Literatur zur US-Wahl
Umschalten auf Optimismus

In Amerika gäbe es genug zu nörgeln: Reformstau, wirtschaftliche Altlasten, soziale Spannungen. Doch Jammern ist nicht patriotisch, beobachten USA-Experten. Die besten neuen Bücher zum Wahljahr.
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Washington/DüsseldorfEins hat die Neue Welt der Alten noch voraus: den unerschütterlichen Optimismus. „Yes we can“ war nicht nur der Siegesslogan von Barack Obama: In seiner individualisierten Form „Ich schaffe das“ war und ist er Amerikas Leitmotiv. Wer da allzu energisch auf die tiefen Missstände im Land verweist, gilt schnell als Nestbeschmutzer. Dagegen haben die gründlichen, nörgelnden Deutschen kein Problem damit, den Finger ganz tief in die Wunde zu legen.

Mit der Wahl der Titel machen Josef Braml („Der amerikanische Patient“) und Reymer Klüver/Christian Wernicke („Amerikas letzte Chance“) klar, in welche Richtung ihre Bücher gehen, die sie zum Ende von Barack Obamas erster Amtszeit und zur Präsidentschaftswahl im November vorgelegt haben.

Die beiden Bücher benutzen zwei ganz verschiedene Untersuchungsmethoden, wenn sie dem Patienten Amerika zu Leibe rücken, aber sie kommen beide auf ihre Art zur selben Diagnose.

Josef Braml, der Politologe, analysiert den Zustand Amerikas mit wissenschaftlichem Röntgenblick. Sein Urteil ist so eindeutig wie vernichtend: Die USA litten an sozialen Gleichgewichtsstörungen, einer politischen Ohnmacht, wirtschaftlichen Herzrhythmusstörungen und einer energetischen Antriebsschwäche. Diese massiven Beeinträchtigungen könnten zum Kollaps führen, würden Amerika aber auf jeden Fall daran hindern, seine Interessen „so umsichtig zu vertreten wie bisher“.

Die Diagnose der inneren, politischen und wirtschaftlichen Probleme begründet Braml präzise und faktenreich. Dann folgen Seiten, in denen er die außenpolitischen Verflechtungen im Detail geradezu lexikalisch aufblättert. Auch das sehr fundiert, aber es führt vom Fokus des Buches fort.

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