0 Bewertungen
15.11.2007 
Atomkonflikt

Lob und Rüffel für Teheran

Die Atomaufsichtsbehörde IAEA bescheinigt dem Iran Fortschritte bei der Zusammenarbeit. Allerdings bemängeln die Kontrolleure fehlende Initiative. Der neue Bericht droht zudem die Spaltung zwischen den westlichen Staaten und den iranischen Verbündeten China und Russland zu vertiefen.

HB WIEN. Der Iran habe an der Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde zwar mitgearbeitet, sich dabei aber auf Reaktionen beschränkt, anstatt eine aktive Haltung einzunehmen, hieß es in dem am Donnerstag in Wien veröffentlichten Papier für den Uno-Sicherheitsrat. Während die USA und Großbritannien ihre Forderung nach schärferen Sanktionen bekräftigten, sah sich der Iran entlastet.

Nach den Erkenntnissen der Uno-Behörde hat die Islamische Republik zudem den internationalen Forderungen zum Trotz seine Urananreicherung in Natans erheblich ausgebaut. Dort seien inzwischen 3000 Zentrifugen in Betrieb, um den atomaren Brennstoff anzureichern, hieß es in dem Bericht. Der Stopp der Produktion ist eine Hauptforderung des Sicherheitsrats, weil die Technik für den Bau von Atomwaffen genutzt werden kann. Der Iran hat den Verdacht zurückgewiesen, an Nuklearwaffen zu arbeiten, und das Programm mit seinem Energiebedarf begründet.

Die IAEA kommt zu dem Ergebnis, dass die Regierung in Teheran große Anstrengungen unternommen habe, ihr Atomprogramm wie gefordert transparenter zu machen. Nach Jahren des Mauerns habe das Land viele Unterlagen freigegeben und die Befragung wichtiger Experten des Nuklearprogramms erlaubt. Auch die Erkenntnisse zur Entwicklung der Zentrifugen stimmten mit den bisherigen Angaben des Landes überein. Wichtige Fragen seien jedoch noch immer offen, betonte die Behörde. Zudem mahnte sie eine aktive Kooperation und volle Transparenz als unverzichtbare Voraussetzungen für das weitere Vorgehen an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: USA sind nicht zufrieden

Die USA warfen dem Iran vor, die Forderungen der internationalen Gemeinschaft weiter zu missachten. Die Regierung in Teheran gebe ihre Antworten auf die Fragen zu ihrem Atomprogramm nach wie vor nur unvollständig, sagte Sean McCormack, Sprecher des US-Außenministeriums. Auch Großbritannien forderte den Iran auf, alle offenen Fragen rückhaltlos zu beantworten. Dies sei die Voraussetzung dafür, internationales Vertrauen zurückzugewinnen, erklärte das Außenministerium in London.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad betonte dagegen, der Bericht zeige, dass sein Land immer die Wahrheit über sein Atomprogramm gesagt habe. Die Welt werde erkennen, dass der Widerstand der iranischen Nationen gegen die internationalen Forderungen richtig gewesen sei. „Der Bericht sagt klar, dass die meisten Probleme beseitigt sind“, sagte auch Said Dschalili, der jüngst ernannte neue Chefunterhändler. Es gebe keine legale Grundlage für eine weitere Behandlung des Falls im Uno-Sicherheitsrat, erklärte Mohammed Saidi, Vize-Direktor der Iranischen Atomenergieorganisation.

Die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrats und Deutschland wollen in den kommenden Wochen über ihr weiteres Vorgehen in dem Konflikt beraten. Wie Großbritannien drängen auch die USA und Frankreich auf erneute Sanktionen, um den Iran zum Einlenken zu bringen. China und Russland lehnen dies ab.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Barak Obama und John McCain – diese Namen kennt mittlerweile jeder. Kein Wunder, denn nie war der Rummel um die US-Präsidentschaftswahl größer. Doch wissen Sie eigentlich, wer sich neben Obama und McCain noch um das höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt? Bildergalerie 

  • Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahl...

    Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahlen

    Die Wahl des Kandidaten der Partei Die Linke, Peter Sodann, zum dreizehnten Bundespräsidenten ist unwahrscheinlich. Auch in der Vergangenheit gab es wenig aussichtsreiche Kandidaturen. Die Liste der Verlierer ist lang und beinhaltet namhafte Persönlichkeiten. Doch eini...Bildergalerie 

  • So will Deutschland die Banken retten

    So will Deutschland die Banken retten

    Eine Katastrophennachricht jagt die nächste und auch den Politikern in Deutschland ist inzwischen klar geworden, dass Versprechungen allein die Finanzkrise nicht aufhalten können. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss das Bundeskabinett, der Finanzbranche mit fast e...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Im Auge des Hurrikans 

15.10.2008Global Reporting

Schon gerettet? Nicht alle glauben daran. Wir seien erst im Auge des Hurrikans, schrieb am Montag angesichts des Börsenfeuerwerks ein Kolumnist auf dem griechischen Wirtschafts-Portal reporter.gr – der Skeptiker dürfte Recht behalten. Inzwischen zeigt sich: das Feuerwerk war ein Strohfeuer. Blog


weiterMadagaskar

Vorbild für alle Blogger 

14.10.2008Madagaskar

Paul Krugman ist nicht nur der fundierteste Bush-Kritiker überhaupt und Nobelpreis-gekrönter Ökonom, sondern auch ein Blogger. Und ein bescheidener noch dazu - was eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Blog