Londons Bürgermeister
100 Tage Boris Johnson – 100 Tage Chaos

Seit 100 Tagen ist Boris Johnson Bürgermeister von London. Von Beginn an spaltete der umstrittene Konservative die Gemüter. Geschafft hat der Oxford-Absolvent und ehemalige Journalist bislang nicht viel - außer jede Menge Schlagzeilen.

LONDON. Angekommen ist der Londoner Bürgermeister Boris Johnson auch nach 100 Tagen im Amt noch längst nicht. Zwar stehen seine Anhänger, die ihm im Frühling zu einem deutlichen Wahlsieg über den langjährigen Amtsinhaber Ken Livingstone verhalfen, immer noch zur Seite, doch seine Gegner lachen sich angesichts einer Vielzahl an Fehltritten und Fettnäpfchen ins Fäustchen. Längst ist klar: Johnson neigt als Politiker zu Unfällen und verirrt sich allzu oft in Widersprüchen.

Seine politische Mannschaft erscheint bereits nach drei Monaten gerupft: So musste James McGrath das Amt abgeben, nachdem er Einwanderer aus der Karibik wüst beschimpft hatte. Er hatte ihnen geraten doch zurück in die Karibik zu ziehen, wenn ihnen ein von den Tories regiertes London nicht schmecke. Wenig später musste sein Stellvertreter, Ray Lewis, wegen finanzieller Umgereimtheiten seinen Rücktritt einreichen. Es kursierten zudem Gerüchte, er habe mehrere Frauen sexuell belästigt.

Dann hatte Tim Parker keine Lust mehr auf den Job als Powerplayer im Johnson-Team. In einem Interview mit dem Guardian hielt er es für unangemessen, als nicht-gewählter Berater den Bürgermeister zu vertreten. Bereits unter dem Vorgänger von Boris Johnson, Ken Livingstone, galt das Stadtamt schon als uneffizient. Inzwischen gilt es als chaotisch.

Ken Livingstone selber schüttelt der Zustände der Stadtregierung nur den Kopf: "In den gesamten acht Jahren, die ich im Amt war, ist nur ein einziger enger Mitarbeiter - und das nach sieben Jahren - aus meine Team zurückgetreten", sagt Livingstone dem Guardian. "Dieser extreme Gegensatz fördert die extreme Inkompetenz von Boris Johnson und seiner Administration zu Tage."

Johnson selber scheint derlei Kritik nicht zu beeindrucken und heizt mit widersprüchlicher Politik die Diskussion an. Motto: Wasser predigen, Wein trinken. Mit seinem ersten Dekret nach der Wahl im Mai untersagte er den Alkoholkonsum und das Tragen von offenen Gefäßen mit Alkohol in den Londoner Verkehrsbetrieben. Allerdings ließ er sich am selben Abend bei einer Party nicht ohne ein offenes Gefäß Alkohol fotografieren und bot folgende saftige Aussage den durstigen Journalisten an: "Erst mal einen trinken, dann regieren".

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