+++Liveblog zum Nachlesen+++: Vereint gegen den Terror

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Vereint gegen den Terror

In Paris wird Geschichte geschrieben: Mehr als 1,5 Millionen Menschen gedenken der Opfer des Terroranschlags. An der Spitze: rund 50 Regierungschefs, darunter Israels Premier Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas.

Düsseldorf/ParisWas für eine Mobilisierung gegen den Terror! Die Welt ist in Paris vereint in ihrer Trauer um die jüngsten Opfer islamistischer Gewalt. Die Franzosen flankieren den Protestmarsch mit einer enormen Welle der Solidarität. In ganz Frankreich kommt es zu spontanen Solidaritätskundgebungen. In Brüssel, Berlin, Madrid, London, Ramallah, Beirut und Sydney zieht der Protest gegen den Terror ebenfalls Zehntausende Menschen auf die Straßen. Die Ereignisse des Tages zur Nachlese im Liveblog. Übrigens: Auch unser aktuelles ePaper beschäftigt sich mit dem Thema.

+++Beispiellose Solidarität gegen Terror+++

Bereits Stunden vor dem Marsch gegen den Terror war der Platz der Republik in Paris schwarz vor Menschen. Nach der islamistischen Gewaltserie wollten Hunderttausende ihre Solidarität mit den 17 Opfern demonstrieren. Am Ende kamen in Paris rund zwei Millionen Menschen zusammen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Hass zu setzen. Während es in ganz Frankreich rund drei Millionen Menschen waren, kam von Sydney bis New York überall zu spontanen Solidaritätskundgebungen. An der Spitze des Pariser Marsches liefen rund 50 Regierungschefs. Unter ihnen waren Israels Premier Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas anwesend.

In Berlin haben rund 18.000 Menschen der Opfer gedacht. Sie trafen sich am Sonntag vor der französischen Botschaft in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores zu einer Mahnwache. Auch in anderen deutschen Städten - darunter Frankfurt, München und Mannheim - gab es am Wochenende Solidaritätsbekundungen.

In Hannover versammelten sich rund 300 Franzosen und Deutsche. Etliche hielten - im Gedenken an die getöteten Karikaturisten - Kugelschreiber oder Bleistifte als Zeichen der Pressefreiheit in die Höhe.

Trotz Sturms hielten viele Berliner Demonstranten Schilder mit dem Slogan „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie). Außerdem wurde ein großes Plakat gezeigt, auf dem es hieß: „Berlin ist Charlie“. Die Zahl der Teilnehmer übertraf alle Erwartungen, die Veranstalter hatten mit etwa 6000 Menschen gerechnet.

+++Le Pen fühlte sich bei Gedenkmarsch nicht willkommen+++

Bei der großen Demonstration zum Gedenken an die Anschlagsopfer in Paris fühlte sich Marine Le Pen nicht willkommen - die Chefin der rechtsextremen Front National (FN) hat deswegen in Südfrankreich an einer Versammlung teilgenommen. „Danke, dass ihr hier seid, um an die Werte der Freiheit zu erinnern“, rief Le Pen am Sonntag vom Balkon des Rathauses im südfranzösischen Beaucaire rund tausend Anhängern zu, wie AFP-Journalisten berichteten. „Wir sind hier bei uns“, riefen die Anhänger zurück. Die zwischen Nîmes, Arles und Avignon gelegene 16.000-Einwohner-Stadt Beaucaire wird seit März von einem FN-Politiker regiert. Am Balkon des Rathauses hing ein Banner mit der Aufschrift: „Ich bin Charlie - Würdigung der Opfer des islamistischen Terrorismus.“

+++Hollande tröstet „Charlie Hebdo“-Kolumnisten+++

.Bei dem großen Gedenkmarsch für die Anschlagsopfer in Frankreich hat Präsident François Hollande am Sonntag einen Mann lange in den Armen gehalten und versucht zu trösten: Den Notarzt und Kolumnisten der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, der als einer der ersten am Mittwoch am Anschlagsort in den Redaktionsräumen in Paris war, in denen zehn Menschen von zwei islamistischen Attentätern erschossen wurden. „Ich habe sie nicht retten können...“, hatte Patrick Pelloux danach mit tränenerstickter Stimme berichtet. „Und während wir uns um die Verletzten gekümmert haben, waren sie (die Attentäter) noch dabei, auf Leute in der Straße zu schießen.“ Trotz des schnellen Einsatzes sei die Hilfe für viele zu spät gekommen: „Wir konnten nichts mehr tun, weil sie ihnen in den Kopf geschossen hatten.“

+++Mehr als drei Millionen Menschen in ganz Frankreich+++

Mehr als drei Millionen Menschen haben am Sonntag in zahlreichen französischen Städten an Solidaritätsmärschen für die 17 Opfer der islamistischen Terroranschläge teilgenommen. Allein in Paris schätzen die Organisatoren bis zu 1,5 Millionen Teilnehmer. Das Innenministerium sprach am Sonntag von einer nicht zu kalkulierenden Zahl.

+++Höchste Sicherheitsstufe in Paris+++
Im Großraum Paris galt nach wie vor die höchste Terrorwarnstufe. 5500 Polizisten waren am Sonntag im Einsatz, rund die Hälfte davon zum Schutz des Marsches. Die Polizei ermittelt vor allem, ob die drei Terroristen einem größeren extremistischen Netzwerk angehörten. Zudem sind die Behörden auf der Suche nach der Lebensgefährtin von Coulibaly. Sie soll sich aber bereits Anfang des Jahres in die Türkei und anschließend möglicherweise nach Syrien abgesetzt haben.

+++Politik fordert Absage der Pegida-Montagsdemo+++
Kurz vor der für Montagabend geplanten neuen Demonstration der islamkritischen Pegida-Bewegung in Dresden haben Justizminister Heiko Maas und CSU-Chef Horst Seehofer die Initiatoren aufgefordert, auf die Veranstaltung zu verzichten. „Hätten die Organisatoren einen Rest von Anstand, würden sie diese Demonstrationen einfach absagen“, sagte Maas der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe) vor dem Hintergrund der Anschläge in Frankreich.

+++Begräbnis für jüdische Terror-Opfer in Israel+++
Die jüdischen Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt in Paris sollen in Israel beigesetzt werden. Das gab das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntag bekannt. Die Details müssten noch ausgearbeitet werden. Zuvor hatte der israelische Rundfunk berichtet, dass Joav Hattab (21), dessen Vater ein ranghoher Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Tunesien sei, am Dienstag in Jerusalem beigesetzt werden solle. Auch die Familien der drei weiteren jüdischen Opfer, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada, erwägten demnach eine Beisetzung in Israel.

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