London-Anschlag
Der Mann, der die Moschee nicht mehr betreten sollte

Zwei Tage nach der Terrorattacke von London nennt die britische Polizei die Namen der drei mutmaßlichen Täter. Die Informationen der Ermittler bringen Premierministerin Theresa May in Erklärungsnot.
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LondonEr wiederholte immer wieder diesen einen Satz: „Nur Gott hat das Sagen.“ So soll Khuram Shazad Butt regelmäßig Predigten eines moderaten Imam in einer Moschee im Osten Londons unterbrochen haben. Man habe Butt daher aus der Gemeinde ausgeschlossen und ihm nahegelegt, die Moschee nicht mehr zu betreten, berichten britische Medien.

Der 27-Jährige war einer der drei mutmaßlichen Attentäter, die in der Nacht zu Sonntag den Anschlag in London verübt haben sollen, das gab die britische Polizei am Montagabend bekannt. Den Namen des dritten Täters veröffentlichten die Behörden am Dienstag. Es soll sich um den 22-Jährigen Youssef Zaghba handeln. Der aus dem Osten Londons stammende italienischer Staatsbürger habe marokkanische Wurzeln.

Besonders Khuram Shazad Butt beschäftigt die britische Öffentlichkeit, nachdem die Polizei einräumen musste, dass er den Sicherheitsbehörden bereits bekannt war. Er war den Menschen in einer Umgebung nicht nur mit seinen Zwischenrufen in der Moschee als radikal aufgefallen, sie haben ihre Beobachtungen und Sorgen Medienberichten zufolge auch an Sicherheitsbehörden weitergegeben.

Diese müssen sich jetzt verteidigen, warum sie sich Butt zwar vor zwei Jahren schon genauer angeschaut haben, er zuletzt offenbar aber vom Radar des Inlandsgeheimdienst und der Antiterroreinheit verschwunden war. Es habe keine Informationen gegeben, die auf einen Anschlag hingedeutet hätten, sagte Mark Rowley, Leiter der Antiterroreinheit bei der Londoner Polizei, und weiter: Er habe bisher nichts gesehen, dass darauf hingedeutet hätte, dass in dieser Angelegenheit eine falsche Entscheidung getroffen worden wäre.

Am Dienstag nahm die Polizei in Pakistan Verwandte Butts ins Visier. Dutzende Sicherheitskräfte in zivil durchsuchten einem Bericht der Zeitung „The Telegraph“ zufolge ein Restaurant, das einem Verwandten von Khuram Butt gehört. Der Einsatz erfolgte in der Stadt Jhelam, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Offizieller, der namentlich nicht genannt wurde, dem Blatt.

Zwar gingen die britischen Sicherheitsbehörden davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter sich in Großbritannien radikalisiert habe. „Aber wir durchsuchen die Häuser aller Verwandten und verfolgen alle Telefonanrufe, die von Familienmitgliedern gemacht wurden“, sagte der Sicherheitsbeamte. Die pakistanischen Behörden gingen davon aus, dass Butt in Syrien als Attentäter ausgebildet wurde, sagte er. Butt war 1990 in Pakistan geboren worden und als Kind mit seinen Eltern nach Großbritannien gekommen.

Butt war bereits in einer Anfang 2016 ausgestrahlten Fernsehdokumentation „The Jihadis Next Door“ zu sehen, wie er eine Flagge einer Terrororganisation in einem Londoner Park entrollt. Ein Mann, der Butt kannte, soll die Antiterror-Hotline der Polizei verständigt und den Behörden gesagt haben, dass sich dieser radikalisiert haben soll. „Ich hab meinen Teil getan“, sagte der Mann einer britischen Zeitung. Die Sicherheitsbehörden hätten dagegen nichts unternommen, so sein Vorwurf.

Butt hatte aus seinen radikalen Ansichten auch kein Geheimnis gemacht. In einer Moschee in Barking, im Osten Londons, hat er angeblich gegen die britischen Parlamentswahlen gewettert. Die Teilnahme an diesem demokratischen Prozess sei „unislamisch“, soll er gesagt haben.

Wenige Tage vor dem Anschlag habe er eine Grillparty veranstaltet, berichten Nachbarn. Einer von ihnen sagte, dies habe ihn an eine Art Abschiedsparty erinnert. Nach Informationen des „Evening Standard“ soll die Polizei im vergangenen Monat Gespräche von IS-Sympathisanten in Barking aufgezeichnet haben, die angeblich über eine mögliche Attacke mit einem Minibus und mit Messern gesprochen haben sollen.

Nach Angaben einiger von Butts Nachbarn, die mit dem „Guardian“ gesprochen haben, war Butt ein „freundlicher, geselliger“ Mann, der gelegentlich Tischtennis oder Fußball mit Bekannten gespielt habe. Eine andere Sache hat eine Nachbarin aber offenbar beunruhigt: Er habe viel Zeit mit Kindern und Teenagern verbracht. Und einmal sei einer ihrer Söhne nach Hause gekommen und habe gesagt: „Mutti, ich will Moslem werden“, erzählte Erica Gasparri dem „Guardian“. Sie habe Butt daraufhin zur Rede gestellt.

All diese Informationen über einen der mutmaßlichen Täter könnten jetzt den Druck auf Premierministerin Theresa May erhöhen. Sie war vor ihrem Einzug in die Downing Street Innenministerin und damit für den Sicherheitsapparat verantwortlich. In dieser Zeit gab es massive Stellenkürzungen bei der Polizei. Angesichts ihrer Bilanz als Innenministerin sei sie als Premierministerin eigentlich nicht wählbar und komme für das Amt nicht in Frage, sagte Labour-Chef Jeremy Corbyn bereits Anfang dieser Woche.

May verteidigte sich und griff wiederum Corbyn an: Angesichts seiner Vergangenheit sei er als Regierungschef ungeeignet, denn er habe in der Vergangenheit unter anderem mit der nordirischen Terrorgruppe IRA sympathisiert. May ist bereits in den vergangenen Wochen massiv in die Defensive geraten. Wegen umstrittener Reformvorschläge in ihrem Wahlprogramm, hat sie in Meinungsumfragen ihren ursprünglich komfortablen Vorsprung gegenüber Corbyn eingebüßt.

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  • @ Frau Annette Bollmohr

    Ein Schweizer Modell in Sachen Volksabstimmung würde ich in der Tat mehr als begrüßen.

    Nur – das werden unsere „Elite-Politiker“ und die Systemparteien nie freiwillig ermöglichen. Und wenn doch, dann nur zu Themen, die so lächerlich eindeutig und uninteressant sind, dass ich zumindest darauf verzichten kann.

    Daneben ignorieren Sie die Macht der 4. Gewalt – nämlich die systemhörigen Medien; allen voran der ÖR, die seit Jahren massivste Gehirnwäsche betreiben und auch in Zukunft die breite öffentliche Meinung, von denen sich wiederum unsere ganz speziellen Machtpolitiker in ihrem irrealen Handeln abhängig machen.

    Kurzum – statt Wunschdenken halte ich es lieber mit der Kenntnisnahme der leider sehr bitteren Realität, nach welcher es in Scharen verblödeter Wähler sind, die das bestehende Machtkartell weiter zur Macht verhelfen.

    Als Realist halte ich mich natürlich vor allem an Fakten. Das bedeutet im Vergleich zu GB oder Frankreich, die ihre jetzigen Probleme aus der Blütezeit ihrer Kolonialherrschaft geschaffen haben, dass wir uns die gleichen Probleme o h n e Kolonialherrschaft leichtfertig ins Land geholt haben, mit dem weiteren Problem, dass unsere Politiker und Behörden dazu noch ungleich unfähiger sind, das zu erkennen und dem vorzubeugen.

    In der nächsten Wirtschaftskrise werden diese willkommenen „Neubürger“ (die ja ein unerschlossenes Wählerpotential für die eine oder andere Systempartei darstellen) ausgegrenzter denn je sein und unsere No-Go-Areas werden sich mehren und neue „Blütezeiten“ erleben.

    Darüber sollten Sie mal nachdenken. Vermutlich werden die meisten erst dann darüber nachdenken, wenn die wirtschaftlich so heile Welt in Deutschland urplötzlich in der kommenden Realität ankommt.

    Es treibt mich zwar kein Hass bei meinen Kommentaren an, aber oft und eigentlich viel zu oft ist es die reine kalte Wut, die ein Ventil braucht.

  • Korrektur:

    ... das Entscheidungsgewalt u n d Verantwortung für getroffene Entscheidungen von den Politikern weg auf die einzelnern Bürger überträgt?!

    Die (die Bürger) sind nämlich in ihrer großen Mehrheit ganz sicher nicht nur n i c h t "in Scharen verblödet", sondern haben auch in der Regel eine weit positivere - und damit absolut realistische - Grundeinstellung zu ihren Mitmenschen und ...

  • Herr Peer Kabus, 06.06.2017, 16:20 Uhr

    Was glauben Sie wohl, warum ich hier ständig ein zeitgemäßes (d.h., IT-gestütztes) Demokratiemodell fordere, dass Entscheidungsgewalt u n d Verantwortung von den Politikern weg auf die einzelnern Bürger überträgt?!

    Die sind nämlich in ihrer großen Mehrheit ganz sicher nicht nur n i c h t "in Scharen verblödet", sondern haben auch in der Regel eine weit positivere - und damit absolut realistisches - Grundeinstellung zu ihren Mitmenschen und sind damit offen für wirklich weiterführende Ideen unter ihnen.

    Im Gegensatz zu den leider weit überproportional häufig von Hassgefühlen getriebenen Kommentatoren (aus welchen Gründen sie das sind, wär' a l l e r d i n g s 'ne gute Frage) hier und in anderen Foren, die offenbar immer noch auf irgendeinen großen "Heilsbringer" innerhalb unseres obsoleten (= aus der Zeit gefallenen) Politsystems hoffen.

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