Lohnsteigerungen und eine schnell wachsende Bevölkerung machen die Region zum Absatzmarkt der Zukunft
Eine Konsumwelle rollt auf Asien zu

Deutsche Einzelhandelsmanager müssen Joseph Lau beneiden: Während sie der Konsumflaute derzeit nur mit Preisstürzen trotzen können, reißen die Kunden Lau Klippan-Sofas und Billy-Regale auch ohne Sonderaktionen aus der Hand. Der quirlige Malaysier leitet den größten Ikea-Laden in Asien: Auf 36 000 Quadratmetern verkauft er in Kuala Lumpur westlichen Einrichtungsstil von der Stange.

KUALA LUMPUR. Anders als Manager in Europa ringt Lau nicht mit gesättigten Märkten, Überalterung, hoher Langzeitarbeitslosigkeit und Konjunkturflaute. Jedes Wochenende quetschen sich kauflustige Massen durch den blauen Wellblech-Kubus in einem Vorort Kuala Lumpurs.

„Asiens Mittelschichten wachsen schnell“, sagt Lau, „ihre Ansprüche steigen, Kunden eifern westlicher Lebensart nach – und lassen dafür Geld springen.“ Eine blutjunge Bevölkerung, steigende Einkommen und ungesättigte Märkte machen Asien nicht nur für Ikea wichtig. Siemens setzt für die Wende im angeschlagenen Handygeschäft stark auf die Region, Autobauer von Daimler- Chrysler bis Volkswagen sehen diese als Schlüssel zum Erfolg (siehe nebenstehenden Artikel). „Westliche Konzerne wissen, dass sie ihr Heil langfristig nicht von überschuldeten Amerikanern erhoffen dürfen“, erläutert Peter Snell, Chairman des Marktforschungsinstituts Synovate.

Der Fokus liegt vor allem auf China. Egal ob Brauereiriesen wie Anheuser-Busch oder Luxuskonzerne wie Louis Vuitton: Jeder will von dem rasant wachsenden Markt eine Scheibe abbekommen. „Viele Firmen sehen China als Lösung für all ihre Probleme“, weiß Snell. Doch der Marketing-Experte warnt gleichzeitig vor blindem China-Optimismus. Neuerdings beäugen westliche Manager auch einen zweiten potenziell riesigen Markt: „Im nächsten Schritt kommt Indien an die Rei-he“, glaubt Snell. Er sieht das Land als „kritischen Zukunftsmarkt“. Um selbst einen Fuß in die Tür zu bekommen, hat Synovate dort gerade eine Tochter gekauft. Merrill Lynch prophezeit, dass die realen Löhne in Indien bis 2008 um 9,5 Prozent pro Jahr steigen und sich der private Verbrauch verdoppelt. In dem Land ist auch ein für Asien neues Phänomen besonders ausgeprägt, das den Konsum in der ganzen Region treibt: Immer mehr Inder kaufen auf Pump, das Volumen der Konsumentenkredite wächst um 30 Prozent pro Jahr.

In Gurgaon ist das Überschwappen der Konsumwelle auf den Subkontinent mit Händen zu greifen. In der im Süden Delhis aus der Steppe gestampften Retortenstadt kapseln sich bereits 800 000 Inder vom armen, staubigen Rest des Landes in eine heile Mittelschicht-Welt ab. Täglich ziehen 200 neue Familien ein. Das urbanistische Chaos atmet Energie und Aufbruch. Outsourcing-Aktivitäten bei Konzernen wie GE Capital oder Siemens bieten hoch bezahlte Jobs.

Rasche Urbanisierung macht Asien nicht nur in Indien und China als Absatzmarkt interessant. Auch in Ländern wie Thailand und Malaysia wird wieder hektisch gebaut. „Im Umkreis von 30 Minuten um unseren Ikea-Laden soll die Bevölkerung in den kommenden zehn Jahren um eine Million wachsen“, sagt Joseph Lau in Kuala Lumpur. Das zieht weitere Investoren an: Direkt neben Ikea entsteht eine auf Mode spezialisierte Mall. Einen Steinwurf weiter trocknet der Putz an einem Tesco-Supermarkt.

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