Luftangriffe auf Libyen: West-Allianz setzt Angriffe in Libyen fort

Luftangriffe auf Libyen
West-Allianz setzt Angriffe in Libyen fort

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Tripolis/BrüsselDie westlichen Verbündeten haben die Angriffe auf Libyen die dritte Nacht in Folge fortgesetzt.

Dem staatlichen Fernsehen des nordafrikanischen Landes zufolge nahmen Kampfflugzeuge am Montagabend mehrere Einrichtungen in Tripolis unter Beschuss. Die Allianz bestätigte die Angaben zunächst nicht. In der Hauptstadt war auch spät in der Nacht Feuer der Luftabwehr zu hören. Durchs Zentrum schallten zugleich Slogans zur Unterstützung von Machthaber Muammar Gaddafi. Zahlreiche Autos fuhren mit hoher Geschwindigkeit und lautem Gehupe durch die Straßen. Dem Fernsehsender Al-Dschasira zufolge griffen die Verbündeten am Abend auch Radareinrichtungen zweier Luftabwehr-Stützpunkte im Osten des Landes an.

Ein Sprecher der französischen Armee erklärte, es seien zu dem genannten Zeitpunkt keine Flugzeuge Frankreichs in der Luft gewesen. Die USA gehen davon aus, dass die Zahl der Angriffe in den kommenden Tagen nachlässt. „Ich denke dass wir einen Rückgang in der Häufigkeit der Angriffe erleben werden, solange nicht etwas ungewöhnliches oder unerwartetes geschieht“, sagte General Carter Ham vor Journalisten in Washington. Ham leitet die am Libyen-Einsatz beteiligten US-Truppen. Gaddafis Truppen haben am Montag vor allem im Westen zwei Städte unter Druck gesetzt, die sich den Aufständischen angeschlossen haben. Sie beschossen mit Artillerie Misrata östlich von Tripolis und Sintan westlich der Hauptstadt nahe der Grenze zu Tunesien. In Misrata seien neun Menschen getötet worden, als im Zentrum eine Menge unter Beschuss genommen worden sei, die den Widerstand gegen die Angreifer organisieren wollte, sagte ein Bewohner. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Ungeachtet der zunehmenden internationalen Kritik laufen die Luftangriffe auf Libyen weiter. Gaddafis Macht schwindet, doch das sei nicht das Ziel, erklärt das US-Kommando.

Norwegen hat den zugesagten Einsatz von sechs Kampfflugzeugen beim internationalen Militäreinsatz in Libyen bis auf Weiteres gestoppt. Verteidigungsministerin Grete Faremo sagte am Montagabend in Oslo, einen Einsatz werde es erst geben, wenn die Kommandostruktur eindeutig klar sei. Die Nato-Länder haben sich auch am Montag in dieser Frage in Brüssel noch nicht einigen können. Im Tagesverlauf waren die sechs norwegischen Kampfflugzeuge des Typs F-16 vom Stützpunkte Bodø für Libyen-Einsätze auf die griechische Insel Kreta verlegt worden. Faremo sagte, es sei für ihre Regierung „von entscheidender Bedeutung“, dass es ein effektives Kommandosystem gibt, die uns genügend Einsicht in Entscheidungsprozesse, das Mandat und die Regeln der Operation ermöglichen“.

Die deutsche Rolle in dem Konflikt wird zusehends doppelbödiger: zu Angriffen auf libysche Ziele starten US-Kampfjets nach einem Zeitungsbericht auch von Rheinland-Pfalz aus. Zudem will die Bundesregierung noch in dieser Woche mit einer Änderung des Afghanistan-Mandats den Weg für eine indirekte Unterstützung des Militäreinsatzes gegen Libyen frei machen. Nach Angaben mehrerer Politiker verschiedener Parteien soll der Bundestag einem neuen Bundeswehr-Mandat zustimmen, das den Einsatz deutscher Soldaten in Awacs-Überwachungsflugzeugen in Afghanistan zulässt und damit die USA für den Libyen-Einsatz entlastet.

An der Operation „Odyssey Dawn“ zur Durchsetzung des Flugverbots für die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi seien schon jetzt F-16 Kampfflugzeuge der Airbase Spangdahlem beteiligt, berichtete die Zeitung „Trierischer Volksfreund“ am Montag unter Berufung auf eine Sprecherin der amerikanischen Streitkräfte.

In Spangdahlem sind nach Angaben des Blattes 29 Kampfflugzeuge des Typs F16 stationiert. Wie viele dieser auch für Bodenangriffe geeigneten Jets über Libyen im Einsatz sind, wollte die Sprecherin nicht sagen, auch nicht, ob die Maschinen zumindest zeitweise auf einen Militärstützpunkt am Mittelmeer verlegt werden.

Nach Informationen des „Trierischen Volksfreunds“ ist es wahrscheinlich, dass die Spangdahlemer Kampfjets von ihrer Heimatbasis aus zu Einsätzen nach Libyen fliegen und anschließend wieder zurück. Die F16 werden dann in der Luft aufgetankt. So verfahren auch die Briten, deren Kampfflugzeuge in England zu Libyeneinsätzen starten.

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  • Dieser Einsatz ist mehr als stümperhaft.
    Gaddafi sei nicht das Ziel lt. NATO, so las ich getern.
    Ja was denn sonst?
    mein Gott, einmal über seinen Palast geflogen, ein paar Bomben abwerfen und gut ist es.
    Bei diesem jetzigen Zirkus, der zudem wohl etwas wirr in der Kommandozentrale ist, sterben viele Zivilsiten und Unschuldige. Genau das wollte man doch nicht.Die USA und arkozy müssen sich vor allem einige werdne, wr das Kommando hat und was das Ziel ist.
    Bei Sarkozy hat man den Eindruck, er betrachtet diese Einsatz als Spiel an dem er seine helle Freude hat

  • Tja, ein militärischer Eingriff in Libyen stand ja schon länger auf der Agenda : http://www.youtube.com/watch?v=5-TZxI8m8ss
    Bald müssen sie endlich an den Iran ran.....

  • Putin hat tatsächlich ein Problem: Rußlands Waffen taugen offenkundig nichts. So gelang Gadaffi nicht in einem einzigen Falle der Abschuß eines Flugzeugs oder einer Drohne aus Frankreich, Großbritanien und USA. Die Nachfrage nach offenkundig wirkungslosen Waffen dürfte Russlands Exportergebnis senken. Ein technischer Durchbruch bei nichtatomaren Waffen ist kurzzeitig unwahrscheinlich, so dass es neben dem politischen Verlierer nun auch einen wirtschaftlichen zu geben scheint.

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