Wie wahr. Die Nachricht von der Steuerrazzia in Zumwinkels Privathaus und in seinem Büro hat in dem Fürstentum tatsächlich mit der Wucht einer Bombe eingeschlagen. „Es ist für mich wie ein Vulkanausbruch“, sagt Michael Lauber.
Der agile Mann mit den lebhaften dunklen Augen war einst Richter in Bern, später oberster Bekämpfer der organisierten Kriminalität in der Schweiz und ist heute Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes. Vom Geldwäschespezialisten zum Bankenverbandschef – Lauber hätte nicht diese Karriere gemacht, wenn mit Liechtensteins Finanzplatz alles zum Besten stünde. Als Jurist trägt Lauber die Fakten sachlich zusammen. Als Kriminalist schüttelt er den Kopf und fragt sich: „Wem nützt das?“ Wer hat den neuen Skandal ins Rollen gebraucht?
Zu den Fakten gehört zum Beispiel der Fall der LGT. Deren Grundstock bildet das Vermögen des Fürstenhauses. So weit, so einfach. Jetzt die komplizierten Fakten: Die gesamte Konstruktion der Bank ist so verwinkelt, sie zu erklären lässt selbst Spezialisten wie Lauber regelmäßig die Haare zu Berge stehen.
Motto: „Investieren wie der Fürst“
Die Bank mit dem Motto „Investieren wie der Fürst“ war einst an der Börse, zog sich dann wieder aus dem allzu grellen Scheinwerferlicht zurück, das auf dem Parkett herrscht. Seither verwaltet sie das Geld des europäischen Adels. Knapp 100 Millionen Euro betrug der Gewinn in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007. Experten kürten die Vermögensverwalter der Bank mit einer der höchsten Auszeichnungen, die sie zu vergeben hatten.
Anfang nächsten Monats wollte LGT-Chef Seine Durchlaucht Prinz Max von und zu Liechtenstein zusammen mit dem Jahresergebnis bekanntgeben, dass die internationale Finanzkrise der Bank nicht viel anhaben konnte. Am Freitag dann musste der Krisenstab einsehen, dass eine nationale Krise die Bank allerdings viel mehr in Bedrängnis bringen könnte.
Bei der für die Errichtung von Stiftungen zuständigen LGT-Tochter sind Daten geklaut worden. Den Dieb, einen gefeuerten Mitarbeiter, hatte man erwischt und die Sache eigentlich für erledigt gehalten – bis Mitte vergangenen Jahres Hinweise auftauchten, dass doch Kundendaten in unbefugte Hände geraten waren.
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