London beendet Propagandaschlacht gegen den Iran
„Schäbige Plaudergeschichten“

Für angeblich 150 000 Euro erzählte die britische Iran-Geisel Faye Turney am Montag in der „Sun“, wie es in iranischer Geiselhaft wirklich zuging – und leistete dem britischen Verteidigungsministerium damit offenbar einen wichtigen Propagandadienst. Damit ist es jetzt vorbei.

LONDON. Mit ihrem „Sun“-Interview hat die Iran-Geisel Faye Turney dem britischen Verteidigungsministerium offenbar einen wichtigen Propagandadienst geleistet. Dies war jedenfalls die Einschätzung vieler Kommentatoren, die scharfe Kritik an den als „würdelos und schäbig“ empfundenen Plaudergeschichten in der britischen Presse übten.

Iran hatte die 15 britischen Soldaten am Donnerstag freigelassen, nachdem sie zuvor knapp zwei Wochen lang wegen angeblicher Grenzverletzung festgehalten worden waren. Entgegen allen Traditionen und Dienstvorschriften erteilte das britische Verteidigungsministerium ihnen die Erlaubnis, die Geschichte ihrer Gefangenschaft für Geld den Medien anzubieten. Laut dem PR-Berater Max Clifford hatte das Ministerium die Soldaten regelrecht „ermutigt“, entsprechende Medienverträge abzuschließen. Im Sinne einer „Propaganda-Übung“ passe es dem Ministerium ins Konzept, wenn die Soldaten ihre Geschichten erzählen, so Clifford.

Am Montagabend zog die Regierung in London allerdings Konsequenzen aus der heftigen Kritik: Verteidigungsminister Des Browne erklärte, es werde nun keinen weiteren Seeleuten gestattet, ihre Erlebnisse an die Medien zu veräußern.

Turney, die einzige Frau unter den Geiseln, hatte der „Sun“ von ihrer Todesangst in iranischer Gefangenschaft berichtet: „Was halten Sie davon, für Ihr Land zu sterben“, habe man sie gefragt. Turney war zum zentralen Symbol der Gefangenenkrise geworden, als Iran Fernsehbilder ihres vermeintlichen „Geständnisses“ zeigte. Auf den Bildern ist sie mit islamischem Kopftuch und rauchend zu sehen. Nun berichtete die Soldatin, wie sie sich in einer kalten Einzelzelle bis auf den Schlüpfer ausziehen musste. „Ich wurde mit verbundenen Augen weggeführt. Ich konnte noch hören, wie einer unserer Jungs rief: ‚Sie werden uns hinrichten’.“ Die „Sun“ stellte Turneys Erfahrungsbericht einen Kommentar über Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Seite: „Dies ist der Mann, der Tony Blair kritisierte, weil er eine Frau auf einem Patrouillenboot einsetzte.“

Seite 1:

„Schäbige Plaudergeschichten“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%