Lula fordert Wachsamkeit
Brasilien rüstet für den Währungskrieg

Brasiliens Staatspräsident Lula da Silva schickt eine Breitseite Richtung USA. Er werde alle Maßnahmen treffen, um eine "exzessive" Aufwertung des Real zum Dollar zu verhindern, sagte er. Seinen Finanzminister wies er an, 24 Stunden am Tag wachsam zu sein - als würde der Währungskrieg unmittelbar bevorstehen.
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HB BRASILIA. Brasilien ist nach Worten von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gegen die Gefahren eines „Währungskrieges“ gewappnet. Er habe Finanzminister Guido Mantega und Zentralbank-Chef Henrique Meirelles angewiesen, 24 Stunden am Tag wachsam zu sein. „Wir werden zur richtigen Stunde die Maßnahmen ergreifen, die wir treffen müssen“, sagte Lula am Mittwoch in Brasília.

Fast alle Währungen der Welt legten gegenüber dem US-Dollar zu. „Die Vereinigten Staaten müssen ein Weg finden, damit sich die Wirtschaft (dort) erholt“, betonte der Staatschef. Es könne nicht angehen, dass die größte Volkswirtschaft der Welt oder eine der anderen in Europa oder Nordamerika nicht wüssten, wie sie ihre eigene Krise lösten. Diese Länder hätten alles gewusst, als die armen Länder in der Krise gewesen seien. Angesichts des Anstiegs des Landeswährung Real zum Dollar hatte Brasilien diese Woche zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit Steuern auf ausländische Kapitalzugänge unter anderem in festverzinsliche Anleihen angehoben.

Lula betonte, Mantega habe schon bei einem G-20-Treffen in Kanada vor den Konsequenzen eines Finanzkrieges gewarnt. „Guido (Mantega) sagte bei dem G20-Treffen, es gebe einen großen Währungskrieg, und die ganze Welt sieht, dass es einen Währungskrieg gibt und wir beim G-20-Gipfel über eine Lösung dafür diskutieren müssen.“ Das Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) findet Mitte November in Seoul (Südkorea) statt.

Brasilien wird nach Worten des Staatschefs alle Vorkehrungen treffen für den Fall irgendeiner Bedrohung durch eine „exzessive“ Aufwertung des Real zum Dollar. „Wir werden so viele Maßnahmen treffen wie nötig, um zu verhindern, dass der Real in Relation zum Dollar stark an Wert gewinnt. Es ist wichtig zu erinnern, dass das Problem nicht aus Brasilien kommt“, zitiert die staatliche Agentur „Agência Brasil“ Lula weiter.

Der im Januar aus dem Amt scheidende Präsident erinnerte auch daran, dass Brasilien während der Finanzkrise seine Hausaufgaben gemacht habe. Die Investitionen in die Infrastruktur seien erhöht und Steuern gesenkt worden, damit die Brasilianer mehr hätten konsumieren können. „Es kann nicht sein, dass die reiche Welt ihre Probleme nicht löst. Wer am stärksten leidet, ist die arme Welt. Ich glaube, Brasilien dient heute für jedes Land der Erde als Beispiel.“

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