Lucas Papademos
Der radikale Reformer fürchtet um sein Erbe

In nur fünf Monaten hat Übergangspremier Papademos weitaus mehr bewegt als sein zaudernder sozialistischer Vorgänger in zwei Jahren. Doch die Griechen sind noch lange nicht am Ziel.
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AthenLucas Papademos, der parteilose Wirtschaftsprofessor, hat als Übergangspremier seine wichtigsten Aufgaben gemeistert: Der Schuldenschnitt ist abgeschlossen, das neue Rettungspaket geschnürt, die akute Gefahr eines Staatsbankrotts zumindest vorerst gebannt. Aber das Land ist keineswegs über den Berg. Man befinde sich „erst in der Mitte einer schwierigen Wegstrecke“, warnt Papademos.

Die Wahlen am Sonntag seien von strategischer Bedeutung: „Es geht um die Zukunft des Landes in den nächsten zehn Jahren und nicht nur darum, welche Regierung gebildet wird“, sagte Papademos nach Angaben seines Büros während der letzten Sitzung seines Ministerrates. Zudem seien neue harte Sparmaßnahmen im Umfang von knapp 11,5 Milliarden Euro nötig.

Papademos habe sich auch noch einmal schriftlich an alle Verantwortlichen in Regierung und Parteien gewandt, teilte eine Mitarbeiterin des Ministerpräsidenten mit. Angesichts der Enttäuschung vieler Griechen von der politischen Führung in der Finanzkrise und der hohen Arbeitslosigkeit wird bei der Wahl eine Zersplitterung der bisherigen Parteienlandschaft erwartet.

Teile des Schreibens des Ministerpräsidenten wurden in der griechischen Presse am Mittwoch veröffentlicht. Zu den bis Anfang Juni fälligen Sparmaßnahmen gehören demnach weitere Kürzungen von Löhnen und Gehältern, Privatisierungen, Reformen im Staatsbereich und Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Außerdem seien weitere Entlassungen von Staatsbediensteten nötig. Insgesamt habe Papademos 77 Maßnahmen angeführt, die die nächste Regierung umsetzten müsse, damit Griechenland auch weiterhin von seinen Geldgebern geholfen werde. Beobachter werteten die Aktion als Versuch des Regierungschefs, Politiker und Bürger vor der Wahl noch einmal „wachzurütteln“.

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Mehr erreicht als Papandreou in zwei Jahren

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  • @Oeconomicus. Zitat: Dieser Mann hat vorsätzlich die Menschen in tiefste Armut geschickt und somit unendlichen Leid ausgelöst.
    Das ist natürlich Quatsch, denn die Armut kommt von der Verschuldung und nicht von Papademus. P. ist zwar Erfüllungsgehilfe der Banken, aber nicht Verursacher der Armut.
    Meine Zustimmung aber zur Drachme, sie würde als einziges Mittel der Wahl helfen.
    Allerdings sind entgegen Ihrer Ansicht nicht alle Griechen dieser Auffassung, denn der Immobilienbesitz in GR ist groß und diese Immobilien verlieren mit der Drachme enorm an Wert.

    Und bei allen Spekulationen über die Verbesserungen des griech. Exports von Gütern und Dienstleistungen haben Sie leider die Ursache für die Krise übersehen, nämlich die abstruse Korruption, eine total überalterte, noch von König Otto stammende Verwaltungsstruktur und die enorme Unaufgeklärtheit der Bevölkerung über wirtschaftliche Grundzusammenhänge. Schließlich kann man nicht mehr verdienen als man produziert.
    Diese Ursache muss beseitigt werden und zwar völlig unabhängig von Euro oder Drachme – sonst geht gar nichts.

  • Ich kann diese Hommage an Papademos nicht teilen.

    Dieser Mann hat vorsätzlich die Menschen in tiefste Armut geschickt und somit unendlichen Leid ausgelöst.

    Der einzig vernünftige Schritt aus Sicht der griechischen Bevölkerung wäre der sofortige Austritt aus der Euro-Zone gewesen, was vor ihm Papandreou zu Gunsten der Finanz-Haie und deren Helfershelfer verweigerte.

    Mit der Wiedererlangung der eigenen Währungs-Souveränität hätte er dann knochenharte Verhandlungen mit den Gläubigern im Club de Paris führen sollen ... zehnjähriges Moratorium, danach die Rückführung von max. 10% ALLER Altschulden (und nicht nur das, was der Öffentlichkeit erzählt wird) per rata temporis und natürlich in der neuen Landeswährung.

    Mit der zwangläufigen Abwertung der Drachme 2.0 ggü. der Eurozone wäre das Land quasi über Nacht hinsichtlich der eigenen Erzeugnisse und Dienstleistungen wettbewerbsfähig gewesen und neu erstarkt.

    Zugegeben, Importe hätten sich im Verhältnis zur Abwertung verteuert. Betrachtet man die aktuellen Importe des Landes, stellt man einen massiven Rückgang zu den Jahren vor Ausbruch der Krise fest.

    Vermutlich hätte ein Großteil der bislang in Konkurs geratenen KMUs [seit 2010 etwa 165.000!] und damit die Freisetzunjg unzähliger Arbeitnehmer verhindert werden können.

    Last but not least hätte man unter diesen Bedingungen den Aufbau effizienter Verwaltungsstrukturen angehen und ALLE Korruptionsverbrechen strafrechtlich mit aller gesetzlich möglichen Härte verfolgen können.

    Warten wir den Wahlausgang ab ... ich drücke dem griechischen Volk alle Daumen, am Sonntag und danach das Richtige zu tun.

  • @Mitdenker. Ich habe gar nichts gegen Bedeutungslosigkeit. Mir ist wichtiger, dass der Spalt-Euro dahin kommt, wo er hingehört – nämlich ans ENDE einer europäischen Entwicklung und nicht an den Anfang, wohin ihn Idealisten gesetzt haben, die es gut gemeint hatten. Inzwischen wissen wir doch alle, was gut gemeint heißt. Es ist das GEGENTEIL von gut.
    Und denen, die glauben, dass es nationale Kräfte in einem geeinten Europa, oder den Vereinigten Staaten von Europa nicht gäbe, sei gesagt, dass sie SELBST bereits solche Gefühle pflegen, es aber offenbar gar nicht merken. Sie haben an die Stelle Deutschlands nur eben Europa gesetzt.
    Ich bin nicht scharf auf Großmachtgehabe. Mir würde es völlig reichen, in einem Land zu leben, das mit seinen Nachbarn in Frieden lebt, mit einer Währung, die irgendwie auch widerspiegelt, wie die Menschen im Land arbeiten. So wie - z.B.- die Schweiz.
    Den Menschen eine Währung vorzusetzen, die nicht passt und sich auch in allen anderen Entscheidungsfragen einfach über den Willen der Menschen hinwegzusetzen, nenne ich Euroterrorismus.
    Leider hält sich bei uns und anderswo in Europa eine Schicht, die sich für eine Elite hält und glaubt, das Volk sei noch nicht so weit und daher dürften sie über die Köpfe der anderen hinweg bestimmen – undemokratisch und gegen alles, was mit der französischen Revolution erkämpft wurde. Besonders Sozialdemokraten nehmen es mit der Volksmeinung nicht mehr so genau. Man kann nur hoffen, dass allen Beteiligten DIESE Tragweite bewusst ist!

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