London
Russischer Ex-Spion könnte radioaktiv vergiftet worden sein

Der russische Exspion und Kremlkritiker Alexander Litvinenko ist möglicherweise mit radioaktivem Thallium vergiftet worden. Möglicherweise ist er deswegen auf eine Knochenmarkstransplantation angewiesen. Bisher geht es ihm nicht besser.

HB LONDON. Auf eine radioaktive Vergiftung deute die diagnostizierte Zerstörung von Blut- und Darmzellen bei dem 43-Jährigen hin, sagte dessen behandelnder Arzt, der Toxikologe John Henry, am Dienstag in London. Die genaue Ursache für Litvinenkos Erkrankung könne unter Umständen nie festgestellt werden, sagte Henry vor Journalisten im University College Krankenhaus, wo Litvinenko unter strenger Bewachung steht. Thallium habe nur eine äußerst kurze Halbwertzeit, so dass womöglich keine Spuren mehr in Litvinenkos Körper zu finden seien. Die Symptome im Magen-Darm-Trakt des 43-Jährigen legten nahe, dass Litvinenko das Gift geschluckt habe.

Thallium werde häufig in Krankenhäusern eingesetzt, jedoch nicht in großen Dosierungen, sagte Henry. Das wasserlösliche, farb- und geruchlose Schwermetall kann bereits in einer Dosis von einem Gramm tödlich wirken.

Berichten zufolge war Litvinenko nach einem Treffen mit einem Italiener in einem Sushi-Restaurant erkrankt. Der Italiener habe angegeben, Informationen über den Mord an der der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja zu haben. Ein Freund Litvinenkos, Alexander Goldfarb, sagte, dieser sei am selben Tag zuvor aber noch mit zwei Russen zusammengekommen, darunter einem früheren KGB-Agenten.

Litvinenko trat zu Sowjetzeiten dem Geheimdienst KGB bei und stieg bei dessen Nachfolgeorganisation, dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB, zum Oberst auf. Im November 2000 flüchtete er aus Russland und bat in Großbritannien um Asyl. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Vorgesetzten beim FSB öffentlich beschuldigt, ihm die Tötung des russischen Milliardärs Boris Beresowski befohlen zu haben, der damals zum Machtzirkel des Kremls gehörte. Außerdem beschuldigte er FSB-Beamte, 1999 Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland koordiniert zu haben, bei denen 300 Menschen ums Leben kamen und die den zweiten Tschetschenien-Krieg auslösten.

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