Lobbyist Jack Abramoff
Bushs Republikaner fürchten Enthüllungen

Nachdem sich der einflussreiche Lobbyist Jack Abramoff der Verschwörung und des Betrugs schuldig bekannt hat, geht im US-Kongress die Angst um: Welche Namen wird Abramoff nennen? Derweil entsteht eine Debatte über die "Kultur der Korruption".

WASHINGTON. Nachdem sich der einflussreiche Lobbyist Jack Abramoff der Verschwörung, des Betrugs und der Steuerhinterziehung schuldig bekannt hat, geht im US-Kongress die Angst um: Welche Namen wird Abramoff nennen, welche Details aus der Washingtoner Gefälligkeitspolitik könnten für Knalleffekte sorgen? Der 46-Jährige hatte vor einem Bundesgericht in der US-Hauptstadt angekündigt, seine Kontakte zu etwa 20 Parlamentariern und deren Mitarbeitern sowie verschiedenen Regierungsbeamten offen zu legen. „Der Korruptionsplan bei Herrn Abramoff ist sehr extensiv, und wir werden ihn weiterhin untersuchen, wo immer er auch hinführt“, sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Alice Fisher.

Da Abramoff vorwiegend mit republikanischen Abgeordneten und Senatoren zu tun hatte, dürfte der innenpolitisch bereits schwer gebeutelte Präsident George W. Bush bald ein zusätzliches Problem haben. Elf Monate vor den Kongresswahlen stehen die Aktien für die Regierungspartei ohnehin schlecht. Die oppositionellen Demokraten erhoffen sich durch den Abramoff-Skandal zusätzliche Munition für ihren Generalvorwurf, die Administration habe eine „Kultur der Korruption“ geschaffen. Vorsichtshalber zog das Weiße Haus gestern die Notbremse: 6000 Dollar, die aus Abramoffs Schatulle 2004 in die Wiederwahl des Präsidenten geflossen waren, sollen nun an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet werden. In den vergangenen Wochen hatten einige Abgeordnete bereits mehr als 200 000 Dollar an den Lobbyisten zurückgezahlt, um nicht in den Geruch der Bestechung zu kommen.

Abramoff beherrschte wie kaum ein anderer die Klaviatur pekuniärer Reize im Zentrum der Macht. Spitzenpolitiker versuchte er durch teure Golfausflüge, Tickets für Sportveranstaltungen und Besuche in noblen Restaurants gewogen zu machen. Bezahlt wurden die „Bonbons“ hauptsächlich von seinen Klienten: Unternehmen oder Indianer, die in ihren Reservaten Spielcasinos planten. Nach Angaben des Center for Responsive Politics, eines unabhängigen Forschungsinstituts in Washington, machte Abramoff seit 1999 mehr als 4,4 Mill. Dollar für Wahlkampfspenden locker.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob sich Abramoff zum Ex-Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, äußert. Gegen den engen Bush-Vertrauten läuft bereits ein Verfahren wegen des Verdachts auf illegale Wahlkampffinanzierung. Für Abramoff war der 58-jährige Texaner ein wichtiger Verbündeter in der Gesetzesmaschinerie des Kongresses. So ließ er der Frau von DeLays früherem Vize-Stabschef Tony Rudy laut Gerichtsdokumenten 50 000 Dollar überweisen. Als Gegenleistung half Rudy, Vorschriften für Internet-Casinos abzuschmettern.

Seite 1:

Bushs Republikaner fürchten Enthüllungen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%