+++Liveblog+++
Ausschreitungen an der ungarischen Grenze

Die Lage an der ungarischen Grenze eskaliert, Flüchtlingsströme verlagern sich über Kroatien. Das EU-Parlament will über die Umsiedlung von 120.000 Flüchtlingen abstimmen und Orban eine Quote akzeptieren. Der Liveblog.

Trotz Abschottung und Grenzkontrollen: Der Zustrom der Flüchtlinge hält unvermindert an. Allein am Dienstag kamen nach Angaben der Bundespolizei 3500 Flüchtlinge aus Österreich nach Deutschland. Bundesregierung und Länder vereinbarten bei einem Spitzentreffen am späten Abend, künftig gemeinsam die Verteilung der Flüchtlinge im Bundesgebiet zu organisieren. Der Tag im Liveblog.

+++ IRC-Chef Miliband verurteilt Ungarns Vorgehen +++

Der Chef des Internationales Rettungskomitees IRC, David Miliband, prangert Ungarns Strategie im Umgang mit Flüchtlingen an. Die Ereignisse an der serbisch-ungarischen Grenze, wo die Polizei zuletzt mit Tränengas gegen Asylsuchende vorging, lege „eine dunkle Seite des europäischen Charakters“ offen, sagte der frühere britische Außenminister im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. „Jeder mit einem Funken Moral verspürt Entsetzen über das, was in Teilen Europas passiert.“

+++ Knapp 1200 Flüchtlinge in Kroatien angekommen +++

Nach der Abriegelung der ungarisch-serbischen Grenze sind am Mittwoch knapp 1200 Flüchtlinge in Kroatien eingetroffen. Wie das kroatische Innenministerium mitteilte, kamen bis zum Abend 1191 Migranten an. Unter ihnen seien 818 Männer, 189 Frauen und 184 Kinder. 303 Menschen hielten sich im Registrierungszentrum in Jezevo auf. Innenminister Ranko Ostojic traf sich demnach in den Abendstunden mit seinem serbischen Kollegen Nebojsa Stefanovic. Am Vormittag hatte es in örtlichen Medienberichten geheißen, am Mittwoch würden rund 500 Menschen in dem EU-Land erwartet.

+++ Serbien wirft Ungarn brutales Verhalten vor +++

Serbiens Ministerpräisent Vucic wirft dem Nachbarland Ungarn „brutales“ und „nicht-europäisches“ Vorgehen gegen die Flüchtlinge an der gemeinsamen Grenze vor. Er forderte die Europäische Union (EU) auf, darauf zu reagieren. „Sollte die EU keine Antwort geben, werden wir einen Weg finden, unsere Grenzen und auch die europäischen Werte zu beschützen“, droht Vucic.

+++ Ungarn nimmt Flüchtlinge fest +++

Die ungarische Polizei hat bei den Tumulten an der Grenze zu Serbien 29 Flüchtlinge festgenommen. Darunter sei auch ein „Terrorist“ gewesen, sagt der Sicherheitschef von Ministerpräsident Orban.

+++ Orban will Quote akzeptieren +++

Sollte die EU ein Quoten-System zur Umverteilung von Flüchtlingen per qualifizierter Mehrheit beschließen, müsste Ungarn dies nach den Worten von Ministerpräsident Viktor Orban akzeptieren, da es dann ein Gesetz wäre. Allerdings wäre ein solches Vorgehen "unklug, unfair", sagt Orban in einem vorab veröffentlichten "Welt"-Interview.

+++ Ungarn will auch die Grenze zu Kroatien einzäunen +++

Ungarn kündigt einen Zaun auch an bestimmten Stellen der Grenze zu Kroatien an. Dies sagt Ministerpräsident Viktor Orban in einem Interview der Zeitung „Die Presse“.

+++ Dutzende Flüchtlinge überwinden Grenze zu Ungarn +++

Am serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke haben dutzende Flüchtlinge am Mittwochabend die ungarische Polizei zurückgedrängt und sind auf ungarisches Gebiet vorgedrungen. Die Polizisten zogen sich um mehrere dutzend Meter zurück und setzten Tränengasgranaten ein, wie AFP-Reporter berichteten. Zuvor hatten hunderte Flüchtlinge die ungarischen Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein.

+++ Ungarn schließt Grenzübergang für einen Monat +++

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen der Polizei mit Flüchtlingen am serbisch-ungarischen Grenzübergang Horgos/Röszke wird dieser für einen Monat geschlossen. Das teilte der ungarische Botschafter in Belgrad dem serbischen Außenministerium mit, berichteten die Medien am Mittwoch übereinstimmend in der serbischen Hauptstadt. Der Autobahngrenzübergang war wie der benachbarte Übergang auf der Landstraße und der nahe gelegene Übergang Backi vinogradi vor zwei Tagen wegen des Flüchtlingsansturms geschlossen worden.

+++Paris droht in Flüchtlingskrise ebenfalls mit Grenzkontrollen+++
In der Flüchtlingskrise hat auch Frankreich eine vorübergehende Wiedereinführung von Grenzkontrollen angedroht. An der Grenze zu Italien habe Frankreich bereits im Frühjahr zwischenzeitlich Kontrollen eingeführt, sagte Premierminister Manuel Valls am Mittwoch in der französischen Nationalversammlung in Paris. „Wir werden nicht zögern es wieder zu tun, wie die Schengen-Regeln es erlauben - jedes Mal, wenn die Umstände es erfordern.“

+++UN-Sicherheitsrat könnte über Flüchtlingskrise beraten+++
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich möglicherweise bei einer Sondersitzung in der kommenden Woche mit der Flüchtlingskrise in Europa befassen. Das sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin nach einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA.

+++Slowenien führt Kontrollen an Grenze zu Ungarn ein+++
Auch Slowenien will Kontrollen an seiner Grenze zu Ungarn einführen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf Ministerpräsident Miro Cerar.

+++Flüchtlinge überqueren zunehmend grüne Grenze nach Bayern+++
Angesichts der Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze weichen Flüchtlinge nach Behördenangaben zunehmend auf abgelegene Feld- und Waldwege aus. "Die grüne Grenze wird verstärkt genutzt", sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Nahe der bayerischen Kleinstadt Simbach am Inn hätten Beamte mehrere hundert Flüchtlinge in der freien Landschaft aufgegriffen.

+++Niedersachsens Finanzminister will Rücklagen für Flüchtlinge auflösen+++
Zur Finanzierung der Kosten für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen will Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider Rücklagen auflösen. Bei den ersten Beratungen zum Etatentwurf 2016 erklärte der SPD-Politiker am Mittwoch im Landtag, für das laufende Jahr zeichne sich ein deutlicher Mehrbedarf ab. Die Allgemeine Rücklage im Landeshaushalt hat nach Angaben seines Ministeriums ein Volumen von rund 550 Millionen Euro und ist zur Finanzierung unvorhergesehener Notlagen vorgesehen.

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