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Obamas Vision: „Frieden mit Gerechtigkeit“

Bei der Kanzlerin muss sich der US-Präsident verteidigen, doch vor dem Brandenburger Tor gehört die große Bühne allein Barack Obama - und seiner Vision einer friedlichen und gerechten Welt. Der ganze Tag im Liveblog.
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Auf dem Programm von US-Präsident Barack Obama standen Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel, Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, eine Pressekonferenz und die Rede vor dem Brandenburger Tor. Handelsblatt Online fasst die Ereignisse und Aussagen zusammen.

++ Altmaier und Rösler zufrieden ++
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lobt Obams Bekenntnis für einen globalen Klimaschutzpakt. Das sei die bisher ermutigendste Rede eines amerikanischen Präsidenten in Sachen Klimaschutz und Reduzierung von Treibhausgasen gewesen, schrieb Altmaier bei Twitter. Bisher blockieren die USA verbindliche Minderungsziele und sind neben China der größte Klimasünder. Bis 2015 soll es einen Weltklimavertrag geben - vorausgesetzt auch die USA ziehen diesmal wirklich mit.

Nach Meinung von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat Obama "eine große Rede gehalten". Mit der Abrüstungsinitiative habe er "ein herausragendes Zeichen" gesetzt. Zudem habe er sich mit klaren Worten zum geplanten Freihandelsabkommen bekannt. Mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit zwischen Sicherheit und Schutz der Privatsphäre habe Obama "eine offene Debatte angekündigt. Das ist ein gutes Signal, denn noch sind viele Fragen offen.“

++ Ein erstes Zwischenfazit ++
Barack Obama bleibt sich selbst treu, Anfechtungen und Kritik aus der deutschen Öffentlichkeit ignoriert er weitgehend. Statt dessen beschwört er die Leistungen der Berliner im Kampf um ihre Freiheit, skizziert seine großartige Vision von einer Welt, die ohne Terror und Aids ist, in die Klimakatastrophe gebannt und der Hunger verschwunden ist.

Konkret wird er nur an einem Punkt, bei seinem Angebot an Russland, die Zahl der amerikanischen Atomsprengköpfe um ein Drittel zu reduzieren. Das Ausspähprogramm PRISM streift er nur - und auf DEN berühmten Satz nach Kennedys Vorbild warten die Zuhörer ebenfalls vergeblich.

++ „Regierung steht im Dienste des Individuums“ ++
Obama verteidigt das umstrittene Internet-Spähprogramme des US-Geheimdienstes. „Sie helfen dabei, Menschen in Amerika und andernorts zu schützen.“ Sie beruhten auf Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit. Jenen, die dazu eine andere Meinung hätten, müsse man aber zuhören. Zudem werde er seine Bemühungen verdoppeln, Guantanamo zu schließen. Die Berliner Mauer sei nun Geschichte. „Wir müssen ebenfalls Geschichte schreiben“.

Er sei zuversichtlich, dass es möglich sei, die Balance zwischen dem Streben nach Sicherheit und Freiheit zu erreichen: "Wir müssen eine Debatte darüber haben, welche Freiheiten wir haben - und wann wir sie einschränken. Die Regierung steht im Dienste eines Individuums und nicht umgekehrt. Das sind die Werte, die uns anleiten."

Ein letzte Verneigung für die Berliner, die an der Mauer und im Todesstreifen für ihre Freiheit gekämpft haben - und dann ist Barack Obama auch schon am Ende seiner ungewöhnlich kurzen Rede.

++ "Frieden mit Gerechtigkeit"und Abrüstung ++

Unter der sehr breiten Überschrift skizziert Obama seine Agenda für die Welt. Heute wolle er neue Entscheidungen bekanntgeben: So wolle er die Atomsprengköpfe der USA um ein Drittel senken. Das entsprechende Angebot in Richtung Russland war bereits zuvor bekannt geworden, ist also keine Überraschung mehr.

Im Kampf gegen den Klimawandel werden die USA mehr tun, verspricht der Präsident. Das müsse jedoch eine Aufgabe aller Nationen sein. Obama zählt immer neue Ziele auf - bis hin zum endgültigen Sieg über Aids.

++ Erinnerung an Kennedy ++
Obama erinnert an John F. Kennedy, an seinen berühmten Spruch "Ich bin ein Berliner". Aber JFK habe mehr gesagt, er habe die Berliner aufgefordert, den Blick nach vorne zu richten, auf eine Zukunft in Frieden und Wohlstand. Die Welt sei seither weit gekommen, aber noch lange nicht am Ziel. Der internationale Terror habe ganz neue Herausforderungen gebracht, die man gemeinsam begegnen müsse. Der Wohlstand habe zugenommen, doch solange so viele Menschen in Armut und Hunger lebten, könne man sich nicht zufrieden geben.

Obama: "Heben wir also heute den Blick!" Dazu gehöre, allen Menschen gleiche Chancen zu verschaffen - eine Variation der Standard-Rede des US-Präsidenten: "Egal wer Du bist, egal wofür Du stehst ..."

Kommentare zu " Liveblog: Obamas Vision: „Frieden mit Gerechtigkeit“"

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  • ABER WERDE BEZAHLT !!! WENN BEITRAG GELÖSCHT WIRD OHNE HINWEISS VON ZENSUR !!!

    VERGESST es NICHT oder SEID . . . .

    Frank Frädrich sich Gott und Gott IST ANTIZIONIST UND SOWAS VON SOUVERÄN

  • Den ganzen Tag fliegen über uns die Hubschrauber und verbreiten ein mulmiges Gefühl. Alles und noch viel mehr um das Leben eines Menschen zu schützen. Ich frage mich: wie muß sich dieser Mensch fühlen? Kann ein Mensch dies ertragen? Kann man unter diesem Umständen in einer "realen" Beziehung zu seiner Umwelt stehen? Wie ist es, wenn man zu Menschen spricht, sie erreichen will und dabei durch eine schußsichere Scheibe von ihnen getrennt ist? Können Wörter diese Scheibe durchdringen?
    Vielleicht lernt man es, damit umzugehen. Aber ich glaube, ich könnte dieses höchtsriskante Leben nur ertragen, in dem ich mich von dieser bedrohlichen Welt emotional abschotten würde, alles verdrängend vom Subjekt zum - bestfunktionierenden - Objekt würde, so eine Art "Mensch-Maschine Kopplung".
    Es mag gut und wichtig sein, die Zahl der (hoffentlich nutzlosen) Atomprengköpfe zu reduzieren. Aber wird dadurch ein einziger Polizist bei künftigen Präsidenen-Besuchen entbehrlich werden? Was muß passieren, damit ein Mensch auch während seiner Präsidentschaft Mensch sein kann?

  • gerdemann
    richtig
    Und auch Clinton ging abends noch in eine Kneipe die er nett fand, zum Essen
    Bush-Senior konnte sich noch frei bewegen, jeder jubelte ihm zu.
    Mit Bush-jun und Merkel war das zu Ende
    Schade, wo ist sie hin die Freiheit?
    Kommt sie zurück? "I have a dream"

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