Hollande schwärmt von der Kanzlerin

Lob für Merkel in seinem Buch
Hollande schwärmt von der Kanzlerin

In einem Buch des französischen Präsidenten bekommen alle ihr Fett weg – sogar seine eigene Freundin. Damit macht sich Hollande fast unwählbar. Nur für zwei Menschen hegt er Sympathie: Angela Merkel und ihren Mann.

Eine vertrauensvolle Beziehung oder gar Freundschaft mit Angela Merkel wurde François Hollande nicht in die Wahlurne gelegt. Er gewann die Wahl unter anderem durch das Versprechen, gegen Merkel die EU „neu zu orientieren“ und den von der Kanzlerin geprägten EU-Fiskalvertrag zu revidieren. Wenige Monate nach Amtsantritt ließ Hollande eine Resolution der Sozialisten passieren, die forderte, „die Konfrontation mit Merkel“ zu suchen. Das klang wie der Abgesang auf die deutsch-französische Freundschaft.

Das war voreilig, wie man an der guten Zusammenarbeit der beiden Spitzenpolitiker – vor allem in der Ukraine-Krise, aber auch in Sachen Griechenland – gesehen hat. Umso gespannter war man darauf, was Hollande in dem Gesprächsbuch, geschrieben von zwei Journalisten der Zeitung Le Monde, über Merkel sagen würde. Darin watscht der Präsident alle möglichen Persönlichkeiten, selbst ganze Völker, auf eine Art ab, die dem Titel des Buches alle Ehre macht: „Das sollte ein Präsident nicht sagen…“

Richter sind für ihn Vertreter eines „Systems der Feigheit“, Sarkozy bewundert er sarkastisch „für seine Vulgarität“, über Giscard d’Estaing offenbart er, dass der ihn bat, die Kanzlerin von den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie auszuschließen. Putin schildert er als misstrauisch und hochfahrend, Barack Obama als jemanden, „der lange braucht, um sich zu entscheiden.“ Die Griechen seien „kollektiv dafür verantwortlich“, dass sie „verantwortungslos gehandelt“ hätten. Über den amtierenden Premier Tsipras sagt er gar, der habe aus dem Euro ausscheiden wollen – eine Behauptung, die in Athen zu einer kleinen Krise geführt hat.

Indiskreter hat sich noch kein führender Politiker über seine Kollegen geäußert. Erst recht nicht, wenn er noch im Amt ist. Nicht nur erstaunlich, sondern peinlich ist, wie detailliert er sich über seine Beziehung zu Julie Gayet äußert. „Es gibt keine Fotos von ihr mit mir im Elysée“, sagt er. (Was nicht einmal stimmt, es gab welche.) Er sehe sie oft, aber nicht so oft, wie es beiden lieb wäre. Denn er habe sich dagegen entschieden, ihr eine Rolle als offizielle Lebensgefährtin des Präsidenten zu geben, wie Valérie Trierweiler es war. Dabei wolle Gayet diese Rolle: „Sie brennt darauf, aber das kommt nicht in Frage.“

Sollte er wiedergewählt werden, müsse sie noch mal fünf Jahre im Schatten warten. Denn alles andere würde ihm angekreidet als Versuch, die Öffentlichkeit mit einer privaten Geschichte zu beeinflussen. Umständlich erklärt er den Journalisten, wie er die Beziehung sieht. Auf die Frage, ob es gerechtfertigt sei, Gayet als seine Partnerin anzusehen, antwortet er: „Ja, das ist es. Aber es bleibt (in der Öffentlichkeit) eine vermutete Beziehung, und ich sorge dafür, dass es dabei bleibt.“ Verdrehter geht es kaum.

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„Sie ist nicht so, wie es behauptet wird.“

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