Luca di Montezemolo
Ferrari-Chef hält sich für die Zeit nach Monti bereit

Als Ferrari-Chef hat es Luca di Montezemolo weit gebracht. In der aktuellen Krise tritt er auf wie ein Staatsmann - was er durchaus noch werden könnte, wenn die Zeit der Technokraten vorbei ist.
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„Italien braucht in der Politik wieder echte Menschen.“ Das sagt kein Demonstrant in den Straßen Roms, sondern Luca di Montezemolo, Präsident von Ferrari. Und: „Das Land hat immenses Potenzial.“ Hört sich an wie ein Politiker, es spricht aber ein Unternehmer.

Nein, er wolle keine Partei gründen, sagt Montezemolo auf seine politischen Ambitionen angesprochen. Mario Monti sei ein kompetenter und glaubwürdiger Mann, dem man nicht sagen müsse, wo die Prioritäten im Land liegen. Doch zwischen den Zeilen flirtet der 64-Jährige mit der Politik. Genauer genommen mit der Zeit nach Monti.

„Ich hoffe, dass mit den Neuwahlen 2013 eine neue Zeit beginnt, mit einer neuen politischen Klasse. Mit Menschen, die ihr Land lieben“, sagte Montezemolo am Rande der Feier zum 100-jährigen Jubiläum der deutsch-italienischen Handelskammer in Frankfurt.

Für Monti ist er voll des Lobes: „Es ist ein wichtiger Moment für Italien. Das Land hat endlich wieder eine kompetente und glaubhafte Regierung.“ Mit diesen Adjektiven lobt er nicht nur zum wiederholten Male Mario Monti, sondern stichelt auch gegen Silvio Berlusconi.

Die Regierung Monti kommt ihm da gerade gelegen. Sie muss harte und unpopuläre Entscheidungen treffen. Und sie ebnet den Weg, damit andere 2013 die Macht übernehmen können. Schnellere Neuwahlen hätten nach seiner Aussage das Land nur blockiert, für ein Patt gesorgt. Was er nicht sagt: Für ihn wären sie zu früh gekommen.

Für 2013 hat Montezemolo gleich eine eigene Idee: Italien braucht ein neues Wahlrecht, damit die Bürger wieder direkter eingebunden werden. Das von Berlusconi eingeführte System mit einem „Bonus“ für den Wahlsieger lehnt er ab. In Deutschland hätte kein Unternehmenschef so konkrete Forderungen gestellt, zumindest kein so national und international angesehener Mann wie Luca Cordero di Montezemolo.

Auch für Europa hat er eine klare Vision: „Ich gehöre zu einer Generation, die an Europa glaubt. An eine EU mit gemeinsamen Zielen.“ Bei dem im Moment wohl größten Ziel pflichtet er Angela Merkel bei: die gemeinsame Währung zu stärken. „Aber dazu muss auch jedes Land seine Pflicht erfüllen.“

Und natürlich hat er eine Vorstellung davon, wie Italien das schaffen kann. Mehr Privatisierungen von Staatsunternehmen, um den Wettbewerb zu erhöhen, Arbeitsplätze zu schaffen, Kosten zu senken.

Zudem sollen die Mitarbeiter mehr gefördert werden, sie seien schließlich der größte Reichtum eines jeden Unternehmens. Die Arbeit in den starken mittelständischen Betrieben müsse vorausschauend organisiert und ständig verbessert werden. Dabei sei es die große Aufgabe der Verantwortlichen, einen „neuen Geist“ zu wecken, wie er es nennt.

Natürlich ist Ferrari in Italien nicht ein normales Unternehmen und der Adelssprössling aus dem Piemont kein gewöhnlicher Chef, aber die Rede Montezemolos in Frankfurt geht über die Aussagen eines Unternehmenschef weit hinaus. Sie klingt eher nach dem Staatsmann Montezemolo.

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Luca di Montezemolo: Ferrari-Chef hält sich für die Zeit nach Monti bereit"

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  • Haben Sie nicht gemerkt, weshalb Berlusconi so am Stuhl klebte? Glauben Sie, dass das nicht auch für andere Politiker ein wichtiger Grund sein kann?

    Die lachen doch alle über den Amtseid, dessen Bruch nirgendwo strafrechtlich verfolgt wird.

  • moegen haette er schon gewollt, aber duerfen hat er sich nicht getraut (frei nach F.J. Strauss); ueber den Loeffel ist die Zeit hinweggegangen, Passera hat sich getraut, hat auf 6 Mio p.a. verzichtet um Minister zu werden - und ist bei den Linken jetzt in der pole position. FIAT ist schon aus Confinsustria ausgestiegen, spielt industriepolitisch kaum noch eine Rolle, Montezemolo ist ein Scheintoter aus der Vergangenheit.

  • Ich kann Menschen nicht verstehen, die sich mit dem Politiker-Abschaum freiwillig auf eine Stufe stellen. Jeder der anständige Eltern hatte und vernünftig erzogen wurde, kann doch nicht einfach so abdriften. Da fragen sich doch die Eltern: "Was haben wir bloß falsch gemacht? Warum ist aus unserem Kind nichts geworden?"

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