Lockere Grenzwerte
Regierung und Autoindustrie loben entschärften Klimaschutz

Die Klimaschutzauflagen für Neuwagen fallen deutlich industriefreundlicher aus, als bisher geplant. Mit einer längeren Übergangsfrist und lockeren Grenzwerten will die EU den Autoherstellern entgegen gekommen. Das Ergebnis sei eine "Niederlage für den Klimaschutz", sagen Kritiker.

BRÜSSEL. Die Bundesregierung und die deutsche Autoindustrie haben den Kompromiss der Europäischen Union über die Klimaschutzauflagen für Neuwagen ab 2012 begrüßt. Er gewährt den Automobilherstellern eine dreijährige Übergangsfrist und reduziert die ursprünglich geplanten Strafen bei einem Verstoß gegen die Auflagen.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verteidigte die beschlossenen Grenzwerte für das Klimagift Kohlendioxid, die gegenüber den Plänen der EU-Kommission stark abgeschwächt wurden. Für das Weltklima sei es nicht entscheidend, ob die Autoindustrie im Jahr 2012 hundert Prozent der Klimaauflagen einhalte oder erst 65 Prozent, sagte Gabriel. Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, nannte die Grenzwerte eine große Herausforderung, die die deutschen Hersteller aber meistern könnten.

Die französische EU-Präsidentschaft und Unterhändler des Europaparlaments hatten sich am Montagabend auf die Details des seit Monaten umstrittenen Gesetzesvorhabens geeinigt. Demnach müssen in der EU zugelassene Neuwagen erst 2015 den Grenzwert von durchschnittlich 120 Gramm CO2 pro Kilometer voll erreichen. 2012 müssen zunächst 65 Prozent der Neuwagenflotte jedes Herstellers die vorgegebenen Emissionslimits erfüllen. 2013 steigt die Quote auf drei Viertel, 2014 dann auf 80 Prozent. Für große Fahrzeuge gelten dabei höhere Grenzwerte als für Kleinwagen.

Zurzeit liegen die durchschnittlichen Emissionen bei knapp 160 Gramm CO2 pro Kilometer. Das Erreichen des Klimaziels wird den Autokonzernen allerdings dadurch erleichtert, dass bis zu 17 Gramm CO2 nicht durch emissionsärmere Motoren, sondern den stärkeren Einsatz von Biosprit und den Einbau klimafreundlicher Elektronik eingespart werden dürfen. Die deutschen Hersteller BMW, Daimler, Audi und VW hatten massiv gegen die ursprünglich von der EU-Kommission geplanten strengeren Grenzwerte protestiert. Sie sahen sich wegen der hohen Emissionen ihrer Premium-Modelle gegenüber den französischen und italienischen Konkurrenten benachteiligt, die überwiegend kleine und damit klimafreundlichere Autos bauen.

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