Lozada repräsentiert Elite
Portrait: Lozada wurde aus dem Amt gejagt

In seiner zweiten Amtszeit hielt sich Expräsident Gonzalo Sánchez de Lozada in Bolivien nur 14 Monate an der Macht. Eigentlich wollte er als „Modernisierer“ in die Geschichte Boliviens eingehen. Dann vertrieb ihn sein Volk.

HB LA PAZ. Der 73-Jährige Unternehmer und Großgrundbesitzer wird aber im Armenhaus Südamerikas als jener Staatschef in Erinnerung bleiben, der als erster von der seit Jahrhunderten unterdrückten indigenen Bevölkerungsmehrheit aus dem Regierungspalast Quemado in La Paz gejagt wurde. In seiner zweiten Amtszeit hielt sich Lozada nur 14 Monate an der Macht.

Lozada repräsentiert jene kleine Elite, die das Andenland seit jeher nach Gutdünken beherrscht. Er ist einer der reichsten Männer in dem Land mit 70 Prozent Armen. Der nach außen hin stets freundliche Diplomatensohn lebte seit früher Kindheit mit seinen Eltern in den USA. An der Universität von Chicago studierte er später Philosophie und Literatur. Bis heute spricht der „Gringo“ Lozada seine Muttersprache mit unverkennbaren US-amerikanischen Akzent.

In seiner ersten Amtszeit (1993-97) realisierte der Politiker der konservativen Nationalrevolutionären Bewegung (MNR) viele neoliberale Reformen in den Bereichen Bildung, Justiz und Wirtschaft. Er beschleunigte aber auch das Privatisierungsprogramm, das nach Meinung vieler Beobachter die Vermögenskonzentration in Bolivien verstärkte und die Arbeitslosigkeit in bis dato ungekannte Höhen trieb. Viele Privatisierungen wurden zudem auf zweifelhafte Weise realisiert.

Seine erfolgreichste politische Zeit hatte Lozada als Planungsminister der Regierung von Präsident Víctor Paz Estenssoro. 1985 gelang es ihm, die Hyperinflation unter Kontrolle zu bekommen. 1989 gewann er dann die erste Runde der Präsidentenwahl mit einen hauchdünnen Vorsprung von 5000 Stimmen. Im Parlament unterlag er aber dem Zweitplatzierten Paz Zamora, seinem heutigen Koalitionspartner.

Bei der Präsidenten-Wahl im Juni 2002 war Lozada überraschend wieder auf Platz eins gelandet. Da er mit gut 22 Prozent der Stimmen einer absoluten Mehrheit nicht einmal nahe kam, musste die Entscheidung im August 2002 im Parlament fallen. 14 Monate später stolperte er über umstrittene Erdgasexporte und wachsende Unzufriedenheit der ärmsten Schichten.

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