine Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal stichelte: "Können die Franzosen eine Sache nennen, die er in 30 Jahren politischen Lebens geschafft hat?" Doch der wegen seines zurückhaltenden Auftretens oft unterschätzte Hollande schaffte es nicht nur, die Flügel seiner Partei hinter sich zu scharen, sondern auch seinen klaren Vorsprung gegenüber Sarkozy monatelang zu verteidigen.

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Telefonat mit Merkel

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Freude bei der SPD

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  • Widerspruch @Anonymous !
    Doch genau das ist der deutsche Michel, das sieht man schon an Ihrer naiven "Milchmädchenargumentation".
    Ein tatsächlich früheres Renteneintrittsalter als das gesetzliche Renteneintrittsalter bedeutet in aller Regel teilweisen Rentenverzicht, wenn nicht aus gesundheitlichen Gründen frühverentet wurde, was allerdings sehr schwer zu erreichen ist.

    Und warten Sie mal ab, die alternativlose Merkelsauce à la Hollandaise wird in Zukunft für Deutsche noch bitterer serviert werden. Aber wählen Sie nur weiter auf tumbe Art und Weise !

  • @Rainer_J Sicherlich haben Sie Recht damit, dass die genannten Staaten allein aufgrund ihrer Zahl schon einen erheblichen Einfluss auf die EU haben. Dennoch ist der Euro-Raum abhängig von der Bonität und Solidarität Deutschlands, was zumindest in der Theorie eine Machtposition darstellt. Praktisch muss ich Ihnen leider insofern Recht geben, dass ausreichender Druck auf Merkel noch stets gereicht hat, um weitere Sicherheiten freizugeben. Dies könnte sich jedoch in naher Zukunft (Merkel muss auch mal wiedergewählt werden... :-) ) aber ändern.
    Der Fakt, dass Straßburg das Europäische Parlament beheimatet ist wohl kaum ein gutes Argument - genausogut könnte man die EZB in Frankfurt aufzählen...

    @gdopamin Dass ein Boykott irgendeine messbare Wirkung für die deutsche Wirtschaft hätte, können Sie doch nicht wirklich glauben, oder?
    Auch denke ich, dass die Lage sich deutlich geändert hat und eine DM heute deutlich höher bewertet würde als damals. Allein am Schweizer Franken zeigt sich, welche Auswirkungen der Schein eines sicheren Hafens zur Zeit hat. An den deutschen Bonds zeigt sich das bereits. Ich halte einen Bruch mit dem Euro für fatal.

  • Soll er mal die "Märkte" auf Euro-Bonds einstellen (ohne Dtl., aber mit Frankreich). Dann können sie die linksgerutschten Franzosen freuen.

    Wir nehmen jedes Unternehmen aus Frankreich gern auf.

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