Liveblog zum Nachlesen
Weiteres OSZE-Team in der Ostukraine verschollen

Die Ukraine will ihren „Anti-Terror-Einsatz“ gegen prorussische Separatisten erst dann beenden, wenn die Lage stabil ist. Die OSZE hat den Kontakt zu einem weiteren Beobachterteam verloren. Die Ereignisse im Liveblog.
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In der Ukraine fließt weiter Blut im Kampf um Frieden und Freiheit. Das Land will Warnungen aus Moskau weiter Härte gegen die Separatisten zeigen. Diese berichten von der Freilassung der vier OSZE-Beobachter. Unterdessen ist der Kontakt zu einem weiteren OSZE-Beobachterteam abgerissen. Die Ereignisse im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Ukraine begleicht Teil der Gas-Schulden - Aber noch kein Durchbruch +++

Im Streit über die russischen Gaslieferungen an die Ukraine ist noch keine Einigung erzielt worden. „Wir haben heute noch kein abschließendes Paket, aber weitere Fortschritte erreicht“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) am Freitag nach einem Treffen mit den Energieministern beider Länder in Berlin. Der ukrainische Versorger Naftogas habe aber 786 Millionen US-Dollar zur Begleichung von Gasschulden an Russlands überwiesen, was eine Lösung wahrscheinlicher macht. Russland droht mit einem Lieferstopp bis Dienstag. Das Land fordert insgesamt 5,2 Milliarden US-Dollar. Am Montag sollen die Verhandlungen in Brüssel fortgesetzt werden.

+++OSZE verliert Kontakt zu weiterem Beobachterteam+++
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat nach eigenen Angaben den Kontakt zu einem weiteren Beobachterteam in der Ostukraine verloren. Seit Donnerstagabend habe sie von dem vierköpfigen Team in der Region Lugansk nichts gehört, teilte die OSZE am Freitag auf ihrer Facebook-Seite mit. Auch von den vier Beobachtern eines ersten Teams, die bereits seit Montag in der Ostukraine vermisst werden, fehle weiter jede Spur.


+++Pro-russischer Präsident in Abchasien unter Druck+++

Die unter russischem Schutz stehende abtrünnige georgische Provinz Abchasien wird von einer schweren Regierungskrise erschüttert. Unter Druck steht vor allem der pro-russische Präsident Alexander Ankwab. Nach dreitägigen Unruhen forderte das Parlament des selbsternannten Staates am Donnerstag Ankwabs Rücktritt. Die Proteste richteten sich gegen Korruption und Misswirtschaft, in deren Verlauf Demonstranten den Präsidentensitz stürmten. Im Parlament forderten 20 von 21 anwesenden Abgeordneten den Amtsverzicht Ankwabs, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Ein hochrangiger russischer Politiker signalisierte dagegen, ein Sturz des Präsidenten könnte russische Hilfen in Frage stellen.

+++Ukrainische Regierung vermeldet Erfolge im Kampf gegen Separatisten+++
Die ukrainische Übergangsregierung hat erneut Erfolge im Kampf gegen die prorussischen Separatisten im Osten des Landes vermeldet. Die Regierungstruppen hätten die Milizen "vollständig" aus Teilen der Ostukraine vertrieben, sagte Verteidigungsminister Michail Kowal am Freitag vor Journalisten. Teile der Region Donezk sowie der Norden der Region Lugansk seien unter der Kontrolle der ukrainischen Armee, sagte Kowal. Seinen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Militäroffensive Mitte April mehr als 20 ukrainische Soldaten getötet.

+++Kiew: „Anti-Terror-Einsatz“ gegen Separatisten bis zum Ende+++

Die prowestliche ukrainische Führung will ihren umstrittenen „Anti-Terror-Einsatz“ gegen prorussische Separatisten erst nach einer vollständigen Stabilisierung der Lage beenden. „Wir werden weitermachen, solange die Region nicht normal lebt und arbeitet“, sagte der kommissarische Verteidigungsminister Michail Kowal am Freitag Medien zufolge in Kiew. Ziel der Operation seien die vollständige Befreiung der Ostukraine von den Aufständischen und die Wiederherstellung ukrainischer Strukturen, betonte Kowal. In der russisch geprägten Region kontrollieren schwer bewaffnete Kräfte seit Wochen zahlreiche Städte und Verwaltungsgebäude.

+++Separatisten berichten von Freilassung der vier OSZE-Beobachter+++

Separatisten in der Ostukraine haben nach eigener Darstellung am Freitag vier verschleppte OSZE-Beobachter wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie seien verwarnt worden, sich künftig nicht mehr ohne Voranmeldung auf dem Gebiet der selbst ernannten „Volksrepublik Lugansk“ aufzuhalten, sagte Separatistenführer Alexej Tschmilenko der Agentur Interfax. Eine offizielle Bestätigung von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gab es zunächst nicht.

+++Ukraine will trotz Warnungen aus Moskau weiter Härte zeigen+++

Die ukrainische Regierung will ungeachtet militärischer Rückschläge und massiver Warnungen aus Russland ihre Offensive gegen die Separatisten im Osten des Landes mit aller Härte fortsetzen. "Unsere Aufgabe ist es, Frieden und Ordnung in die Region zu bringen", sagte der Verteidigungsminister Michailo Kowal am Freitag in Kiew. Er warf Russland erneut vor, verdeckte militärische Einsätze auf Seiten der Rebellen zu steuern. Er kündigte an, das ukrainische Militär werde die Einsätze im Grenzgebiet zu Russland fortsetzen, bis dort Normalität eingekehrt sei.

+++Noch Tausende russische Soldaten im Grenzgebiet+++
US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat unterdessen Russland zum Abzug weiterer Soldaten von der Grenze zur Ukraine aufgefordert. Es sei ein vielversprechendes Signal, dass Tausende Soldaten abgerückt seien, sagte Hagel vor Journalisten. „Wir wissen aber auch, dass immer noch Tausende russische Truppen dort sind und bislang nicht bewegt wurden.“ Russland müsse jedoch sämtlich Soldaten abziehen, die entlang der Grenze in den vergangenen Monaten stationiert worden seien.

+++EU-Mitgliedschaft der Ukraine, Georgiens und der Republik Molda?+++

Nach der Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion hat sich EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle langfristig für eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine, Georgiens und der Republik Moldau ausgesprochen. Die europäische Perspektive sei trotz aller Bedingungen, die damit verbunden sind, der beste Anreiz für die nötigen Reformen in den Staaten Osteuropas, sagte Füle der Zeitung „Die Welt“. „Wenn wir ernst damit machen wollen, die Länder in Osteuropa zu transformieren, dann müssen wir auch ernsthaft das mächtigste Instrument, das wir zur Umgestaltung haben, nutzen: die Erweiterung“, sagte Füle.

+++Weltbank in Sorge um Entwicklung in der Ukraine+++
Die weltweiten Nahrungsmittelpreise sind im ersten Quartal 2014 deutlich angestiegen. Im Durchschnitt waren Nahrungsmittel vier Prozent teurer als in den letzten drei Monaten 2013, wie die Weltbank am Donnerstag mitteilte. Es war der erste Anstieg seit dem bisherigen Rekord-Preishoch im Sommer 2012. Weizen verteuerte sich seit Jahresbeginn den Angaben zufolge um 18 Prozent, Mais um zwölf Prozent. Hintergrund sind laut der Weltbank wachsende Sorgen um Wetterextreme wie Dürren, eine gestiegene Nachfrage und auch die Ukraine-Krise.

Die Ukraine ist ein bedeutendes Exportland für Getreide und Mais. Doch die Wirtschaft des Landes leidet zunehmend unter der politischen Instabilität - das zeigt sich auch an den Preisen für Nahrungsmittel: Inländisch angebauter Weizen wurde laut der Weltbank im ersten Quartal um 37 Prozent teurer, beim Mais war der Anstieg mit 73 Prozent noch dramatischer. Als Gründe gab die Weltbank eine Abwertung der ukrainischen Währung, aber auch eine verzögerte Aussaat und steigende Produktionskosten an.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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