Lula bei Merkel
Brasilien kommt nicht als Bittsteller

Mit Brasiliens Präsident Lula kommt am Donnerstag kein Bittsteller nach Berlin: Der größte Staat Südamerikas ist längst begehrtes Investionsland geworden - und Merkel umwirbt das Oberhaupt im Namen der deutschen Wirtschaft.
  • 0

HB SAO PAULO. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kommt nicht als Staatschef eines Entwicklungslandes nach Deutschland. Das fünftgrößte Land der Erde ist zum begehrten Investitionsland avanciert, bekommt gute Noten von internationalen Ratingagenturen, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds, zu dessen Gläubigern Brasilien mittlerweile zählt. Der Olympia-Zuschlag für Rio 2016, die Fußball-WM 2014 und riesige Ölfunde vor der Küste tun ihr Übriges. Lula trifft am Donnerstag Kanzlerin Angela Merkel - auf Augenhöhe.

Volkswagen do Brasil hat die Zeichen der Zeit schon erkannt und will von 2010 bis 2014 mehr als zwei Milliarden Euro im größten südamerikanischen Land investieren. Die Verkaufszahlen der Automobilbranche schnellten in diesem Jahr wieder nach oben, als wäre von der Krise nichts zu spüren. Schon jetzt liegen die Verkaufszahlen über dem Wert des gesamten Vorjahres.

In Brasilien sind mehr als 1200 deutsche Unternehmen aktiv, die rund 10 Prozent zum industriellen Bruttoinlandsprodukt beitragen. São Paulo beherbergt die größte Anzahl deutscher Unternehmen außerhalb Deutschlands und in der Nähe von Rio de Janeiro baut der deutsche ThyssenKrupp-Konzern für 4,5 Milliarden Euro ein gigantisches Stahlwerk - die größte Auslandsinvestition in Brasilien seit Jahrzehnten.

Lula wird auf seiner Reise von Unternehmern, Ministern und auch seiner Wunschnachfolgerin, Präsidialamtsministerin Dilma Rousseff, begleitet, die für das milliardenschwere Programm zur Wachstumsbeschleunigung verantwortlich ist. Auch der Chef des staatlich kontrollierten Ölgiganten Petrobras, Sérgio Gabrielli, ist in der Delegation. Am Donnerstag trifft Lula bei einem Mittagessen mit Merkel und dem BDI im Berlin Top-Manager der deutschen Industrie. Auch ein Treffen mit Bundespräsident Horst Köhler steht auf dem Programm.

Thema dürfte auch der UN-Klimagipfel in Kopenhagen sein. Beim Klimaschutz wird Lula stets deutlich. Die reichen Ländern müssten den armen mit finanziellen und technologischen Hilfen für Klimaschutzprogramme zur Seite stehen. Schließlich, so argumentiert Lula, seien die reichen Länder für den Löwenanteil der klimaschädlichen CO2-Emissionen der Vergangenheit verantwortlich.

Seite 1:

Brasilien kommt nicht als Bittsteller

Seite 2:

Kommentare zu " Lula bei Merkel: Brasilien kommt nicht als Bittsteller"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%