Lob für Trichets Krisenpolitik
„Nur die EZB kann den Euro retten“

Trichets Amtszeit läuft aus: Finanzkrise, Rezession und Staatsschuldenkrisen haben den scheidenden EZB-Chef in Atem gehalten. Und zu Tabubrüchen gezwungen. Das habe aber die Politik zu verantworten, sagen Ökonomen.
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DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben das Euro-Krisenmanagement des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, gelobt und zugleich die Hoffnung geäußert, dass sein Nachfolger Mario Draghi diesen Kurs fortsetzt. „Der scheidende EZB-Präsident  hat das Richtige zur Rettung des Euro getan“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Letztendlich kann nur die EZB die Währung retten.“

Solange die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone der Auffassung seien, kein Mitgliedsland der Währungsunion pleite gehen zu lassen, müsse die EZB zur Not dessen Anleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen, sagte Horn weiter. Denn laut dem Maastrichter Vertrag sei die EZB verpflichtet, in Einklang mit den Grundsätzen der Wirtschaftspolitik zu handeln solange die Preisstabilität nicht gefährdet ist. „Dies war nicht der Fall; folglich hat der EZB-Präsident kein Tabu gebrochen, sondern sich schlicht pflichtgerecht verhalten“, betonte der IMK-Chef. Von seinem Nachfolger Draghi sei zu erwarten, dass er diese Politik fortsetzt.

Europas oberster Währungshüter Jean-Claude Trichet gibt sein Amt an der Spitze der Europäischen Zentralbank zum Monatsende turnusgemäß ab. Mitten in der Staatsschuldenkrise, die die Europäische Union in den Grundfesten erschüttert und Zweifeln an der Zukunft des Euro Nahrung gibt, leitet der 68-jährige „Monsieur Euro“ am heutigen Donnerstag seine letzte Ratssitzung.

Für den Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, wird Trichet als „wahrer Europäer“ an der Spitze der EZB in die Geschichtsbücher eingehen. „Allerdings haben europäisch gesinnte Geldpolitiker gegenwärtig einen schweren Stand in einem Europa, das eben politisch nicht geeint ist“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Die europäischen Realitäten haben Trichet das Notenbankleben schwer gemacht, in dem er aber auch viele Erfolge verbuchen konnte, so um die Preisstabilität oder um die Bewältigung der Finanzkrise.“ Draghi werde einen „pragmatischen Krisenkurs“ steuern, ist sich Kater sicher. Er werde „die EZB dort ins Spiel bringen, wo sie Finanzstabilität erhalten muss, sie aber insgesamt so weit wie möglich von der Finanzpolitik fern halten“.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, kritisierte, dass EZB-Präsident Trichet mit den Anleihekäufen das Heft des Handelns in die Hand und damit den Druck auf die Politik genommen habe, selbst aktiv zu werden. „Würde die EZB keine Anleihen der strauchelnden Peripherieländer aufkaufen, hätten die Finanzminister ihren Rettungsfonds schon längst in die Lage versetzt, diese Anleihen selbst zu kaufen“, sagte Krämer Handelsblatt Online. „Es wird Draghis Aufgabe sein, den Deutschen nach den Rücktritten von Weber und Stark wieder das Gefühl zu vermitteln, dass die EZB auch ihre Zentralbank ist.“

Kommentare zu " Lob für Trichets Krisenpolitik: „Nur die EZB kann den Euro retten“"

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  • Der Euro war eine Erfindung der Politik,genauso wie die Maßnahme Griechenland und andere "PIIGS" dazuzuholen,obwohl deren Wettbewerbsfähigkeit bekanntermassen nicht gut war.Das vergessen heutzutage einige Verantwortliche in den Gremien der EU und verlangen lieber den Schuldenschnitt auf Kosten der Banken und Versicherungen,die so blöd waren deren Versprechungen eines starken Europa und eines starken Euro zu vertrauen,der Kauf von Staatsanleihen gehört dazu.

  • Die EZB kann den Euro retten wie 1923/24 die Deutsche Reichsbank die Deutsche Reichsmark. Womöglich kann die EZB aber noch ein bisschen mehr rumlaborieren. Das Endergebnis steht schon fest, auch wenn es die Eurotiker nicht verstehen (wollen), weil der Euro ja ein "politisches Projekt" ist: Der Euro führt zu größten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Katastrophe in Deutschland seit 1945.
    Ich bin schon auf die langen Gesichter der Eurotiker gespannt, wenn selbst diese Gestrigen und Langsamen die Dinge nicht mehr - ohne psychiatrisch noch auffälliger zu werden - verleugnen können...

  • Eine Währung die gerettet werden muss ist keine Währung!

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