Luis de Guindos
„Schlacht um Europa wird in Spanien geschlagen“

Trotz Krise hat Spanien bisher noch keine offizielle Hilfe beantragt. Im Interview spricht Finanzminister Luis de Guindos über die Bedeutung des Euro und die Rolle seines Landes im Kampf um die europäische Währung.
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MadridHandelsblatt: Herr Minister, Spanien kann sich nur noch zu hohen Zinsen Geld leihen. Wie lange hält Madrid das noch aus?

Luis de Guindos: Spanien hat nie den Marktzugang verloren, aber natürlich schlagen sich diese Risikoaufschläge in den Finanzierungskosten des öffentlichen Sektors nieder. Und nicht nur das: Solche hohen Zinssätze erschweren auch die Finanzierung der gesamten Volkswirtschaft, was die Erholung erschwert.

Was muss geschehen, damit die Finanzierungskosten sinken?

In den Zinsaufschlägen von Spanien oder Italien sind etwa 200 Basispunkte durch Zweifel an dem Projekt Euro begründet, das steht auch in den Berichten des IWF und der EZB. Wir müssen deshalb die Bankenunion und die Fiskalunion vorantreiben. Und natürlich müssen wir die Haushaltsdefizite reduzieren und Wirtschaftsreformen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durchziehen.

Aber die Bankenunion steht frühestens Anfang nächsten Jahres, muss nicht schneller etwas geschehen? Aber die Bankenunion steht frühestens Anfang nächsten Jahres, muss nicht schneller etwas geschehen?

Wenn Sie auf die Intervention der EZB auf dem Anleihemarkt anspielen: Die spanische Regierung respektiert die Unabhängigkeit der Notenbank absolut. Wir teilen aber auch die Diagnose der EZB, dass die derzeitigen Risikoprämien unter anderem ein Ausdruck dafür sind, dass grundsätzliche Zweifel am Euro bestehen.

Die EZB wird aber nur intervenieren, wenn die Länder ein Hilfsgesuch an den EU-Rettungsfonds stellen.

Die spanische Regierung teilt die Ansicht, dass die Reduzierung des öffentlichen Defizits und der Schuldenabbau mittel- und langfristig die fundamentalen Instrumente gegen die Krise sind. Die EZB kann diese Anstrengungen nicht ersetzen. Aber derzeit gilt es, die Zweifel über den Euro auszuräumen und klarzumachen, dass der Euro irreversibel ist. Dafür könnte es kurzfristig nötig sein, dass die EZB agiert.

Wann wird Spanien Hilfe beantragen?

Erst einmal müssen die Bedingungen geklärt sein, ich denke nach dieser und der nächsten Woche werden wir schon sehr viel klarer sehen. Die EZB-Ratssitzung diese Woche und die Sitzung der Euro-Finanzminister in zwei Wochen werden da Klärung bringen.

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Kommentare zu " Luis de Guindos: „Schlacht um Europa wird in Spanien geschlagen“"

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  • Man kann nur hoffen, dass nicht das ganze spanische Regierung aus solchen Maultrommeln besteht.
    Es gibt keine Schlacht um Europa. Es gibt nur Sorgen um die Fähigkeit Spaniens, nicht an seiner Immobilienblase zu platzen. Und die sind berechtigt.

  • Verliert der Euro die Schlacht, hat Europa eine Chance.
    Gewinnt der Euro die Schlacht, kommt es später zu Erscheinungen wie in der Tschechoslowakei und Jugoslawien, die trotz gemeinsamer Währung wieder eigene Währungen einführten. Euro vergeht - Europa besteht.

  • Die hohen Finanzierungskosten sind begründet durch die schlechte Haushaltsführung der Spanier. Und das ist kein Grund, die Schulden jetzt zu sozialisieren. Auch wenn die EU, um sich wichtig zu machen, das verspricht. Das Systen Europäische Union hat sich überholt. Durch die Misswirtschaft und schlechte Führung Brüssels!

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