Londoner Anschläge
Zeitzünder-Attentate immer wahrscheinlicher

Einen Tag nach den schrecklichen Anschlägen von London verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Attentäter die Sprengsätze ablegten und sich entfernten, bevor die Bomben explodierten. Einzige Ausnahme könnte der Bus-Anschlag gewesen sein.

HB LONDON. Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy berichtete, sein britische Kollege Charles Clarke habe ihm anvertraut, dass es bisher keinen Beweis gebe, dass Selbstmordattentäter in die Anschläge verwickelt seien.

Ein nicht genannter US-Beamter, der in die Ermittlungen einbezogen ist, sagte, die Sprengsätze seien möglicherweise mit Zeitzündern zur Detonation in Londoner U-Bahnen gebracht worden. Die britische Polizei halte es für unwahrscheinlich, dass die Bomben wie bei den Anschlägen am 11. März 2004 in Madrid mit Mobiltelefonen gezündet wurden. In den U-Bahn-Tunneln würden Handys häufig nicht funktionieren. Die in Madrid verwendeten Mobiltelefone hatten die spanische Polizei auf die Spur der Attentäter gebracht.

Im Fall des Anschlags auf den Londoner Doppeldeckerbus legen Augenzeugenberichte indes nahe, dass der Attentäter - absichtlich oder versehentlich - seinen Sprengsatz selbst zündete und dabei ums Leben kam. Mehrere britische Zeitungen zitieren einen schottischenInformatiker Richard Jones, der in dem Doppeldeckerbus gesessen hatte und kurz vor dem Anschlag ausgestiegen war: "Ich stand neben einem jungen Herrn, der immer wieder in seine Tasche schaute", berichtete der Jones. "Er sah fremdländisch aus. Er ist mir aufgefallen, weil er nervös aussah."

Gestützt wird diese Ansicht von einem Krankenpfleger, der zwei junge Frauen behandelt hatte, die zum Zeitpunkt der Explosion mit dem Bus gefahren waren. "Sie haben gesagt, dass sich ein Mann hingesetzt hat und explodiert ist."

Die Polizei nimmt die Augenzeugenberichte ernst. Laut britischer Presse wollen die Ermittler weder einen Selbstmordanschlag ausschließen noch eine versehentliche Explosion der Bombe, die der Attentäter eigentlich in einem weiteren U-Bahnhof zünden wollte. Es wäre das erste Mal, dass sich in Europa ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hätte.

Der britische Premierminister Tony Blair hatte erklärt, die Taten seien von Terroristen verübt worden, „die im Namen des Islams handeln.“ Außenminister Jack Straw sagte, die Anschläge kurz nach Eröffnung des G-8-Gipfels in Schottland trügen die Handschrift des Terrornetzwerks Al Kaida. Im Internet war am Mittag laut Berichten von Online-Medien ein Bekennerschreiben des Terrornetzwerks Al Kaida aufgetaucht, kurz darauf wurde die betreffende Website aber vom Netz genommen.

Der britische Innenminister Clarke warnte am Freitag vor weiteren Anschlägen in London. Die Terroristen könnten abermals zuschlagen, sagte er. Die Zahl der Todes-Opfer der Attentate vom Donnerstag beziffert die Polizei bisher auf 37.

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