Lob für Merkel in seinem Buch: „Sie ist nicht so, wie es behauptet wird.“

Lob für Merkel in seinem Buch
Hollande schwärmt von der Kanzlerin

„Sie ist nicht so, wie es behauptet wird.“

Zum Ende seiner Präsidentschaft hat Hollande sich mit diesem Werk wohl die letzte Chance auf Wiederwahl genommen. Bleibt die Frage, ob er auch Merkel so abfertigt, wie andere Persönlichkeiten? Das ist die große Überraschung: überhaupt nicht. Zur Kanzlerin kommt ihm kein gehässiges Wort über die Lippen. „Sie ist nicht so, wie es behauptet wird.“ entkräftet Hollande landläufige Vorurteile. „Sie ist nicht autoritär, nicht herabsetzend und nicht distanziert.“

Der Umgang mit ihr sei „einfach, weil sie nicht versucht, ihre Absichten zu tarnen.“ Die Kanzlerin sei vielmehr „seriös, intelligent, darauf bedacht, eine Balance zu finden, die aber möglichst nahe an ihrem Standpunkt liegen soll.“ Politisch stehe sie dem Konservativen Sarkozy näher, doch „dessen Härte und Brutalität hat sie stets verletzt.“ Er selber und sie, sagt Hollande, hätten zusammengefunden. Nicht, „weil wir einen Pakt geschlossen hätten“, sondern weil sie im Interesse Europas handelten: „Wir brauchen einander.“

Hollande, der abgebrühte Politiker, wird ausgerechnet bei Merkel, die in Frankreich als „Madame Non“ oder „Mutter der Austerität“ verschrien ist, weich. Hoch rechnet er ihr eine Geste an: Den Moment, in dem sie zwei Tage nach dem Anschlag vom 13. November in Paris ihren Kopf an seine Schulter legt. „Das war eine sehr weibliche, sehr persönliche Geste, das war heikel und hätte leicht missverstanden werden können“, sagt der Präsident. Merkel hätte das nicht machen müssen, stellt er fast gerührt fest. Normal wäre eine Umarmung gewesen, ein Kuss, „aber wie banal ist ein Kuss“, philosophiert der Präsident. Merkels Kopf an seiner Schulter, das sei dagegen ein Ausdruck von Vertrauen gewesen. „Das hat mich berührt“.

Bei so viel Positivem wundert es nicht mehr, dass Hollande auch Merkels Gatten eine angenehme Seite abgewinnt. An Professor Sauer beeindruckt ihn, dass er so gut wie unsichtbar sei. „So muss es sein“, überlegt der Präsident. Gattin oder Gatte eines Spitzenpolitikers sollten in der Öffentlichkeit keine Rolle spielen. Eine Regel, an die er sich selber nicht gehalten hat.

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Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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